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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > CO2 zurückholen: Neue Technologien dringend gebraucht
Wissen

CO2 zurückholen: Neue Technologien dringend gebraucht

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 2. Juni 2026 16:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Wenn aus Holz Häuser gebaut oder langlebige Produkte wie Möbel hergestellt werden, ist darin das CO2 gespeichert, das der Baum zuvor aus der Luft geholt hat. Das ist derzeit fast die einzige Methode, wie wir das Treibhausgas wieder zurückholen.

Inhaltsübersicht
Neue Technologien müssen gefördert werdenWälder alleine reichen nicht zur CO2-EntnahmeEs fehlen Ziele für die CO2-EntnahmeAnschubfinanzierung, damit die Kosten sinken

Zuletzt wurden so insgesamt 2,2 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entnommen. Das entspricht nur etwa einem Siebzehntel der globalen CO2-Emissionen von 38,1 Milliarden Tonnen im Rekordjahr 2025. Selbst bei optimalem Ausbau wird die CO2-Entnahme immer nur dafür genügen, unvermeidbare Restemissionen auszugleichen, beispielsweise aus Ackerböden oder der Zementherstellung. Der größte Teil der Treibhausgas-Emissionen darf gar nicht erst entstehen.

Neue Technologien müssen gefördert werden

Nur zwei Millionen Tonnen CO2 wurden mit neuen Technologien eingefangen. Dazu gehört zum Beispiel die Herstellung von Pflanzenkohle mit Hilfe regenerativer Energien; sie kann zur Bodenverbesserung genutzt werden. Oder Geräte, die CO2 aus der Luft holen, um es sicher im Untergrund einzulagern. Oder die Idee, das Meerwasser durch Kalkzugabe etwas basischer zu machen, damit es mehr CO2 aufnimmt als ohnehin schon

Aber egal, welche Methode zur CO2-Entnahme genutzt wird: Wir brauchen einen gewaltigen Fortschritt, um die Klimaerwärmung zu stoppen. Deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad globale Erwärmung in diesem Jahrhundert – das ist das Ziel des Pariser Klima-Abkommens. Die Folgen einer solchen Erwärmung gelten als noch einigermaßen beherrschbar – wobei die 1,5 Grad schon nicht mehr zu halten sind.

Wälder alleine reichen nicht zur CO2-Entnahme

Wälder leiden zwar unter dem zunehmenden Klimawandel und wachsen langsamer, während zugleich das Risiko für Waldbrände steigt, aber sie sind schon lange ein fester Bestandteil des globalen Klimaschutzes. „In den Modellen ist die Annahme, dass der Beitrag aus Aufforstung und Wiederaufforstung leicht weiter steigt. Aber der Fokus auf neuartigen Methoden ist da“, erklärt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik, einer der Autoren des neuen Berichts zum Stand der weltweiten CO2-Entnahme (The State of Carbon Dioxide Removal).

Weil die CO2-Entnahme durch neue Technologien bis Mitte des Jahrhunderts ein ähnliches Niveau wie die durch Aufforstung erreichen müsse, brauchen wir jetzt schon eine deutliche Steigerung. „Also man müsste eigentlich bei 70 bis 100 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 landen.“

Es fehlen Ziele für die CO2-Entnahme

Eigentlich müsste der Ausbau neuer CDR-Technologien in ähnlicher Weise zunehmen wie etwa Elektroautos oder Solarzellen für Photovoltaik. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied, sagt Oliver Geden: „Es gibt nicht den Markt für ein neues Produkt. Sondern es geht darum, CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen und deshalb wird sehr viel mehr öffentliches Geld involviert sein müssen.“

Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als werde CDR, so die englische Abkürzung für CO2-Entnahme, tatsächlich eine solche Karriere machen, sagt Co-Autorin Elina Brutschin vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien. „Wir stellen fest, dass bis jetzt kein Land ein klares, CDR-spezifisches und verbindliches Ziel hat, und nur rund ein Drittel erwähnt neuartige CDR in Langfriststrategien. Das Nettoentnahme-Ziel der EU ist wirklich das einzige rechtsverbindliche quantitative Ziel im Landsektor, aber da lesen wir auch, dass es bis 2030 voraussichtlich verfehlt wird.“

Anschubfinanzierung, damit die Kosten sinken

Viele Länder werden auch ihre Ziele zur Eindämmung der Treibhausgas-Emissionen verfehlen. Stattdessen wäre auch da eine deutliche Steigerung nötig. Denn CO2-Entnahme kann im besten Fall den Teil des CO2 zurückholen, der sich selbst bei allergrößter Anstrengung nicht vermeiden lässt, zum Beispiel Emissionen aus Ackerböden oder bei der Zementherstellung. Wie teuer das werden könnte, hat Sabine Fuss vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung für den Bericht zu ermitteln versucht. Bei den neuen Methoden liegen die Kosten teils weit über den 70 bis 80 Euro, die eine Tonne CO2 im EU-Emissionshandel kostet. „Klar ist aber auch, dass wir natürlich nicht nur unser Portfolio auf die konventionellen konzentrieren können, und die Kosten können natürlich auch nur runterkommen, wenn man in diese Technologien investiert, das heißt: Ja, da wird auch kurzfristig es nötig sein, Anschubfinanzierungen zu leisten.“

Kurzfristig – weil wir viel wertvolle Zeit versäumt haben, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken. Vor allem deshalb brauchen wir jetzt mehr CO2-Entnahme, als Wälder allein leisten können.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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