„Yalla“ – das ist arabisch und heißt so viel wie „Auf geht’s!“. „Yalla: Arabisch-jüdische Berührungen“ heißt auch die neue Ausstellung im Jüdischen Museum in München. Jüdisches und Arabisches wird von vielen Menschen heute eher als Gegensatzpaar empfunden.
Dabei haben Juden über Jahrtausende in arabischen Ländern gelebt und fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Israels – die sogenannten „Misrachim“ – hat heute arabische Wurzeln. Sieben Künstlerinnen und Künstler haben sich für die Ausstellung mit ihrer eigenen hybriden Identität auseinandergesetzt.
Verflochtene Traditionen
Eine große Rolle aus zwei Textilien: ein schwarzweißer Tallit, der jüdische Gebetsschal, und ein geknüpfter Teppich, der an Gebetsteppiche in einer Moschee erinnert: das jüdische und das muslimisch-arabische zusammengerollt, aufs engste miteinander verbunden: ein politischer Akt.
Aber auch ein Bild für die Identität des Künstlers: Joseph Sassoon Semah wurde 1948 in Bagdad geboren, als Enkel des letzten Oberrabbiners von Bagdad, das bis 1951 eine große jüdisch-irakische Gemeinde hatte.
Zwischen den Stühlen: Jüdisch-arabische Identität
Joseph Sassoon Semah ist einer von sieben Künstlerinnen und Künstlern, die sich in der Ausstellung mit ihrer hybriden Identität auseinandersetzen: Juden mit arabischen Wurzeln, das würde für viele Menschen erst einmal widersprüchlich klingen, sagt Ulrike Heikaus vom Jüdischen Museum. Diese Struktur des Gegensatzes begann bereits im 19. und 20. Jahrhundert: Von der Kolonialpolitik der europäischen Mächte, über den Antisemitismus der Deutschen, bis zu den Antisemiten, die sich im arabischen Raum verbreiteten.
Auch die Nationalbewegung auf der arabischen Seite und die Gründung des Staates Israels hätten zum Bruch geführt und das Gemeinsame, das über Jahrtausende funktioniert hatte, die Jüdinnen und Juden, die sich im arabischen Raum integriert hatten – entzweit. Es kam also auch zu Spaltung und Gewalt, die von Ungleichheit geprägt war, erzählt Ulrike Heikaus.
Dies wird mit dem Werk der Gebetsschal-Teppich-Rolle von Joseph Sassoon Semah gezeigt: Sie liegt nicht auf dem Boden, die Enden der Rolle ruhen auf zwei Stühlen auf, das Werk befindet sich also buchstäblich zwischen den Stühlen, schwebt mehr als es liegt, seltsam unverortet und ohne Basis. Keine sichere Konstruktion, aber immerhin: es hält.

