Ab dem 17. September soll sich die rund 178 Meter lange und 700 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine vom Tunnelportal West an der Donnersbergerbrücke Richtung Marienhof graben. Vorher dürfen Bürgerinnen und Bürger entscheiden, wie die Maschine heißen soll.
Aus mehr als 1.000 Vorschlägen hat die Deutsche Bahn drei Namen für die öffentliche Abstimmung ausgewählt. Diese drei Namen stehen zur Wahl:
Anna: Erinnerung an die erste Elektrotechnikstudentin
Mit dem Namen Anna soll an Anna Boyksen (1881–1920) erinnert werden. Sie war die erste Frau, die an der damaligen Technischen Hochschule München Elektrotechnik studierte. In ihrer Begründung schreiben die Einreichenden, der Name stehe für Mut, Innovationsgeist und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Boyksen brach ihr Elektrotechnikstudium nach dem Vordiplom allerdings ab, heiratete und bekam eine Tochter. Anschließend studierte sie in Erlangen Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften und promovierte dort. Sie starb bereits im Alter von 39 Jahren. Der Name sei kurz, zeitlos und leicht einprägsam, argumentieren die Initiatoren.
Donna Maria: Von der Donnersbergerbrücke zum Marienhof
Der Name Donna Maria verbindet den Startpunkt der Bohrarbeiten an der Donnersbergerbrücke mit dem Ziel am Marienhof. Gleichzeitig spielt er auf Maria als Schutzpatronin Bayerns an. Weil die Maschine den Erkundungs- und Rettungsstollen vorantreibt, passe dieser Schutzgedanke besonders gut, heißt es in der Begründung. Zugleich greift der italienisch klingende Name Münchens Ruf als „nördlichste Stadt Italiens“ auf. Donna ist im Italienischen außerdem eine respektvolle Anrede für eine Frau. Das Wort leitet sich vom lateinischen „domina“ („Hausherrin“) ab.
Martha: Erste deutsche Diplom-Bauingenieurin
Mit Martha wollen die Einreichenden an Martha Schneider-Bürger (1903–2001) erinnern. Sie schloss 1927 als erste deutsche Diplom-Ingenieurin im Bauingenieurwesen ihr Studium an der damaligen Technischen Hochschule München ab und gilt als Wegbereiterin für Frauen in technischen Berufen. Vorgeschlagen wurde der Name von zwei Münchner Bauingenieurinnen. Sie möchten damit weibliche Vorbilder in Naturwissenschaft und Ingenieurwesen sichtbarer machen.
Schneider-Bürger arbeitete zunächst in einem Ingenieurbüro in Düsseldorf, später bei der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Fachleuten ist sie bis heute vor allem durch ihre Standardwerke zu Stahlprofilen bekannt. Ihre Formelsammlung „Stahlbau-Profile“ erschien ab 1932 in insgesamt 24 Auflagen.
Warum tragen Tunnelbohrmaschinen Frauennamen?
Die Deutsche Bahn hatte sich ausdrücklich Namen mit Bezug zu München, Bayern, Technik, Wissenschaft oder Infrastruktur gewünscht. Dass ausschließlich Frauennamen zur Wahl stehen, hat jedoch noch einen weiteren Grund.
Tunnelbohrmaschinen tragen traditionell weibliche Namen. Diese Tradition geht auf die heilige Barbara zurück, die Schutzpatronin der Bergleute, Tunnelbauer und Sprengmeister. Vor dem Beginn eines Tunnelprojekts wird vielerorts bis heute eine Barbara-Feier abgehalten.
Auch zahlreiche andere Großprojekte folgen diesem Brauch. So trug eine Tunnelbohrmaschine für den Gotthard-Basistunnel den Namen „Sissi“, beim Brenner-Basistunnel kamen unter anderem „Flavia“ und „Virginia“ zum Einsatz. Die Maschine, die den Hamburger Elbtunnel grub, hieß Trude – ein Akronym für „Tief Runter Unter Die Elbe“.
Die Abstimmung für München läuft bis zum 24. Juli auf der Projektwebseite der 2. Stammstrecke. Wer auf den späteren Siegernamen setzt, hat die Chance auf eine Führung zur Tunnelbohrmaschine am 12. oder 13. September. An diesem Wochenende öffnet die Deutsche Bahn beim Tag der offenen Baustelle das Tunnelportal West für Besucherinnen und Besucher. Nur wenige Tage später soll die Maschine ihre Grubenfahrt unter der Münchner Innenstadt beginnen.

