Wenn es um ein eigenes Werk von Audi in den USA geht, dann brodelt seit Monaten die Gerüchteküche. Im vergangenen Sommer hatte es in Ingolstadt geheißen, man wolle bis zum Jahresende eine Entscheidung treffen. Seither ist nichts greifbares passiert, die geplante Entscheidung wurde vertagt. Ein Grund: Es fehlt an Planungssicherheit.
So heißt es bei Audi-Insidern, aber auch beim Branchenverband VDA, es gebe bisher schlicht keine rechtssicheren Rahmenbedingungen, mit denen man seriös kalkulieren könne. Schließlich gehe es bei einer neuen Fabrik um eine Milliarden-Investition, für die man über Jahre oder gar Jahrzehnte belastbar planen können müsse.
VW-Konzern muss sparen
Einer der Knackpunkte ist die sogenannte Verrechnung. Wie wären Fahrzeuge zu bewerten, die in den USA produziert, aber ins Ausland verkauft werden? Die Frage, ob ein solches Geschäftsmodell Zollerleichterungen bedeuten würde, ist ebenso ungeklärt wie die Höhe einer entsprechenden Gutschrift. Und wenn ja, zu welchen Konditionen.
Dazu kommt, dass der VW-Konzern sparen muss und unter teils schlecht ausgelasteten Fabriken leidet. Die Idee eines zusätzlichen US-Werks für Töchter wie Audi oder auch Porsche ist deswegen intern umstritten. Auch bei Audi ist eine solche Investition durchaus kontrovers. So kritisierten Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte schon beim Bau der Audi-Fabrik in Mexiko, diese schwäche die Heimatstandorte Ingolstadt und Neckarsulm. In Zeiten, in denen die hiesigen Werke nicht ausgelastet sind würde ein neuer, zusätzlicher Standort in den USA die internen Diskussionen in Ingolstadt wohl verschärfen.
BMW, Mercedes und VW – Die US-Fabriken der deutschen Autobauer
Sollte man sich bei Audi oder auch Porsche am Ende für eine eigene Fabrik in den USA entscheiden, dann gilt es als wahrscheinlich, dass ein solches Werk an den bestehenden Standort der Schwestermarke Volkswagen angedockt wird. Seit 2011 baut VW in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee Fahrzeuge, die speziell für den US-Markt entwickelt wurden.
Wichtigstes Modell ist der große SUV Atlas, ein Fahrzeug, das in Deutschland nur über spezialisierte Importeure erhältlich ist. Zwischenzeitlich bauten die Wolfsburger in Chattanooga auch das Elektromodell ID.4, beendeten die Produktion aber mangels Nachfrage Mitte April.
BMW wiederum betreibt in Spartanburg in South Carolina eines seiner weltweit größten Werke, in dem vor allem SUV-Modelle vom Band laufen. Und in Tuscaloosa in Alabama produziert Mercedes-Benz ebenfalls SUVs. Durch die Fabriken vor Ort können die Hersteller zumindest einen Teil der US-Zölle abfedern.

