Seven Mountains Mandate: Herrschaft als Programm
Das theologische Fundament dahinter hat einen Namen: Seven Mountains Mandate. Die Idee ist so simpel wie weitreichend – Christen sollen die Kontrolle über die sieben Schlüsselbereiche der Gesellschaft übernehmen: Regierung, Bildung, Medien, Familie, Religion, Wirtschaft, Kunst. Rund die Hälfte der US-amerikanischen Christen stimmt dieser Ideologie laut Umfragen zu. Prominente Vertreter der Bewegung bezeichneten Trump als von Gott gesalbt, um die Regierung aus „dämonischer Kontrolle“ zurückzuerobern.
Das operative Instrument dazu: Project 2025. Trump hat offiziell Distanz dazu gehalten – und trotzdem einen Großteil des Programms umgesetzt. Regierung nach „biblischen Prinzipien“, weitreichende Exekutivvollmachten, Diskriminierung auf Basis von Sexualität und Geschlechtsidentität als religiöses Recht von Arbeitgebern.
Die Demokratie als Kollateralschaden
Dahlke benennt die historischen Wurzeln: 9/11 und der Irakkrieg hätten das Bild verfestigt, die USA seien ein christliches Land, das von islamischen Feinden bedroht wird. Hegseth und US-Vizepräsident Vance dienten beide im Irak. Diese Erfahrung prägt vermutlich.
Adorf zieht den Schluss: In diesem Weltbild stehe alles auf dem Spiel – nicht nur Steuerpolitik, sondern die christlich-westliche Zivilisation selbst. Wer so denke, für den rechtfertige das Ende die Mittel. „Wenn die politischen Gegner wieder an die Macht kommen, werden sie unser Land in die Hölle auf Erden verwandeln“, beschreibt Adorf die Denklogik in diesem Lager. Die schwindende Akzeptanz demokratischer Spielregeln in der republikanischen Partei sei auch darauf zurückzuführen, dass das christlich-konservative Lager seinen Einfluss systematisch ausgebaut habe.
Trump ist in diesem Gefüge eher Werkzeug als Überzeugungstäter – eines, das funktioniert, gerade weil es keine eigene theologische Agenda hat. Die Bewegung dahinter hat sie. Und sie arbeitet seit Jahrzehnten daran.

