KI ist nicht gleich KI. Neben gängigen Chatbots wie ChatGPT gibt es sogenannte intelligente „Tutor-Systeme“. Diese liefern nicht einfach per Knopfdruck die Lösung für ein Problem. Sie können viel mehr. Bei einer komplizierten Matheaufgabe sind sie etwa dazu in der Lage, festzustellen, wo die Denkfehler eines Schülers liegen, um ihm oder ihr dann konstruktiv auf die Sprünge zu helfen.
An solchen Tutor-Systemen arbeitet die KI-Forscherin Ute Schmid, Professorin für Kognitive Systeme an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Für ihr herausragendes Engagement in der Wissensvermittlung wird sie am Montag mit dem Communicator-Preis 2026 ausgezeichnet.
Gerade heute habe dieser Preis eine extrem hohe Relevanz. „Wir erleben zunehmend einen Vertrauensverlust von Menschen in die Wissenschaft“, sagt Schmid. Forschende seien deswegen „aufgerufen, in allen relevanten Technologien – künstliche Intelligenz gehört definitiv dazu – verständlich und nahbar zu kommunizieren, was methodisch dahintersteckt, wo Chancen sind, wie man Systeme gestalten muss, um Risiken etwa im Bildungssystem zu minimieren.“
KI-Tutoren könnten Bildungssystem gerechter machen
Wenn von KI die Rede ist, dominieren häufig negative Aspekte: die Angst davor, das Lernen zu verlernen, die Bedrohung durch Deepfakes und Falschinformationen. Wenn es um den Einsatz von KI an Schulen und Universitäten geht, findet Schmid die Kritik zum Teil berechtigt: „Aber das liegt nicht an den KI-Methoden an sich, sondern an der Art, wie aktuell KI-Methoden im Bildungsbereich genutzt werden.“ Ein „KI-Chatbot von der Stange“, der einem Aufgaben einfach abnehme, vom Aufsatz über das Matheübungsblatt, ohne zum Selberdenken anzuregen, könne sehr wohl zu skill skipping führen, der englische Fachbegriff dafür, dass bestimmte Kompetenzen nicht mehr erworben werden.
Doch gerade in der Förderung von Kompetenzen könnten intelligente Tutor-Systeme, wie Schmid sie beschreibt, enorm viel bewirken. Sie könnten beispielsweise das deutsche Bildungssystem gerechter machen. Gerade Kinder, deren Eltern nicht in der Lage seien, sie genügend zu unterstützen, oder Familien, bei denen kein Geld für Nachhilfeunterricht da sei, könnten von diesen Systemen profitieren.
Höhere Nachfrage nach KI-Fortbildung bei Lehrkräften
Mit Chat-Fragen und Quiz-Spielen selbstgesteuertes Lernen fördern – an manchen Schulen und Unis ist das bereits möglich, aber eben nur punktuell. Um Künstliche Intelligenz sinnvoll an Schulen einzusetzen, müsse sich jedoch vieles ändern, sagt die Wissenschaftlerin: „Die Entwicklungen haben uns dramatisch aufgezeigt, dass unser Bildungssystem dringend reformiert gehört, aktuell ist es, wenn ich so sagen darf, nicht ‚AI ready‘.“
Unter den Lehrkräften ist die Nachfrage nach Fortbildungen im Bereich von KI enorm gestiegen. Ausreichend seien die Angebote jedoch nicht, sagt Ute Schmid. Sie fordert eine verpflichtende Fortbildung in KI-Grundlagen für jede Lehrkraft. Auch in den Studiengängen müsse das Thema KI so bald wie möglich abgebildet werden.
Jede Technologie mache bestimmte Kompetenzen überflüssig, das werde auch bei KI so sein, sagt Schmid. Aber es werde absolut notwendig sein, zu verstehen, wie die neue Technologie funktioniert, was sie kann – und was eben nicht, betont sie.

