Es geht um Macht, Milliarden und die Zukunft der künstlichen Intelligenz (KI): Vor einem Bundesgericht in Oakland in Kalifornien liefern sich der reichste Mensch der Welt, Elon Musk und OpenAI-Chef Sam Altman, einen spektakulären Rechtsstreit. Vor zwei Jahren reichte Musk die Klage ein und fordert nun nach eigenen Angaben bis zu 150 Milliarden US-Dollar Schadenersatz von OpenAI. Sein Vorwurf: Das Unternehmen habe Musks ursprüngliche Ideale verraten.
Durfte OpenAI kommerziell werden?
Die Firma hinter ChatGPT wurde 2015 als gemeinnützige Organisation gegründet, die KI „zum Wohl der Menschheit“ entwickeln sollte. Musk, der zwischen 2015 und 2017 rund 38 Millionen Dollar in die Organisation investierte, behauptet nun, Altman und andere Führungskräfte hätten ihn damals bewusst getäuscht: Statt gemeinnützig zu bleiben, habe sich OpenAI mit Milliardeninvestitionen von Microsoft zu einem gewinnorientierten Konzern entwickelt.
Altman spricht von Sabotage
Auf der Online-Plattform X erklärt OpenAI: „Diese Klage war von Anfang an ein haltloser und neidischer Versuch, einen Konkurrenten zu sabotieren.“ Musk habe seine eigenen Unternehmen (SpaceX, xAI und X) stärken wollen, die Grok als Konkurrenzprodukt zu ChatGPT auf den Markt gebracht haben.
Am Dienstag sagte erstmals Sam Altman vor Gericht aus und wies Musks Vorwürfe zurück. Der CEO könne Musks Argumentation kaum fassen. Laut Altman habe OpenAI inzwischen „eine der größten Wohltätigkeitsorganisationen der Welt“ (externer Link) aufgebaut.
Mehr „Star Trek“, weniger „Terminator“
Musk inszeniert sich vor Gericht als Unheilsprophet, warnt vor den Gefahren unkontrollierter KI. Die Menschheit brauche ein positives Zukunftsbild wie in „Star Trek“, sagte er sinngemäß – und kein „Terminator“-Szenario mit außer Kontrolle geratener Maschinen.
Dabei wirkte der sonst oft demonstrativ selbstsichere Unternehmer überraschend nervös: US-Medien berichteten (externer Link), Musk habe während seiner Aussage einen kleinen Stressball geknetet und häufig auf den Boden gestarrt. Altman dagegen habe meist ruhig gewirkt und eher den Blickkontakt gesucht.
Gerichtssaal wird zur Theaterbühne
Insgesamt wirkt der Rechtsstreit wie ein Blick hinter die Kulissen des Silicon Valley. Vor Gericht geht es nicht nur um Verträge und Firmenstrukturen, sondern auch um persönliche Machtkämpfe, Eitelkeiten und Intrigen. Es kamen neue Details über die chaotischen Tage Ende 2023 ans Licht, als Sam Altman überraschend als OpenAI-Chef entlassen wurde – nur um wenige Tage später an die Spitze zurückzukehren.
Dabei wurden private Nachrichten, interne E-Mails und sogar Tagebuchaufzeichnungen ehemaliger OpenAI-Manager präsentiert. Besonders im Fokus steht Altmans Führungsstil: Mehrere frühere Weggefährten beschrieben ihn unter Eid als manipulativ oder widersprüchlich. Die ehemalige Technikchefin Mira Murati sprach von „Chaos“ (externer Link) innerhalb der Firma. OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever sagte aus, Altman habe ein „konsistentes Muster des Lügens“ (externer Link) gezeigt.
Prozess wird zum Popkultur-Ereignis
Auch abseits der Aussagen sorgt der Prozess für Aufmerksamkeit. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Aktivisten mit aufblasbaren Figuren und Protestschildern wie „Everyone sucks here“. Zuschauer standen teilweise schon vor sieben Uhr morgens Schlange, um einen Platz im Gerichtssaal zu ergattern.

