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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Pflege der Zukunft: Wo digitale Tools helfen – und wo nicht
Wirtschaft

Pflege der Zukunft: Wo digitale Tools helfen – und wo nicht

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 13. Juli 2026 11:47
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Dreieinhalb Jahre lang hat der Pflegekonzern Korian in seiner Einrichtung in Karlsfeld bei München erprobt, wie digitale Anwendungen den Alltag von Seniorinnen und Senioren verbessern und Pflegekräfte entlasten können. Unterstützt wurde das Projekt „Pflege 2030“ von Forschern der Universität Bremen und des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat das Projekt gefördert. Raus kam ein Praxishandbuch – mit Zeitersparnissen für das Personal, Unterhaltungsangeboten für die Bewohner und Anwendungen, die woanders besser aufgehoben wären.

Inhaltsübersicht
VR-Brillen und ein digitaler Spieltisch punkten im AlltagZeitersparnis durch sprachgestützte DokumentationKorian-Chef: „Menschlichkeit geht nicht verloren“Duft-Roboter und EKG-Toilettensitz haben sich nicht bewährtInvestitionen in Forschung und Technik nötig

VR-Brillen und ein digitaler Spieltisch punkten im Alltag

Für Herbert Janowitz geht es heute nach Mailand. Seit zehn Jahren lebt er in der Pflegeeinrichtung. In einem Katalog hat er sich die Reise ausgesucht – mit der Virtual-Reality-Brille. Gerade noch in Karlsfeld spaziert er jetzt durch die Straßen der italienischen Stadt, landet in einer Basilika, steht vor dem Altar.

Eine von zehn Techniken, die in der Einrichtung getestet wurden. Ein paar Meter weiter quizzt ein Bewohner auf einem großen Bildschirm, dem Care-Table. Das seien zwar nicht direkt Entlastungen in der Pflege, und dennoch haben die beiden Anwendungen bei den Bewohnern und beim Personal gepunktet, erklärt Wissenschaftler Thomas Wittenberg vom Fraunhofer-Institut: „Die waren sehr begeistert“.

Das Pflegepersonal spielte von Anfang an eine zentrale Rolle: „Ohne deren Einverständnis, Mitarbeit oder Konsens würde das Ganze nicht funktionieren“, sagt Wittenberg. Über drei Jahre gab es deshalb regelmäßige Umfragen: Welche Technik kennen die Mitarbeitenden? Wovor haben sie Angst? Wo spüren sie Entlastung?

Zeitersparnis durch sprachgestützte Dokumentation

Die größte Entlastung liegt in der Bürokratie: Pflegefachkraft Josephine Dietrich ist mit dem Tablet unterwegs. Wenn sie Blutdruck misst, dokumentiert sie direkt im Zimmer: „Blutdruck war 130 zu 85, Allgemeinzustand ist gut“, spricht sie ins Gerät, statt es zurück im Büro einzutippen. Die sprachgestützte Pflegedokumentation spart laut Projektmessungen pro Pflegekraft rund 30 Minuten am Tag.

Korian-Chef: „Menschlichkeit geht nicht verloren“

Ein weiterer Baustein ist ein Sturzsensor: ein kleiner Kasten, der ein Zimmer überwacht und auslöst, wenn jemand hinfällt. Sowohl die Pflegedokumentation und der Sturzsensor als auch die VR-Brille und der Care-Table sollen nun bundesweit in den Einrichtungen des Trägers Korian ausgerollt werden.

Für Korian-Deutschland-Chef Christian Gharieb ist es wichtig, technologischen Fortschritt in der Pflege mitzudenken: Durch die Zeitersparnis sieht er durchweg positive Effekte für die Pflege: „Menschlichkeit geht nicht verloren, im Gegenteil: Sie wird gewonnen.“

Duft-Roboter und EKG-Toilettensitz haben sich nicht bewährt

Manche Lösungen haben sich nicht bewährt. Etwa Betten, die die Bewohner automatisch umlagern, um Wundliegen zu vermeiden. Oder der Toilettensitz, der gleichzeitig ein EKG anfertigt. Auch einen Assistenzroboter, der Duft versprüht und Naturklangvideos abspielt, hat den Praxistest erstmal nicht bestanden. Wichtig ist dem Projekt-Team jedoch: Die Techniken können für andere Einrichtungen genau das Richtige sein. Das KI-Trainingssystem, das Denkaufgaben und Sportübungen für Senioren anbietet, könnte in einer Reha-Klinik besser aufgehoben sein.

Der Freistaat Bayern hat das Projekt gefördert: Die Ergebnisse werden deshalb als Praxishandbuch mit dem Titel „Pflege 2030“ (externer Link) kostenlos für andere Träger zur Verfügung gestellt.

Investitionen in Forschung und Technik nötig

Für die Zukunft der Pflege sieht das Fraunhofer-Institut deutlich mehr Technologie auf die Einrichtungen zukommen – von Robotik über Automatisierung bis KI. Doch damit diese Technik wirklich hilft, braucht es nach Ansicht der Forscher stabile Förderung: „Wir brauchen Forschungsinvestment, um die passenden Technologien frühzeitig zu evaluieren und zu identifizieren“, sagt Wissenschaftler Thomas Wittenberg bei der Abschlusspräsentation in Karlsfeld.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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