Ein entspannter Tag am Badesee oder das erste Sonnenbad am Urlaubsort – wenn man Pech hat, kommt es zu einer bösen Überraschung: Stunden später oder erst am nächsten Tag reagiert die Haut mit Spannungsgefühl, Juckreiz oder roten Flecken beziehungsweise Papeln. Besonders nach dem ersten intensiven Sonnenkontakt im Jahr tritt dieses Muster häufiger auf. Solche Beschwerden werden alltagssprachlich als Sonnenallergie bezeichnet.
Was ist eine Sonnenallergie eigentlich?
Medizinisch ist eine Sonnenallergie kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene durch UV-Strahlung ausgelöste Hautreaktionen. Die Beschwerden ähneln sich zwar oft, unterscheiden sich jedoch in Ausprägung und Ursache deutlich. Für eine gezielte Behandlung ist die genaue Einordnung deshalb wichtig.
Polymorphe Lichtdermatose: die häufigste Form der „Sonnenallergie“
Die polymorphe Lichtdermatose ist die häufigste Form der Sonnenallergie. Dabei handelt es sich nicht um eine echte Allergie, sondern um eine übersteigerte Reaktion der Haut auf Sonnenlicht. Typisch sind juckende Hautveränderungen wie Rötungen, Papeln oder Bläschen. Besonders betroffen sind Frauen und Menschen von hellem Hauttyp.
Warum entsteht die polymorphe Lichtdermatose?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass UV-Strahlung körpereigene Strukturen in der Haut verändert, die anschließend vom Immunsystem fehlinterpretiert werden – es kommt zu einer überschießenden Reaktion der Haut auf die UV-Strahlung, meistens auf UV-A.
Je nach Person können aber unterschiedliche Wellenlängen beteiligt sein: UV-A, UV-B oder eine Kombination aus beiden. Mithilfe einer sogenannten Lichtprovokation kann man herausfinden, welche UV-Strahlen die Sonnenallergie auslösen. Das zu wissen, sei wichtig für die Patientinnen und Patienten, um sich entsprechend schützen zu können, so Julia Welzel vom Universitätsklinikum Augsburg in der Sendung „Gesundheit!“ (externer Link). UV-A-Strahlung kann zum Beispiel durch Fensterglas hindurchdringen, sodass auch im Auto oder in Innenräumen mit direkter Sonneneinstrahlung Schutz relevant sein kann.
Mallorca-Akne: andere Reaktion, ähnliches Bild
Neben der polymorphen Lichtdermatose kann auch die sogenannte Mallorca-Akne zu unerwünschten Hautreaktionen führen. Sie ist keine Akne im klassischen Sinn, sondern eine durch UV-Strahlung ausgelöste Hautreaktion. Typisch sind kleine, stark juckende Papeln vor allem an Schultern, Oberarmen und im Dekolleté.
Ausgelöst wird die Mallorca-Akne durch die Kombination aus UV-Strahlung und fett- oder emulgatorenhaltigen Sonnencremes oder Hautpflegeprodukten. Dabei entsteht eine entzündliche Reaktion in den Haarfollikeln.
Phototoxische Dermatitis: Wirkstoffe verstärken UV-Strahlung
Bei der phototoxischen Dermatitis reagiert die Haut nicht immunologisch, sondern durch eine chemisch ausgelöste Verstärkung der UV-Wirkung. Auslöser können Medikamente, Pflanzenstoffe oder Kosmetika sein. Die Reaktion ähnelt einem starken Sonnenbrand, teils mit Blasenbildung. Wichtig: Die Hautveränderungen betreffen nur die direkt der UV-Strahlung ausgesetzten Hautbereiche.
Photoallergische Dermatitis: eine echte Immunreaktion
Bei der photoallergischen Dermatitis liegt tatsächlich eine allergische Reaktion des Immunsystems vor. Sie entsteht, wenn UV-Strahlung mit bestimmten Inhaltsstoffen aus Medikamenten oder Hautpflegeprodukten zusammenwirkt. Anders als bei der phototoxischen Form kann sich der Hautausschlag dabei auch auf Bereiche ausbreiten, die nicht direkt der Sonne ausgesetzt waren, und ist häufig stark juckend.
Seltene Form der Sonnenallergie: Solare Urtikaria
Sehr selten ist die solare Urtikaria. Dabei treten innerhalb von Minuten Quaddeln auf, manchmal begleitet von starkem Juckreiz und Brennen. Die Reaktion kann so heftig sein, dass sie sich wie eine klassische Nesselsucht anfühlt. Ausgelöst wird sie direkt durch UV-Strahlung, die eine sofortige Histaminfreisetzung in der Haut anstößt. Dadurch kann es auch zu Kreislaufproblemen kommen. In schweren Fällen sind Symptome möglich, die einem allergischen Schock ähneln, etwa Schwindel, Blutdruckabfall oder Atemnot.
Was hilft bei allen Formen einer Sonnenallergie?
Unabhängig von der genauen Diagnose gilt als wichtigste Maßnahme konsequenter UV-Schutz: lange, luftige Kleidung und Kopfbedeckung, viel Schatten, Sonnenschutz mit UVA- und UVB-Filtern sowie eine langsame Gewöhnung an Sonne.
Bei Beschwerden können je nach Form zusätzlich Medikamente gegen Allergien oder kortisonhaltige Cremes zum Einsatz kommen, sagt der Münchner Hautarzt Markus Reinholz in der Sendung Gesundheit!
Außerdem wichtig: UV-Index checken
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) (externer Link) rät grundsätzlich jedem, ab einem Wert von 3 auf der Skala zu Schutzmaßnahmen. In Deutschland werden im Sommer Werte von 8 bis 9, in den Hochlagen süddeutscher Gebirgsregionen bis 11 erreicht. Wie hoch der UV-Index ist, kann man beim Deutschen Wetterdienst (externer Link) nachschauen.

