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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Kosten für die Pflege: Warum der Eigenanteil so hoch ist
Wirtschaft

Kosten für die Pflege: Warum der Eigenanteil so hoch ist

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 16. Mai 2026 08:48
Von Christin Freitag
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6 min. Lesezeit
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Inhaltsübersicht
Eigenanteil im Pflegeheim: Was Bewohner zahlen müssenWarum Pflegeheimkosten stark gestiegen sindWarum Bewohner für Gebäude und Ausbildung zahlenSind private Betreiber schuld?Was Betroffene jetzt prüfen sollten

Die Kosten für Pflegeheime sorgen seit Jahren für Frust – bei Pflegebedürftigen ebenso wie bei Angehörigen. Jetzt hat der Chef des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Oliver Blatt, die Debatte neu entfacht: Würden die Bundesländer die Investitionskosten in Pflegeheimen übernehmen, könnten Heimbewohnerinnen und Heimbewohner nach seiner Rechnung bundesweit im Schnitt um rund 500 Euro im Monat entlastet werden.

In Bayern liegt die durchschnittliche Eigenbeteiligung eines Heimaufenthalts im ersten Jahr nach Berechnungen des Verbands der Ersatzkassen (vdek) inzwischen bei 3.196 Euro im Monat. Der vdek bildet dafür den Mittelwert über alle Einrichtungen (nicht gewichtet nach Bewohner- oder Bettenzahl). Wir schlüsseln die Rechnung auf und beantworten Fragen der BR24-Community.Wir schlüsseln die Rechnung auf und beantworten einige Fragen der BR24-Community.

Eigenanteil im Pflegeheim: Was Bewohner zahlen müssen

BR24-User „fatmes“ fragte in einem Kommentar: „Als ich angefangen habe, mich gezwungenermaßen mit dem Thema vollstationär im Altenheim zu befassen, lag der Eigenbetrag der Bewohner bei knapp unter 2.000 Euro. Das war so 2018/19. Was ist seitdem passiert? (…)“

Der durchschnittliche Eigenanteil in bayerischen Pflegeheimen lag laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) im Jahr 2019 genau gesagt bei 1.869 Euro, Anfang 2020 bei 1.969 Euro. Heute ist der Vergleich komplizierter, weil es Zuschüsse der Pflegekassen gibt, deren Höhe von der Aufenthaltsdauer abhängt. Im ersten Jahr ist die Belastung am höchsten, danach sinkt sie stufenweise (externer Link: Pflege-Eigenanteile).

Im Einzelnen besteht die Eigenbeteiligung aus drei Blöcken: dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für die Pflegekosten, der vor allem die Pflegepersonalkosten umfasst, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten. Für 2026 beziffert der vdek die bayerischen Durchschnittswerte auf 2.115 Euro EEE vor Abzug der Zuschüsse, 965 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 433 Euro Investitionskosten. Je nach Einrichtung und Region kann die Rechnung aber deutlich anders ausfallen.

Warum Pflegeheimkosten stark gestiegen sind

Ein wichtiger Grund für den Anstieg sind die Personalkosten. Seit September 2022 gilt eine Tariftreue-Regelung: Pflege- und Betreuungskräfte müssen mindestens nach Tarif bezahlt werden. Diese Kosten werden laut vdek in den Pflegesatz eingerechnet.

Eine bessere Bezahlung in der Pflege ist für sich genommen zwar kein Fehler im System. Für Pflegebedürftige wird sie aber zum Problem, wenn die Pflegeversicherung höhere Kosten nicht vollständig auffängt. Zumal die allgemeinen Preissteigerungen etwa für Energie und Lebensmittel noch dazukommen.

Warum Bewohner für Gebäude und Ausbildung zahlen

„fatmes“ schrieb außerdem: „Ich sehe auch nicht ein, warum ein Heimbewohner für Investitionskosten und Ausbildungskosten aufkommen soll. (…)“

Investitionskosten sind etwa Ausgaben für Bau, Sanierung, technische Anlagen oder Abschreibungen. Da diese Kosten keinen direkten Bezug zur Pflege haben, sorgt dieser Punkt bei vielen Betroffenen für Ärger. Der vdek spricht von einer Art „Kaltmiete“, weil Pflegeheimbetreiber solche Kosten auf die Bewohnerinnen und Bewohner umlegen können. Zwar fördert Bayern Investitionen in Pflegeeinrichtungen bereits; aus Sicht des vdek reicht das aber nicht aus, erklärte der Verband auf BR-Anfrage.

Auch Ausbildungskosten können bei Pflegebedürftigen landen: Sie werden über eine Umlage an einen Ausbildungsfonds finanziert, in den auch Krankenhäuser, Pflegeversicherung und das jeweilige Bundesland einzahlen. Pflegeeinrichtungen dürfen diese Umlage weitergeben. Aus Sicht des vdek sollten Investitions- und Ausbildungskosten stärker staatlich getragen werden. Vor allem durch die 433 Euro Investitionskosten und einen rechnerischen Anteil an Ausbildungskosten kommt der Verband für Bayern rechnerisch auf rund 534 Euro mögliche Entlastung im ersten Heimjahr – ein Größenraum, den auch GKV-Chef Blatt genannt hatte.

Sind private Betreiber schuld?

Der User „KarloErnesto“ vermutete darüber hinaus: „Die Kosten sind doch vornehmlich der Privatisierung in der Pflege geschuldet. (…)“

Der Verdacht, dass private Pflegeheimbetreiber für den Kostenschub verantwortlich sind, ist weit verbreitet. Mit den vorliegenden Zahlen lässt sich aber nicht belegen, dass Privatisierung oder Gewinnmaximierung der Hauptgrund für die hohen Eigenanteile sind. Die vdek-Daten erklären die stark gestiegenen Heimkosten vor allem mit Pflegepersonalkosten, Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten.

Das heißt freilich nicht, dass Betreiberstrukturen und Gewinne keine Rolle spielen. Für eine pauschale Schuldzuweisung bräuchte es aber aufgeschlüsselte Vergleichsdaten zu Eigenanteilen nach Trägerart und zu den Gewinnmargen einzelner Betreiber. Der vdek verweist zwar auf Unterschiede zwischen Einrichtungen und Trägern, veröffentlicht dazu aber derzeit keine detaillierten Auswertungen.

Was Betroffene jetzt prüfen sollten

Die Durchschnittswerte helfen zur Einordnung, ersetzen aber nicht den Blick auf die konkrete Kostenaufstellung des Heims. In Ballungsräumen und wirtschaftsstarken Regionen fallen Eigenanteile nach vdek-Einschätzung tendenziell höher aus als in ländlicheren Regionen.

Betroffene und Angehörige sollten deshalb EEE, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten, Ausbildungskosten und mögliche Zusatzleistungen vergleichen. Wenn Rente, Pflegekassenleistung und Vermögen nicht reichen, kommen Wohngeld oder Sozialhilfe als „Hilfe zur Pflege“ infrage.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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