Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) [externer Inhalt] warnt vor Nikotinbeuteln – auch Snus genannt. Es gebe einen Trend, nach dem vor allem junge Leute diese gesundheitsschädlichen Produkte konsumieren. Sie sind dazu gedacht, sie sich zwischen Oberlippe und Zahnfleisch zu stecken, damit das Nikotin allmählich über die Schleimhäute aufgenommen wird. Laut WHO machen Nikotinbeutel süchtig und haben schwere gesundheitlichen Folgen.
WHO: Tabakkonzerne treiben junge Leute in die Sucht
Die WHO prangert vor allem die Marketingstrategien der Industrie an. Es sei das Ziel der Hersteller, eine neue Generation von Konsumenten in die Abhängigkeit zu treiben. Die multinationalen Tabakkonzerne setzen demnach auf neue Produkte wie Nikotinbeutel oder E-Zigaretten, weil die Konsumenten weniger Zigaretten kaufen.
So werben die Anbieter mit einem „Nikotin-Rausch“, der Gefühle von Vergnügen und Zufriedenheit auslöse. Mit Geschmacksrichtungen wie Gummibärchen oder Lakritze und mit Werbung in den sozialen Medien sollen laut WHO gezielt junge Leute geködert werden [externer Inhalt].
Die Nikotinbeutel würden als cooles Lifestyle-Produkt angepriesen, mit dem man heimlich gegen Eltern und Schule protestieren könne. Tatsächlich ist Nikotin ein Nervengift aus der Tabakpflanze, das inzwischen auch synthetisch hergestellt werden kann.
Gesundheitliche Risiken von Nikotinbeuteln
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) [externer Inhalt] warnt davor, dass Nikotin das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen ebenso erhöht wie das Krebsrisiko. Außerdem besteht der Verdacht, dass es die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Diabetes zu erkranken.
Die Behauptung, man könne sich mit Nikotinbeuteln das Rauchen abgewöhnen, ist laut WHO falsch. Oft passiere sogar das Gegenteil, wenn Raucher mehr Nikotin konsumieren, weil sie sich an Orten mit Rauchverbot einfach einen Nikotinbeutel unter die Lippe schieben.
Nikotinbeutel: Milliardenschwerer Markt
Allein im Jahr 2024 hätten die Konzerne mehr als 23 Milliarden Packungen Nikotinbeutel verkauft, und das sei mehr als 2023, so die WHO. Das Geschäft ist lukrativ: So sei 2025 mit Nikotinbeuteln ein Umsatz von fast sieben Milliarden Dollar (rund sechs Milliarden Euro) erzielt worden. Der größte Umsatz liege zwar in den USA – mit einem Marktanteil von 80 Prozent, aber auch in Deutschland oder Schweden seien die Beutel auf dem Vormarsch.
Die WHO appelliert an Regierungen, Nikotinbeutel zu regulieren und Kinder und Jugendliche über deren Gefährlichkeit aufzuklären. Mit einer aktuellen Studie zu den Marktstrategien der Konzerne [externer Inhalt] will die WHO den Staaten Möglichkeiten aufzeigen, wie sie gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen können. In Deutschland ist der Verkauf von Nikotinbeuteln zwar verboten, sie sind jedoch am Schwarzmarkt und im Internet erhältlich.
Mit Informationen von dpa

