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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Politiker vor sich selbst schützen – Wire besser als Signal?
Netzwelt

Politiker vor sich selbst schützen – Wire besser als Signal?

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 28. April 2026 16:48
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Wenn es noch einen Weckruf brauchte, um klarzumachen, wie gefährdet die Kommunikation hochrangiger Politiker ist, dann hat die Signal-Attacke das jetzt erledigt. Nachdem die Accounts unter anderem von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und mehreren Kabinettsmitgliedern von vermeintlich russischen Angreifern geknackt worden sind, wird jetzt über die Alternativen diskutiert.

Inhaltsübersicht
Politiker vor sich selbst schützenWie funktioniert „Wire Bund“?Was ist mit Wires Draht in die USA?Auch die Schwarz Gruppe ist mit an BordWäre mit Wire die Politik nun geschützt?Bringt es etwas, für Privat-User zu Wire zu wechseln?

Politiker vor sich selbst schützen

Dabei gibt es offenbar viel Sympathie für den Konkurrenzdienst Wire. Das Problem bei Signal lag ja nicht an einer Schwachstelle, die gehackt werden konnte. Die Attacken waren deshalb erfolgreich, weil sich die Politiker und Politikerinnen austricksen ließen. Sie gaben private Zugangsdaten an Kriminelle, die sich als Support von Signal ausgegeben hatten. Wire bietet nun eine Variante, in der man Regierungsmitglieder oder Abgeordnete quasi vor sich selbst schützen lassen kann.

Wie funktioniert „Wire Bund“?

Wire ist ein Messenger, der im Prinzip ganz ähnlich läuft wie Signal. Es gibt allerdings eine Variante dieses Dienstes, die speziell auf die interne Kommunikation von Amtsträgern zugeschnitten wurde: „Wire Bund“. Das steht Angehörigen der Bundesverwaltung exklusiv zur Verfügung und ist ein abgeschlossenes System (externer Link).

„Nutzer von außerhalb des Behördennetzes der Bundesregierung können keine Wire-Nachrichten an Frau Klöckner schicken“, sagt der Sicherheitsexperte Christopher Kunz vom Fachblatt Heise Security. Russische Spione, die sich als Support tarnen, kommen also in diesem System gar nicht durch und können auch keine Phishing-Nachrichten platzieren.

Was ist mit Wires Draht in die USA?

Bedenken gegenüber Signal gibt es im Moment auch deshalb, weil der Dienst seinen Sitz in den USA hat. Die US-Regierung hätte also die Möglichkeit, sich Zugriff auf das Unternehmen zu verschaffen. Ob sie sich dabei wirklich Einblick in die Kommunikation der Signal-User verschaffen könnte, ist unklar, denn Signal arbeitet sehr datensparsam und mit starker Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Trotzdem ist vielen derzeit wohler, wenn ein Kommunikationsunternehmen in Europa beheimatet ist.

Genau an diesem Punkt war aber lange Zeit nicht klar, ob das bei Wire wirklich zutrifft. Es gab zeitweise eine Holding in Delaware, USA, die über dem Unternehmen stand. Auf Nachfrage von BR24 betont Wire nun, man habe diese Struktur wieder geändert. „Seit August 2020 ist die Wire Group Holdings GmbH mit Sitz in Berlin (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 223199 B) alleinige Gesellschafterin der Wire Swiss GmbH und die Muttergesellschaft der gesamten Wire-Gruppe…“

Auch die Schwarz Gruppe ist mit an Bord

Die Eigentümerstruktur bleibt aber kompliziert. Und noch immer halten US-Investoren Anteile. Hierzulande ist vor allem die Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem Lidl gehört, mit Wire verflochten. Der Handelskonzern nutzt den Dienst für die eigene Kommunikation, entwickelt aber auch die Dienste mit Wire gemeinsam weiter. Die Server von Wire stehen laut eigenen Angaben in europäischen Rechenzentren. Das Unternehmen hat jedoch auch Server in den USA, für die dortige Kundschaft.

Wäre mit Wire die Politik nun geschützt?

Grundsätzlich scheint der Dienst eine Option zu bieten, mit der sich Hacker eigentlich draußen halten lassen. Problem ist nur, dass man als Regierungsmitglied oder Bundestagsabgeordneter nicht nur untereinander kommunizieren will, „sondern ich möchte ja auch möglicherweise in meinem Wahlkreis mit Leuten reden oder ich möchte mit meiner Familie Termine abstimmen“, so Sicherheitsexperte Kunz. Und dafür braucht man dann wieder einen zusätzlichen Messenger, wie eben Signal. Politiker völlig abzuschirmen, indem man sie in einer Kommunikations-Bubble gefangen hält, das wird nicht klappen. Und deshalb gibt es auch keine 100-prozentige Sicherheit.

Bringt es etwas, für Privat-User zu Wire zu wechseln?

Ein Messenger – auch der sicherste – ist immer nur dann interessant, wenn er weit verbreitet ist. Wire wird hierzulande aber hauptsächlich in internen Kanälen von Behörden und Unternehmen genutzt. Außerhalb dieser Netzwerke wird man bei Wire kaum auf Bekannte und Freunde treffen. Insofern ist Wire vorerst zumindest keine brauchbare Alternative zu Signal oder WhatsApp.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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