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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Was hilft wirklich gegen hohe Benzinpreise?
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Was hilft wirklich gegen hohe Benzinpreise?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 23. April 2026 16:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Wir sind abhängig vom Öl. Wird es knapp und die Nachfrage bleibt, wie sie ist, zeigt sich das in hohen Preisen an Tankstellen. Das ist der übliche Marktmechanismus.

Inhaltsübersicht
Kurzfristig hilft es, die Nachfrage zu drosselnWas auch effektiv ist: Langsamer fahrenAutofahrer handeln emotionalIrgendwann wird ein Verbot zur akzeptierten VerkehrsregelPolitik muss Menschen langfristig vorbereiten

Die hohen Kraftstoffpreise dürften deshalb niemanden überraschen, sagt Markus Friedrich, Professor für Verkehrsplanung der Uni Stuttgart: „Wir diskutieren ein Thema, das seit 1973 immer wieder diskutiert wird. Man kann sich die Frage stellen, warum es noch nicht gelöst ist.“

Es gäbe seit vielen Jahren Möglichkeiten, um die Abhängigkeit zu bekämpfen, sagt er: Elektrofahrzeuge oder kleinere Autos. Trotzdem taucht das Thema in Krisen immer wieder auf, wird diskutiert und verschwindet dann ungelöst von der politischen Agenda.

Kurzfristig hilft es, die Nachfrage zu drosseln

Langfristig wird das Umstellen auf Elektromobilität das Land unabhängiger vom Ölpreis machen, genauso wie das Ausbauen von erneuerbaren Energien. Aber so weit ist Deutschland noch nicht. In der aktuellen Krise kann man trotzdem etwas tun, sagen Ökonomen: Den Marktmechanismus nutzen und die Nachfrage drosseln. Ein Tankrabatt sei da „eher kontraproduktiv“, weil er den Anreiz zum Spritsparen senke, sagt Mark Andor, Professor für Ökonomie an der Ruhr-Universität Bochum, dem Science Media Center.

Was also kurzfristig helfen würde: Weniger Autofahren. Ein Beispiel: Stefan Gössling, Professor für Tourismus an der Uni Lund, hat errechnet, dass allein die Abschaffung des Dienstwagenprivilegs kurzfristig zu einem Rückgang von bis zu 7,5 Prozent im Treibstoffverbrauch (externer Link) führen könnte.

Was auch effektiv ist: Langsamer fahren

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte schon im März Maßnahmen wie Tempolimits und mehr Homeoffice (externer Link) vorgeschlagen, um den Energieverbrauch zu senken. Viele europäische Länder haben solche Maßnahmen bereits eingeführt. In Deutschland würde laut Deutscher Umwelthilfe eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts bis zu 4,7 Milliarden Liter Kraftstoff jährlich sparen (externer Link). Mark Andor hält das zwar für optimistisch gerechnet, aber es hätte einen messbaren Effekt und könne schnell und kostengünstig realisiert werden.

Außerdem profitieren davon nicht nur der Spritpreis, sondern auch Luftqualität und Klima. Und jeder einzelne Autofahrer, rechnet Friedrich vor: „Der Vorteil, den Sie dadurch haben, dass Sie zum Beispiel statt 130 nur 100 fahren, entspricht ungefähr einer Ersparnis von 14 Euro die Stunde. Sie brauchen länger, aber Sie verbrauchen auch weniger Sprit.“ Je nach Fahrzeug variieren die Ersparnisse.

Autofahrer handeln emotional

Klingt logisch. Nur handeln Menschen nicht immer logisch. Gerade beim Autofahren gehe es um mehr als darum, wie man von A nach B kommt, sagt Wolfgang Fastenmeier, Professor für Psychologie des Verkehrswesens an der Psychologischen Hochschule Berlin. „Der eine will sportlich fahren, der andere will ganz hundertprozentig regeltreu fahren.“ Gerade die Geschwindigkeit hätte für viele Menschen auch mit Themen wie Freiheit und Individualität zu tun.

Diese Emotionen im Straßenverkehr, die müssten berücksichtigt werden. „Wenn sowas eingeschränkt wird, ist klar: Das führt zwangsläufig zu Ablehnung, da will man eben nicht gegängelt sein.“ Deshalb hält Fastenmeier ein Tempolimit nicht für zielführend. Trotz aller Effizienz beim Spritverbrauch. Und trotz der Studien, die zeigen, dass ein Großteil der deutschen Bürger einem Tempolimit zustimmen würde (externer Link). Aus psychologischer Sicht würden Verbote meistens überschätzt.

Irgendwann wird ein Verbot zur akzeptierten Verkehrsregel

Markus Friedrich ist da anderer Meinung. Mit allgemeinen Regeln, an die sich alle halten müssen, sei es leichter, Pläne umzusetzen. Das sei auch eine Frage der Gerechtigkeit. Das Wort Tempolimit sei allerdings zu einem politischen Statement geworden „und das macht es so schwierig, hier zu vernünftigen Lösungen zu kommen.“

Trotzdem ist er überzeugt davon, dass sich Menschen an ein Tempolimit gewöhnen werden. So wie sie auch frühere politisch diskutierte Neuregelungen zu schätzen gelernt haben, wenn sie den Mehrwert erstmal selbst erfahren haben. Er erinnert an die Einrichtung der ersten Fußgängerzonen. Oder an Tempo-30-Zonen in Wohngebieten. „Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Autofahrer gibt, die ernsthaft sagen, da sollte man wieder 50 fahren. Dort wohnen die Menschen. Heute ist es Teil unserer Kultur geworden.“

Politik muss Menschen langfristig vorbereiten

Es sei die Aufgabe der Politik, die Menschen auf Veränderungen vorzubereiten, die kommen werden, sagt Friedrich. Auch damit wir uns nicht weiterhin dem Ölpreis ausliefern und bei der nächsten Preissteigerung an den Tankstellen wieder verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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