Forschende haben im Süden Argentiniens Teile eines Dinosaurier-Skeletts ausgegraben: eine bisher unbekannte Art eines Langhalssauriers. Alexandra Reutter, Doktorandin an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, hat für ihre Promotionsarbeit [externer Link] die Skelett-Teile des Dinosauriers untersucht.
Der Dinosaurier bekommt einen Namen
Genannt hat sie den Dinosaurier „Bicharracosaurus dionidei“, zu Ehren des Schafhirten Dionide Mesa. Dieser hatte die Fossilien vor 25 Jahren gefunden. „Ich habe Dionide gefragt, was er von diesen Dinosauriern denkt. Er nannte sie ‚bicharracos‘. Und ‚bicharraco‘ ist im Spanischen umgangssprachlich ein großes Tier“, erzählt die Paläontologin und Evolutionsbiologin.
Wirbel, Rippen und Beckenknochen eines Sauropoden
Ein deutsch-argentinisches Team um den Paläontologen Oliver Rauhut, Alexandra Reutters Doktorvater, hatte in jahrelanger Arbeit mehr als dreißig Hals-, Rücken- und Schwanzwirbel des Skeletts identifiziert, dazu einige Rippen und den Teil eines Beckenknochens. Das Tier könnte bis zu zwanzig Meter lang und zehn bis fünfzehn Tonnen schwer gewesen sein: ein ausgewachsener Sauropode, also ein Langhalssaurier, aus der Oberen Jurazeit, rund 157 Millionen Jahre alt.
Wichtiger Dinosaurier-Fund auf der Südhalbkugel
Ein wichtiger Fund für die Forschung, sagt der Dinosaurier-Experte Oliver Rauhut von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns [externer Link], denn: „Wir kennen bisher die Evolution dieser Dinosaurier – gerade im Jura – praktisch nur von der nördlichen Halbkugel. Von daher ist alles, was bisher an Daten aus dem Süden kam, immer mit den Daten der nördlichen Halbkugel verglichen worden.“ Mit dem jetzigen Fund gewinnen die Forschenden neue Informationen zur Entwicklungsgeschichte der Langhalssaurier.
Merkmale deuten auf neue Langhalssaurier-Art hin
Die Skelett-Teile deuten auf einen Sauropoden hin, mit langem Hals und langem Schwanz. Auch dass kein Schädel gefunden wurde, spricht dafür, denn laut Alexandra Reutter waren die Schädel der Langhalssaurier „sehr klein und fein“ und gehen deswegen im Verlauf der Zeit oft verloren.
Mit seiner Anatomie entspricht der wuchtige Pflanzenfresser aus dem Süden Argentiniens zwar dem typischen Bild, das viele Menschen von Dinosauriern im Kopf haben. Aber der Bicharracosaurus dionidei ist eine neue Art: Die Knochenreste zeigen Merkmale verschiedener Langhalssaurier, Brachiosauriden und Diplodociden, deren Überreste in Tansania und in Nordamerika gefunden wurden. Oliver Rauhut geht davon aus, dass, wenn noch mehr Funde aus dem Süden entdeckt und analysiert werden, „wir Gruppen haben, die wir bisher noch gar nicht kennen von diesen Langhalssauriern“.
Wenig Anhaltspunkte für Lebensweise von Bicharracosaurus dionidei
Das heutige Patagonien ist geprägt von Pampa, also Steppenlandschaft – in der Jurazeit muss es stattdessen viel Wasser und Bäume gegeben haben. Um eine bessere Vorstellung davon zu haben, wie Bicharracosaurus dionidei aussah und wie der Pflanzenfresser sich ernährt hat, würden die Forschenden gern auf Skelett-Teile der Beine stoßen. „Wenn die Vorderbeine kürzer sind als die Hinterbeine, ist es wahrscheinlich, dass das Tier relativ niedrig gegrast hat. Wenn die Vorderbeine länger sind, dann ist es eher ein Tier, das auf Höhe der Baumwipfel auf Nahrungssuche gegangen ist“, sagt Oliver Rauhut.
Evolution der Saurier: Komplexer als bisher angenommen
Auch wenn die Skelett-Teile von Bicharracosaurus dionidei wenig über seine Lebensweise verraten – für Alexandra Reutter ist die Erkenntnis entscheidend, „dass die Evolution viel komplexer ist als man am Anfang denkt.“ Auf die Forschenden wartet noch viel Arbeit, bis weitere Funde in Südamerika untersucht sein werden, um die Entwicklung der Dinosaurier-Arten noch besser zu verstehen.

