Die Kriegsgefahr ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr — da ist sich Hauke Friederichs, sicherheitspolitischer Korrespondent der ZEIT und Autor des Buches „Wenn morgen bei uns Krieg wäre“, sicher. Russland dringe mit Kampfjets in den NATO-Luftraum ein, schicke Militärdrohnen nach Polen, verübe Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur. „Es fehlt immer nur ein bisschen, um aus solchen Aktionen einen echten Krieg entstehen zu lassen“, sagt Friederichs im BR24-Interview für „Possoch klärt“. Was, wenn eine dieser Drohnen in ein Chemiewerk stürzt?
„Russland sieht sich bereits im Krieg mit uns“
Russland-Expertin Leslie Schübel von der Körber-Stiftung ordnet ein: Was öffentlich bekannt ist, sei nur die Spitze des Eisbergs. Explodierte Pakete, gekaperte Regierungsserver, manipulierte Zahlungswege, Stromausfall — das sei das wahrscheinlichste russische Angriffsszenario der nächsten Jahre: systematisches Austesten, wie weit man gehen kann. Die historische Parallele ist auch für Friederichs frappierend: Was KGB und Stasi im Kalten Krieg planten — Sabotage, Brandanschläge auf Rüstungsindustrie, Anschläge auf Führungspersonal — setze Putins Machtapparat heute nahezu eins zu eins um, inklusive des geplanten Attentats auf den Rheinmetall-Chef. „Russland sieht sich bereits im Krieg mit uns“, sagt Schübel.
„Abschreckung ist eine Form der Kommunikation“
Könnte Russland trotzdem einen offenen Angriff wagen? Nico Lange, Senior Fellow für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz, gibt eine beunruhigende Antwort: Es kommt darauf an — nicht darauf, was „die NATO“ abstrakt tut, sondern was Deutschland konkret signalisiert.
„Abschreckung ist eine Form der Kommunikation“, sagt Lange. Man müsse der anderen Seite klarmachen: Wenn ihr kommt, ergeht es euch schlecht. Dieses Signal sende Deutschland derzeit nicht laut genug. Wer sich stets herauswindet, keine Drohnen abschießt, kaum Wehrpflichtdebatte führt — der kommuniziert Schwäche. Und genau das könnte Putin in Versuchung führen, auf einen kurzen Krieg zu setzen. Die Geschichte zeigt: Viele lange Kriege, darunter der russisch-ukrainische, wurden vom Aggressor als kurzer Krieg geplant.
Im Video: Plant Putin den großen Krieg, während wir abgelenkt sind? Possoch klärt!

