Laut Robert Koch-Institut (RKI) verursachen die sogenannten Bornaviren [externer Link] vermutlich schon seit Jahrhunderten tödliche Hirnentzündungen beim Menschen. Doch erst im Jahr 2018 wurde der Erreger mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „Borna Disease Virus 1“, oder kurz BoDV-1, als Verursacher von bis dahin mysteriösen, schweren Entzündungen des Gehirns (Enzephalitiden) identifiziert.
Mit fünf bis zehn Infektionen pro Jahr gehört die Infektion mit Bornaviren zu den seltensten Erkrankungen in Deutschland. Doch diejenigen, die sich mit dem Virus infizieren, haben nur eine geringe Überlebenschance.
Feldspitzmaus überträgt Bornavirus
Der eigentliche Wirt von BoDV-1 in der Natur ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Der Erreger ist an deren Organismus angepasst und kann sich dort vermehren, ohne dass die Tiere erkranken. Feldspitzmauspopulationen mit Tieren, die das Bornavirus in sich tragen, gibt es vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie in den angrenzenden Bundesländern. Vereinzelt kommen sie auch in Österreich, Luxemburg und der Schweiz vor. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in Bayern.
Ursprünglich galt die Feldspitzmaus als einziger natürlicher Wirt des Krankheitserregers. Bei einer Studie [externer Link] an 293 Nagetieren, die 2022 in der Oberpfalz durchgeführt wurde, konnte das Virus jedoch auch in Gartenspitzmäusen nachgewiesen werden. Bei beiden Arten waren 13 bis 14 Prozent aller Tiere mit dem Erreger infiziert. Auch die Hausspitzmaus kann mit dem Bornavirus infiziert sein. Welche Rolle Haus- und Gartenspitzmaus bei der Übertragung des Virus spielen, ist aber unklar.
Nutz- und Haustiere sind nicht ansteckend
Mit dem Bornavirus können sich in selten Fällen aber auch Menschen infizieren, ebenso andere Säugetiere [externer Link] wie Pferde, Schafe oder Alpakas. Auch Katzen waren bereits vereinzelt betroffen. Infiziert das Virus einen dieser sogenannten „Fehlwirte“, wird es von dessen Immunsystem angegriffen. Dann zieht es sich in das Gehirn zurück, wo es schwere Entzündungen verursacht. Anders als Spitzmäuse scheiden die Fehlwirte keine aktiven Viren aus. Eine direkte Übertragung etwa von Mensch zu Mensch schließen Wissenschaftler deshalb aus.
Übertragungsweg auf den Menschen noch unklar
Wie genau das Virus auf den Menschen übergeht, ist bislang ungeklärt. Auffallend ist, dass fast alle Infizierten entweder am Rand von meist kleineren Ortschaften wohnten oder außerhalb von diesen. Fest steht, dass es für eine Infektion einen Kontakt mit infizierten Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen geben muss. Experimente haben gezeigt: Zellkulturen, die das Bornavirus enthalten, können auf Blättern von Gartenkräutern auch im getrockneten Zustand bis zu vier Tage lang infektiös bleiben.
Bornavirus-Infektion: Sehr selten aber sehr gefährlich
Bornavirus-Infektionen beim Menschen sind sehr selten. Anfangs sind die Symptome der durch die Viren ausgelösten Hirnentzündung unspezifisch. Es treten Fieber, Kopfschmerzen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und manchmal Übelkeit auf. Nach einigen Tagen bis Wochen kommt es in der neurologischen Phase zu Verwirrtheit, Konzentrations- und Sprachstörungen. Hinzu können Krampfanfälle sowie Störungen von Bewusstsein und Gedächtnis kommen.
Im weiteren Verlauf fallen die Patienten oft ins Koma. Die Überlebenschancen sind gering: Eine im Jahr 2024 veröffentlichte Studie [externer Link] zeigte, dass von 45 erkrankten Personen mit einer laborbestätigten BoDV-1-Infektion und einer dadurch verursachten Hirnentzündung, 44 starben. Die Erkrankten waren zwischen sieben und und 79 Jahre alt, Männer und Frauen waren ähnlich stark betroffen. Bislang gibt es weder eine Impfung gegen das Bornavirus noch eine Möglichkeit, eine Infektion gezielt und wirksam zu behandeln.
Handschuhe und Maske schützen
Experten sind sich einig, dass die Ausscheidungen von Spitzmäusen, also Kot, Urin und Speichel, für die Übertragung des Bornavirus verantwortlich sind. Lebende und auch tote Tiere sollten deshalb immer mit Handschuhen [externer Link] angefasst werden. Da Bornaviren auch im getrockneten Kot einige Tage gefährlich bleiben, ist besonders beim Reinigen von alten Ställen, Schuppen, Scheunen oder Dachböden in den Gebieten, in denen das Virus verbreitet ist, Vorsicht geboten. Das gilt auch für Holzlager, Komposthaufen oder Schutthalden in ländlichen Regionen.
Um sich vor Viren im aufgewirbelten Staub zu schützen, sollte man Handschuhe, eine Schutzbrille und eine FFP2-Maske tragen. Eine Maske schützt zudem auch vor dem Einatmen von Hantaviren, Schimmelpilzsporen und Feinstaub. Eine anschließende Dusche und Reinigung möglicher verseuchter Flächen wird ebenfalls empfohlen.

