Ein kleiner Roboter greift sich ein Paket. Er rollt über eine Rampe aus dem Gebäude ins Freie. Dort steht eine Drohne. In deren Bauch legt der Roboter das Paket – eine Luke schließt sich, die Drohne hebt ab. So funktioniert der sogenannte „Drohnenport“ des Würzburger Start-ups „Emqopter“, ein automatisierter Start- und Landeplatz für Liefer-Drohnen. Bislang handelt es sich um einen Prototyp. Doch das kleine Unternehmen ist sich sicher: Drohnen könnten die Logistik nachhaltig verändern.
Wissenschaftler: Luftweg schneller als Straße
Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine hat die Drohnen-Entwicklung einen Schub bekommen. In Bayern gibt es mit „Quantum Systems“ oder „Helsing“ namhafte Hersteller, die im Bereich Rüstungsdrohnen tätig sind. Ungenutzte Potenziale sehen die Informatiker Arndt Balzer und Christian Bachmeir in der Logistik. Die Professoren forschen an der TH Würzburg-Schweinfurt an Drohnen. Viele Lieferungen, die heute noch mit Lkw oder Transportern erfolgten, ließen sich in der Luft schneller abwickeln. Dort gebe es kaum Verkehr. „Man kann die Logistik massiv verbessern und Effizienzen heben“, sagt Bachmeir.
Automatisiert fliegen, automatisiert beladen
Die Idee, Pakete mit Drohnen zu liefern, ist nicht neu. Im März starteten etwa Testflüge einer Transport-Drohne auf die ostfriesische Insel Juist. Versandriese Amazon erprobt in wenigen US-amerikanischen Regionen Drohnenlieferungen an die Haustür [externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt].
So weit wie der Online-Händler ist das Würzburger Start-up noch nicht. Doch das Unternehmen verfolgt derzeit ohnehin einen anderen Ansatz. Es hat sich auf die Infrastruktur rund um Liefer-Drohnen spezialisiert und arbeitet dafür auch mit anderen Herstellern zusammen. Das Start-up will also nicht nur einen sicheren Transport durch die Luft gewährleisten – sondern auch, dass die Drohnen automatisiert be- und entladen werden.
Drohnen für Industriebetriebe oder Krankenhäuser
Noch geht es bei „Emqopter“ somit nicht darum, Pakete an Privatkunden zu liefern. Zunächst will das Unternehmen Partner aus der Industrie oder dem Gesundheitssektor gewinnen. Drohnen eigneten sich vor allem für leichte Güter, die schnell von A nach B müssen. Zum Beispiel für Ersatzteile, die vom Lager an die kaputte Maschine in der Produktionshalle sollen. Oder für eine Gewebeprobe, die vom Krankenhaus ins Labor muss. Hier will das Start-up ansetzen. Die Lieferung mit Drohnen sei nicht nur zeitsparend, sagt Geschäftsführer Nils Gageik: „Es ist erstmal zuverlässiger, weil der Roboter nicht schläft.“
Auflagen und Sicherheitsrisiken
Ungeeignet seien Drohnen für besonders schwere Frachten, sagt Wissenschaftler Christian Bachmeir. Hindernisse sieht er aber vor allem in rechtlichen Fragen. Die Sicherheitsauflagen in der Luftfahrt sind hoch. Es gibt Flugverbotszonen etwa entlang von Flughäfen oder Militäranlagen. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung sei ein wichtiger Faktor, an dem die Branche künftig arbeiten müsse, ergänzt sein Kollege Arndt Balzer: „Jetzt, durch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und Iran, assoziiert der normale Bürger damit sicherlich nicht friedliche Absichten.“
Gründer Nils Gageik versichert: In den Drohnen selbst seien Sicherheitssysteme verbaut. Bevor die Technologie seiner Firma in kritischen Bereichen eingesetzt werde, soll sie im Dauerbetrieb getestet werden.

