Vom Pop zum Jazz und wieder zum Pop zurück
Martin Tingvall kommt eigentlich von der populären Musik. Als Schüler am Musik-Gymnasium in Schweden spielte er in einer Rockband. Und verehrte Gruppen wie AC/DC. Als ihm ein Freund die Alben „The real Mccoy“ von McCoy Tyner und John Coltranes „A love supreme“, zwei der wegweisenden Blue-Note-Platten, in die Hände drückte, entdeckte er den Jazz und blieb ihm verbunden: als Solo-Musiker und ebenso im Trio. Trotzdem blieb die Popmusik weiterhin ein Thema, etwa bei Filmmusiken. Und auch bei Kompositionen für Udo Lindenberg.
Auf den Unplugged-Alben von Udo Lindenberg, aufgenommen im Hamburger Atlantik-Hotel, ist Martin Tingvall auch als Gastmusiker dabei. Unter anderem bei „Leben“, noch so ein Stück späte Udo-Philosophie. Und überhaupt: Es sind oft ruhige oder zumindest langsamere Kompositionen, die in der Zusammenarbeit von Panik-Rocker und Jazz-Pianist entstanden sind: „Astronaut muss weiter“ zum Beispiel. Oder „Wenn du durchhängst“.
Tingvall und Lindenberg verbinden ähnliche Themen
Und witzigerweise wirkt die gemeinsame Arbeit auch in den Songs von Martin Tingvall nach. „Pax“, das aktuelle Album seines Trios, eine tiefsinnige Reflexion über eine Welt voller Kriege, kann auch einen Weg weisen. „Open Gate“ heißt eines der Stücke dort, ein offenes Tor.
Die großen Themen, die Martin Tingvall in den jüngsten Jazz-Stücken beschäftigt haben und beschäftigen, sind auch die von Udo Lindenberg. Man denke etwa an „Russen“ – im Kalten Krieg eine Vision des Friedens. Man denke auch an „Mädchen aus Ostberlin“, die Liebe über die Mauer hinweg. Oder man denke an „Na und“, das Hohelied der queeren Liebe.
Der Panik-Rocker wird 80
Am Sonntag wird Udo Lindenberg 80 Jahre alt. Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gratulierte dem Musiker, Maler und politisch und sozial engagierten Udo Lindenberg, teilte das Bundespräsidialamt im Vorfeld mit. Der Bundespräsident lobte den Sänger dafür, einer der Ersten gewesen zu sein, der die deutsche Sprache in der Rockmusik etablierte und mit seinen Songs bis heute ein breites Publikum erreicht.
Lindenberg sei ein unvergleichlicher Textdichter, der die Protagonisten in seinen Songs nicht selten mit Ironie und Satire sowie Wortwitzen beschreibt. Seine Balladen würden die Menschen berühren, weil sie oft mit deren Lebenswirklichkeit zu tun hätten.
Auch seine Positionierung gegen Rechtsextremismus und sein Engagement für humanitäre und soziale Projekte innerhalb der Udo-Lindenberg-Stiftung würdigte Steinmeier. „Nicht nur das musikalische Leben in unserem Land wäre um viele und vieles ärmer ohne Ihr so langjähriges und nachhaltiges Dazutun. Dafür danke ich Ihnen – ganz gewiss auch gemeinsam mit Ihren Fans“, sagte der Bundespräsident an Lindenberg gerichtet.
Zum runden Geburtstag des Musikers gibt es eine Ausstellung in Hamburg („Udoversum“), ein Tribute-Album („We Love Udo“) und eine NDR-Doku (18. Mai, 20.15 Uhr).
Mit Material der dpa

