Dafür war der Minijob ursprünglich gedacht
Seit der Hartz-Reform ist der Zuverdienst durch Minijobs möglich. Die ursprüngliche Idee: Menschen ohne Arbeit sollten leichter in eine Vollzeitbeschäftigung einsteigen können. Doch das Ziel wurde verfehlt, kritisiert Stoffels von der IG BAU: „Also die Kolleginnen und Kollegen, die fünf oder zehn Jahre in einem Minijob unterwegs waren, sind gewohnt, dass sie netto für brutto bezahlt bekommen“, sagt sie.
Hotspots für Minijobs: Reinigung und Gastronomie
Und die Realität zeigt, dass viele Menschen den Minijob nicht so nutzen, wie er ursprünglich vorgesehen war. So zum Beispiel auch Melina aus dem mittelfränkischen Landkreis Roth. Nach ihrem Vollzeitjob als Erzieherin geht es weiter zu ihrem zweiten Job als Kellnerin in einem Wirtshaus. „So 300, 400 Euro mehr im Monat, wenn man sich das zusammenspart, dann ist auch mal ein Urlaub mehr möglich“, erklärt sie ihre Beweggründe.
Ihr Chef weiß seine Minijobber zu schätzen: „Die Minijobs sind für mich ultrawichtig, weil einfach die Flexibilität hervorragend ist“, sagt er in der Küche des Restaurants. Wenn er Festangestellte bitte, ins Restaurant zu kommen, müsse er sie gleich für vier, fünf Stunden lang dabehalten. „Und zu einer Aushilfe kann ich gleich sagen: Ey, du bist heute nur für zwei Stunden da“. Insgesamt arbeiten in dem Restaurant 20 Minijob-Beschäftigte – die Hälfte der Belegschaft.
Lebensmittel- und Gastgewerbe sind ein Minijob-Hotspot: Rund 245.000 Menschen in Bayern gehen einer geringfügigen Beschäftigung in der Gastro nach. Aber auch in der Reinigungsbranche nutzen viele das Minijob-Modell: Gut 200.000 sind es da. Insgesamt haben laut Zahlen der Agentur für Arbeit knapp 1,5 Millionen Menschen einen Minijob in Bayern.

