WhatsApp ändert eine zentrale Funktion – und erntet damit jetzt Ärger: Seit Ende Juni 2026 sollen Nutzer der App ihre Nummer verstecken können – und stattdessen einen Benutzernamen wählen dürfen. So kennt man es von anderen Apps wie Signal und Instagram.
Doch noch bevor die Ankündigung umgesetzt wurde und die Funktion live geht, kommt es schon zu Ärger. Regierungen und Verbraucherschützer beklagen: Die Benutzernamen könnten Betrügern helfen.
So funktioniert der neue Benutzername
Benutzen kann man den neuen Benutzernamen noch nicht, höchstens reservieren. Drei bis 35 Zeichen darf er lang sein, erlaubt sind Buchstaben, Ziffern, Punkte und Unterstriche. Wenn man den Benutzernamen auswählt, sehen neue Kontakte nicht mehr die Telefonnummer, sondern nur noch den Benutzernamen.
Ein öffentliches Verzeichnis wie auf Facebook, in dem man Namen durchsuchen könnte, soll es nicht geben. Um jemanden anzuschreiben, muss man den Benutzernamen exakt kennen. Zusätzlich lässt sich ein sogenannter Username-Key einschalten, eine Art zweites Passwort: Erst wer diesen Code kennt, kann eine fremde Person überhaupt zum ersten Mal kontaktieren.
Mehr oder weniger Privatsphäre?
Für viele ist das eine spürbare Erleichterung. Bisher konnten Kriminelle in großen Gruppen die offen sichtbaren Nummern der anderen absammeln und später für SMS-Betrug oder Phishing missbrauchen. Diese Lücke sollte der Benutzername schließen.
Genau an diesem Punkt beginnt aber auch die Sorge. Eine Telefonnummer war schwer zu fälschen und ließ sich im Zweifel zurückverfolgen. Ein frei gewählter Name dagegen lässt sich leicht nachbauen. Betrüger könnten sich Namen sichern, die denen von Banken, Behörden oder bekannten Personen zum Verwechseln ähnlich sehen – ein vertauschter Buchstabe, ein zusätzlicher Punkt, schon wirkt der Absender seriös.
Ein Test des US-Techportals TechCrunch zeigte: Während der Reservierungsphase waren Namen, die an Politiker oder Filmstars erinnerten, noch frei zu haben. Fachleute vergleichen das Ganze mit dem Handel um begehrte Internet-Adressen. Kurze Namen, Markennamen und die Namen von Behörden bekommen plötzlich einen Wert – auch für Kriminelle.
Indien zieht die Reißleine
Indien, WhatsApps größter Markt mit mehr als 500 Millionen Nutzern, hat nun reagiert. Das indische IT-Ministerium forderte Meta auf, die Benutzernamen-Funktion zu überarbeiten, bevor sie im Land startet. Die Begründung: Ein Name ohne Nummer könne Online-Betrug, Phishing und Identitätsklau erleichtern und den Ermittlern die Spur zu den Tätern nehmen.
Cyberbetrug ist in Indien ein großes Problem. Indische Bürger verlieren jedes Jahr mehrere Milliarden US-Dollar durch solche Betrügereien. Ein Absender, der „Polizei“ oder „Zentralbank“ im Namen trägt, würde solche Maschen noch glaubwürdiger machen.
Auch in Deutschland wird gewarnt
Hierzulande gibt es zwar keinen Stopp, aber deutliche Warnungen. Die Verbraucherzentrale NRW bestätigt die Gefahr, dass sich Kriminelle Namen zulegen, die nach vertrauten Firmen oder Behörden klingen. Eine Nachricht von einem Konto, das sich schlicht „Sparkasse“ nennt, könnte Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Der Rat der Verbraucherschützer: Einem unbekannten Namen sollte man nicht blind vertrauen, nur weil er vertraut klingt.
Meta weist die Vorwürfe zurück und verweist auf mehrere Schutzmechanismen. Die Namen von Prominenten, Behörden und verifizierten Konten habe man vorab gesperrt, damit nur die echten Inhaber sie beanspruchen können – ähnliche Schreibweisen seien mittlerweile ebenfalls nicht mehr zu haben. Auch sollen Accounts nicht unbegrenzt viele andere Accounts anschreiben dürfen und schlaue KI-Systeme sollen Betrug schneller erkennen.

