Als der von Dustin Hoffman gespielte Harry ins Krankenhaus muss, werden dramatische Noten hinzugefügt. Weil aber auch das keine allzu überraschende Wendung ist, kommen Thrillerkomponenten dazu. Und die verleihen der Handlung dann doch eine unerwartete Dynamik.
Mit seinem hochsensiblen Gehör kann Niki selbst modernste Safes und deren Kombinationen knacken. Und weil Harrys Krankenhauskosten explodieren, lässt er sich von einer Einbrecherbande anheuern.
Alles dabei: Romantik, Thriller, Drama
Würde „The Piano Tuner“ in voller Konsequenz dem Aufbau einer Jazz-Improvisation folgen, müsste die Handlung ab diesem Moment absolut unberechenbares Terrain betreten. Dazu allerdings fehlt dem Film leider der Mut: Vieles ist vorhersehbar, manches arg konstruiert. Dem gegenüber steht die hervorragende Schauspielleistung von Hauptdarsteller Leo Woodall und das immersive Sounddesign von Johnnie Burn, der schon mit „The Zone of Interest“ eine Glanzleistung abgeliefert hat.
Gute Anlagen, fehlender Mut
Dennoch: Über den Rohdiamant-Status kommt „The Piano Tuner“ nicht hinaus. Was okay ist, wenn man bedenkt, dass Regisseur und Drehbuchautor Daniel Roher zuvor ausschließlich Dokumentarfilme gemacht hat. Für „Nawalny“ wurde er 2023 mit einem Oscar ausgezeichnet. Gerade mal 29 Jahre alt war der Kanadier damals. Der Druck war enorm, Roher wurde depressiv, hatte eine kreative Blockade. Entsprechend ist sein Spielfilmdebüt auch eine Art Selbsttherapie. Handelt „The Piano Tuner“ doch unter anderem davon, wie man nach einer Krise wieder zu sich findet. Dafür braucht es Zeit. Und dieser Film ist ein sehr guter Anfang.

