In einem offenen Brief des Verbands freier Musikschaffender Pro Musik richteten sich diese Woche über hundert Musiker, Bands und Veranstalter an die Bundesregierung und das Bundesjustizministerium. Künstlerinnen wie Nina Chuba, die Ärzte oder auch die Toten Hosen fordern gemeinsam eine Regulierung des Ticketzweitmarkts.
Ein Schwarzmarkt in Milliardenhöhe
Konzerttickets seien ein Versprechen an die Fans, dass sie für einen fairen Preis dabei sein könnten, heißt es im offenen Brief. Dass immer öfter Tickets zu „horrenden Preisen“ weiterverkauft würden, breche nicht nur mit diesem Versprechen, sondern treibe auch Geld in die Hände von Zwischenhändlern, die „zur Kultur nichts beitragen als Abzocke“.
Dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungsbranche zufolge, der auch Mitinitiator des offenen Briefes ist, sind auf inoffiziellen Plattformen Preisaufschläge von 250 Prozent und mehr dokumentiert. Da wird dann ein Ticket, das im normalen Verkauf 60 Euro kostet, schnell mal für 200 Euro weiterverkauft. Schätzungen zufolge erwirtschaftet der weltweite Ticket-Wiederverkaufsmarkt für Konzerte jährlich rund 13 Milliarden Euro. Und dann ist da noch das Geschäft mit gefälschten Tickets, bei dem Fans hohe Summen ausgeben und nur wertloses Papier erwerben.
Bundesjustizministerin will dagegen vorgehen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat sich jetzt in einem BILD-Interview dazu geäußert. Sie sehe das Problem auch, betont sie da. Kultur- und Sportveranstaltungen dürften nicht nur denjenigen offenstehen, die sich „die horrenden Preise auf dem Zweitmarkt leisten können“.
Hubig verweist auf andere Länder, die bereits wirksam den Zweitmarkt regulieren. Tatsächlich wird in Frankreich, Großbritannien oder Italien der illegale Weiterverkauf von Tickets bereits relativ gut reguliert. Eine mögliche Maßnahme könne etwa sein, dass Preisaufschläge beim Weiterverkauf begrenzt werden, so Hubig.
Unterzeichner fordern Gesetzesentwurf
Eine Deckelung des Preisaufschlages würde sich auch mit den Forderungen der Unterzeichner des offenen Briefes decken. Dort wird eine maximale Aufschlagsgrenze von 25 Prozent auf den Originalpreis gefordert. Zudem sollen Leerverkäufe strenger kontrolliert und vor allem verboten werden.
Die Unterzeichnenden fordern von der Bundesregierung einen zügigen Gesetzesentwurf und berufen sich dabei auf den Koalitionsvertrag, der bereits festgehalten hat, dass die Bundesregierung den Ticketzweitmarkt stärker regulieren will.

