Lahav Shani und Münchner Philharmoniker
Streit um Konzert in Belgien
Streit um Konzert in Belgien
Ein geplantes Gastspiel der Münchner Philharmoniker unter Lahav Shani sorgt in Belgien für Streit. Drei Verwaltungsratsmitglieder des Brüsseler Kulturzentrums Bozar kündigten deswegen ihren Rücktritt an. Im vergangenen Jahr hatte die Absage eines Konzerts in Gent mit dem israelischen Dirigenten international Kritik ausgelöst.

Bildquelle: PRO EVENTS Veranstaltungs GmbH/Marcus Schlaf
Der Streit um ein Gastspiel der Münchner Philharmoniker unter dem israelischen Dirigenten Lahav Shani sorgt in Belgien erneut für Diskussionen. Aus Protest gegen den geplanten Auftritt im Palais des Beaux-Arts (Bozar) haben drei Mitglieder des Verwaltungsrats ihren Rückzug aus dem Gremium angekündigt: der grüne Kulturpolitiker Jos Gheysels, der Filmemacher Mohamed Ouachen sowie die Kuratorin Els Silvrants-Barclay.
Kritik an Lahav Shani wegen Israel-Bezug
Kritiker werfen Lahav Shani vor, sich nicht deutlich genug von der israelischen Regierung und dem Vorgehen der Armee im Gaza-Krieg zu distanzieren. Zudem steht Shani als Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra im Fokus der Debatte. Das Konzert von Lahav Shani, der im Herbst offiziell den Posten des Chefdirigenten bei den Münchner Philharmonikern antreten wird, ist für den 24. November in Brüssel terminiert. Das Münchner Orchester wird gemeinsam mit der niederländischen Geigerin Janine Jansen Dmitri Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1 in a-Moll spielen. Außerdem steht Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ auf dem Programm.
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Debatte aus dem vergangenen Jahr kocht wieder hoch

Demonstranten halten im Herbst 2025 Schilder mit Solidaritätsbekundigungen hoch, nach Kritik an Shani und dem Israel Philharmonic Orchestra. | Bildquelle: picture alliance/dpa | Malin Wunderlich
Im vergangenen Jahr war Lahav Shani mit dem Münchner Orchester beim Flandern-Festival in Gent ausgeladen worden. Es fehle eine Distanzierung Shanis von der israelischen Regierung im Gaza-Konflikt, warf ihm Festivalleiter Jan van den Bossche vor. In einer von den Münchner Philharmonikern veröffentlichten Stellungnahme schrieb Shani daraufhin von einer „bedauerlichen Entscheidung“. Er sei mit dem Israel Philharmonic Orchestra sowie den Münchner Philharmonikern „unfreiwillig in einen unerwarteten öffentlichen Sturm hineingezogen worden“. Die Konzertabsage in Gent hatte international Kritik ausgelöst. Dem Festival wurden unter anderem antisemitische Motive vorgeworfen. Gleichzeitig gab es Solidaritätsbekundungen mit Shani und den Münchner Philharmonikern, die in Folge der Debatte vom Musikfest Berlin für ein Sonderkonzert eingeladen wurden. In Wien und München kam es auch zu Protestaktionen vor und während Konzerten des Orchesters. In Paris wurden sogar Rauchbomben gezündet. Pianist Igor Levit forderte daraufhin mehr Sicherheit für die Musikerinnen und Musiker.
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Bozar hält trotz Rücktritten an Konzert fest
Anders als in Gent, möchte der Direktor des Brüsseler Kulturzentrums Bozar, Christophe Slagmuylder, die Veranstaltung im November nicht absagen. Er hält trotz der Proteste an dem Konzert fest. Gegenüber der Zeitung „De Standaard“ erklärte er, die Münchner Philharmoniker und Shani würden international nicht boykottiert. Shani werde zudem nicht als Vertreter Israels eingeladen, sondern in seiner Funktion als Chefdirigent des Orchesters.
Video: Lahav Shani und die Münchner Philharmoniker
Die Münchner Philharmoniker sind unter Leitung ihres designierten Chefdirigenten Lahav Shani 2025 bei Klassik am Odeonsplatz in München Aufgetreten. Dort haben Sie unter anderem die Symphonischen Tänze von Sergej Rachmaninow gespielt.
Bildquelle: © Günther Pichlkostner/First Look/picturedesk.com/picture alliance
Autor des Artikels: René Gröger
Veröffentlicht am 16. Mai 2026 im Podcast „Klassik aktuell“ in ARD Sounds

