Wie teuer werden Diesel und Benzin, wenn der Tankrabatt endet?
Die Koalition hatte die Energiesteuer für Mai und Juni gesenkt, um 16,7 Cent je Liter Diesel und Benzin. Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), geht davon aus, dass mit dem Ende des Tankrabatts die Einkaufspreise für die Tankstellen ab dem 1. Juli unmittelbar steigen. „Entsprechend wird die Steuer auch wieder eingepreist werden müssen“, sagt er.
Auch der ADAC geht davon aus, dass die Preise zum 1. Juli steigen werden – und zwar um etwa 17 Cent. Dabei hofft der Verband, dass „die Mineralölkonzerne mit Augenmaß agieren“, insbesondere, wenn am Stichtag noch der günstiger eingekaufte Sprit in den Tanks lagert. Der Automobilclub kritisiert, dass die Preise für Benzin und Diesel aktuell noch zu hoch seien. „Mit dem gefallenen Rohölpreis und der Energiesteuersenkung, die ja im Moment noch gilt, müssten die Preise eigentlich niedriger sein, als wir sie aktuell an den Zapfsäulen sehen“, sagt ADAC-Sprecherin Katharina Lucà.
Ifo-Forscher Florian Neumeier geht ebenfalls von steigenden Preisen aus. Jedoch ist der Ölpreis in den vergangenen Wochen gesunken und liegt deutlich unter dem Niveau vom Beginn des Irankriegs. „Preise, wie wir sie vor Einführung des Tankrabatts hatten, sollten wir also nicht sehen, zumindest so lange der Irankrieg nicht wieder aufflammt“, sagt Neumeier.
Wann soll man am besten Tanken?
Wer kann, sollte vor dem 1. Juli noch einmal volltanken, rät der ADAC. „Aus unserer Sicht, damit man vielleicht nicht zu knapp dran ist, wäre der 29. Juni ein guter Tag, um tanken zu gehen“, sagt Lucà.
Diesem Rat werden wohl viele folgen. Die Tankstellen erwarten eine entsprechend hohe Nachfrage. Der bft rechnet damit, „dass es in den letzten beiden Tagen vor Auslaufen des Tankrabatts, und auch am 1. Juli selbst, einen deutlichen Ansturm auf die Tankstellen geben wird.“ Dabei bleibt für Autofahrer der beste Zeitpunkt zum Tanken der späte Vormittag, denn die 12-Uhr-Regel gilt auch nach Ende des Tankrabatts.
Wurde der Tankrabatt vollständig weitergegeben?
Dem Bund entgehen durch die Steuersenkung rund 1,6 Milliarden Euro. Ob der Tankrabatt tatsächlich vollständig weitergegeben wurde, ist umstritten. Der Branchenverband „en2x“ betont, die Steuersenkung werde in vollem Umfang an die Kundschaft weitergegeben. Auch der Bundesverband freier Tankstellen unterstreicht: „Die Steuerreduzierung ist aus unserer Sicht vollständig bei den Verbrauchern angekommen.“ Dieser Einschätzung schließt sich der ADAC größtenteils an. „Wir sehen, dass der Tankrabatt fast vollumfänglich bei den Verbrauchern angekommen ist“, so Lucà.
Jedoch schätzt die Monopolkommission, dass von der Steuererleichterung von 16,7 Cent pro Liter zwischen 15 und 16 Cent weitergegeben wurden. Demnach sind laut Monopolkommission 100 bis 200 Millionen Euro nicht bei den Verbrauchern angekommen. Laut ifo-Experte Neumeier wurde der Tankrabatt beim Superbenzin „nahezu vollständig an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben, beim Diesel war die Weitergabe jedoch unvollständig.“ Das habe dazu geführt, „dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist“.
Was hat der Tankrabatt gebracht?
Der bft zieht eine gemischte Bilanz. Der Tankrabatt sei ein „übers Knie gebrochenes Gesetz“, das mittelständische Tankstellen belastet habe.
Der ADAC bewertet positiv, dass „für die Entlastung der Autofahrer und Autofahrerinnen etwas getan wurde, deswegen ist es aus unserer Sicht ein gutes Mittel“.
Dagegen kritisieren einige Wirtschaftswissenschaftler den Tankrabatt grundsätzlich. Er sei sozial nicht ausgewogen, schlecht für die Umwelt, dämpfe die Wirkung der hohen Preise auf den Verbrauch und belaste künftige Generationen. Ifo-Experte Neumeier begrüßt, dass der Tankrabatt nicht verlängert wurde. Er habe nicht nur Autofahrer entlastet, die auf das Auto angewiesen seien und durch die hohen Benzinpreise finanziell belastet würden, „sondern auch solche, die das Auto hätten stehen lassen und die finanzielle Mehrbelastung durch höhere Spritpreise leicht schultern können“.

