„Erwache zum Leben“, heißt es im diesjährigen ESC-Sieger-Song der bulgarischen Sängerin Dara: „Willkommen beim Aufruhr“. Was mit dem Titel „Bangaranga“ gemeint ist, konnte die Künstlerin im Blitz-Interview während der Show zwar nicht so genau erklären, aber immerhin heißt es im Text: „Niemand wird heute Nacht schlafen.“ Das dürften sich viele Bulgaren nach der Punktevergabe zu Herzen genommen haben. Mit deutlichem Abstand auf den zweitplatzierten israelischen Sänger Noam Bettan (343 Punkte) holte Dara mit insgesamt 516 Punkten die ESC-Trophäe erstmals nach Bulgarien. Womöglich findet der nächste ESC also in Sofia statt.
Deutsche Zuschauer von Dara begeistert
Nicht nur die TV-Zuschauer, auch die Jurys der 35 Teilnehmerländer waren von der fröhlich-absurden Popnummer angetan. So vergaben die Fachleute aus Malta, Australien, Dänemark und Litauen die Höchstpunktzahl an Bulgarien, auch aus Zypern, Armenien, Polen und England kamen jeweils zehn Jury-Punkte. Die deutschen Zuschauer vergaben an Dara ebenfalls zehn Punkte, nur Israel bekam mehr.
Ob es die eingängige Musik oder die skurrile „Sitztanz“-Choreographie war, die Dara den Sieg bescherten, sei dahingestellt. Jedenfalls fiel sie damit auf. Ihre Botschaft fasste die Sängerin in dem Satz zusammen: „Alles ist möglich.“ Letztlich gehe es darum, Ängste zu besiegen und der Liebe und der Harmonie zu ihrem Recht zu verhelfen.
Im Vorfeld hatte Dara auf Vorbilder aus der bulgarischen Volkskultur verwiesen, wo ähnlich wie in Bayern um die Jahreswende Männer in furchterregenden Kostümen („Kukeri“) die bösen Geister vertreiben. Live-Blogger schrieben begeistert, so eine „modernisierte Austreibungsnummer“ könne die Welt gerade „wirklich sehr gut gebrauchen“. Besonders erfreulich für Dara: Bulgarien hatte drei Jahre ESC-Pause gemacht und war erst in diesem Jahr wieder angetreten.
Buhrufe für israelischen Sänger
Bis zur letzten Punktevergabe hatte der israelische Sänger Noam Bettan mit seiner schwermütigen Popballade „Michelle“ vorne gelegen. Dafür gab es hörbare Protestrufe in der Wiener Stadthalle. Wie schon im vergangenen Jahr hatten die Jurys Israel nur im oberen Mittelfeld eingeordnet. Aus dem Televoting gab es allerdings 220 Punkte, nur Bulgarien (312) und Rumänien (232) bekamen von den Zuschauern mehr Punkte.
Ein Sieg Noam Bettans hätte der European Broadcasting Union (EBU) womöglich eine politische Zerreißprobe beschert, boykottierten doch in diesem Jahr bereits fünf Mitgliedssender wegen der Teilnahme Israels den Wettbewerb. Mehrere weitere Sender, etwa aus Skandinavien, hatten sich skeptisch geäußert. Bettan hatte sich nach eigenen Worten vor dem Finale mit „Buhrufen“ während der Proben nervlich auf etwaige Proteste vorbereitet.
Deutschland weit hinten
Die deutsche Teilnehmerin Sarah Engels landete mit „Fire“ nur auf Platz 23 und bekam ganze zwölf Punkte. Die Wettbüros hatten dieses Ergebnis bei ihren Quoten bereits vorweggenommen. Engels zeigte sich nach dem Finale gelassen: Sie hätte „nichts anders machen können“, ihren Spaß gehabt und bleibe „positiv“.
Grund für das schlechte Abschneiden war wohl der mehrheitsfähige, aber in dieser Konkurrenz völlig unscheinbare Song. Unter mehreren umstrittenen und schlagzeilenträchtigen Show-Einlagen war Engels musikalisch wie tänzerisch leicht zu übersehen, trotz der aufwändigen Feuereffekte, die ARD-Kommentator Thorsten Schorn fürchten ließ, jetzt werde „der Spritpreis wieder hochgehen“.
In den beiden vergangenen Jahren hatte Deutschland deutlich besser abgeschnitten (2025 Platz 15 mit „Baller“, 2024 Platz 12 mit „Always on the Run“). Davor allerdings hatte es mehrere letzte und vorletzte Plätze gehagelt, was Diskussionen über das Auswahlverfahren ausgelöst hatte.
Kamera-Ausfall sorgte für Protest
Die Finnen Pete Parkkonen und Linda Lampenius wurden ihrer Favoritenrolle bei den Wettbüros mit „Flammenwerfer“ nicht ganz gerecht und kamen nur auf Platz 6 (279 Punkte). Überraschend stark schnitten dagegen Italien (Platz 5) und Australien (Platz 4) ab. Rumänien kam hinter Israel auf Platz 3 (296 Punkte).
Einziger Zwischenfall beim Finale in der Wiener Stadthalle: Der sekundenkurze Ausfall einer Bühnenkamera während des Auftritts des tschechischen Sängers Daniel Zizka („Crossroads“). Eine sofortige Beschwerde der tschechischen Delegation wurde von der EBU umgehend zurückgewiesen. Der (kaum wahrnehmbare) Vorfall habe die künstlerische Darbietung nicht geschmälert, daher wurde eine Wiederholung des Auftritts abgelehnt.

