Yasmin Weiß ist Professorin an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Sie forscht, wie sich Künstliche Intelligenz auf unsere Arbeitswelt auswirkt. Weiß spart sich durch den Einsatz von KI-Tools jeden Tag drei Stunden Arbeitszeit, die sie dann so verwendet: „Eine Stunde mehr Output, eine Stunde dezidiert fürs Lernen und Weiterbildung, eine Stunde mehr Zeit für meine Familie, für mich selbst, für Sport.“ Durch diese Regelung würden sowohl sie selbst als auch ihr Arbeitgeber profitieren.
Zeitgewinn oder Arbeitsverdichtung?
Wem gehört die halbe Stunde – das war auch die Frage auf dem Media Lab Innovation Festival in München im Frühjahr. In Workshops mit Medienschaffenden zeigte sich: Viele erleben eher Verdichtung als Entlastung. KI übernimmt Routinen, gleichzeitig müssen mehr Projekte in derselben Zeit gestemmt werden. Hier stellt sich die Verteilungsfrage: Wer profitiert von Effizienzgewinnen – Unternehmen oder Beschäftigte?
Das gute Leben nicht vergessen
Die Münchner Ethikprofessorin Julia Inthorn von der Hochschule für Philosophie warnt davor, nur auf Effizienz zu schauen: „Die große ethische Frage nach dem guten Leben müssen wir kontinuierlich mitlaufen lassen.“ Sie fordert, auch die Schattenseiten von KI mitzudenken – etwa prekäre Arbeit im Globalen Süden für das Training von Modellen.
Zeit zu handeln – für eine faire KI-Zukunft
Die Philosophie-Professorin Kate Vredenburgh von der London School of Economics erinnert an die Industrialisierung: Technischer Fortschritt machte die Gesellschaft langfristig zwar reicher, aber die Arbeiter und Arbeiterinnen hätten nicht davon profitiert. Sie meint, man solle darüber nachdenken, wie unsere Gesellschaft sein soll, nicht nur unsere Arbeit, und auf welche Weise wir leben wollen.
Die Expertinnen sind sich einig: Wem die eingesparte Arbeitszeit gehört, ist eine wichtige Frage, der sich unsere Gesellschaft stellen muss. Und am besten werde das im Gespräch zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern geklärt.

