Was macht einen guten Techno-Club aus? Ein industrielles Äußeres mit kahlem Beton und klaren Kanten, ein scheinbar unüberwindbarer Türsteher und vor allem: der Sound. Wer in München den besten Klang für elektronische Musik sucht, landet früher oder später im Blitz. So lautet die einhellige Meinung.
Der Sound macht die Musik
Laut Club-Mitgründer David Muallem hat das Blitz eine der besten Anlagen der Welt. Vom Soundingenieur über den Schreiner bis zum Architekturbüro waren viele Gewerke beteiligt. Branimir „Brane“ Peco beschreibt das Ergebnis als „holistische Erfahrung“. Ein Erlebnis, das auch viele Touristen anzieht. Die Hotels rund um die Museumsinsel seien laut Brane schon lange ausgebucht.
Wer diesen Sound noch einmal am eigenen Körper erleben will, muss sich allerdings beeilen. Der Mietvertrag des Blitz‘ läuft aus. Laut Clubbetreibern wollte das Deutsche Museum nicht mehr, laut Deutschem Museum die Club-Betreiber. Wie dem auch sei: Ab Anfang August schließen die Pforten.
Ein großes Medienecho als gutes Zeichen
Dass Elektro-Clubs schließen müssen, gehört fast schon zum Alltag. Erst kürzlich hat auch der DNA Club im Münchner Werksviertel bekannt gegeben, im September zu schließen. Steigende Mieten, sinkende Besucherzahlen oder generell wirtschaftlicher Druck gehen an den kleinen, aber auch an großen Namen nicht vorbei. Dabei gibt es aber auch eine positive Entwicklung zu beachten. Der Aufschrei hallte nämlich nicht nur von der Nachtclubszene oder von Gästen wider, sondern auch bei der Wirtschaft und der Politik. Das zeigt: Techno und Clubkultur fristen schon lange kein Nischendasein mehr.
Wie das Berghain für Berlin und ganz Deutschland hat das Blitz für München und Bayern dazu beigetragen, Techno stärker in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Mitgründer Branimir „Brane“ Peco, seit Jahren im Münchner Nachtleben unterwegs, sieht eine klare Entwicklung: Wo Clubs baurechtlich und behördlich früher „zur Kategorie Puff und Striplocal“ gezählt worden wären, werden sie heute eher als Kulturorte wahrgenommen. Gerade während der Pandemie war dieser Wandel für das Blitz überlebenswichtig. Andere Länder und Städte seien da noch nicht so weit.
Der Ort wird wechseln, der Spirit bleibt der gleiche
Nach Corona steht nun die nächste Hürde an, den Kulturort in ein neues Kapitel zu führen. Mut gibt den beiden Gründern dabei nicht nur der gefeierte Sound, sondern vor allem die über Jahre gewachsene Community hinter, vor und auf der Bühne.
Zum Beispiel Paul, der zunächst unzählige Abende um seinen Eintritt bangen musste, bevor er selbst als „Selekteur“, wie Türsteher in der Szene genannt werden, an der Tür stand. Kein anderer Club habe ihm ein so gutes Gefühl gegeben; oft sei er sogar allein hingegangen. Ähnlich Gabriele aus Italien, der große Schwierigkeiten hatte, in München anzukommen – bis er das Blitz als Gast entdeckte. Der Club habe ihn als vermeintlichen Außenseiter auch ohne große Deutschkenntnisse akzeptiert. Schnell habe er sich als Teil von etwas Großem gefühlt. „The best feeling ever“, sagt er im Interview.
Eine treue Community kann man sich nicht kaufen
Geschichten, wie der Blitz Club vermeintlichen Außenseitern ein Zuhause gegeben hat, kennen David und Brane vom Club. Bei dem vielen Feedback, das sie seit der Bekanntgabe der Schließung bekommen, würden viel mehr Menschen darüber reden, als über den Sound. Das stört die Sound-Enthusiasten aber keineswegs, vielmehr gibt es ihnen ein gutes Gefühl, dass es auch an einem neuen Ort so weitergehen wird.
Wie genau, darüber halten sich die Gründer bislang bedeckt. Im Hintergrund laufen Gespräche, die Übergangszeit soll möglichst kurz sein, aber man möchte nicht zu viel versprechen. Erst wenn man sich sicher sei, werde man konkrete Pläne bekannt geben.
Das Blitz hat einen Ort geschaffen, an dem sich Menschen mit offenen Armen begegnen können. Mit dieser Grundlage bietet die selbst aufgebaute Community jetzt die besten Voraussetzungen, dass der Club an einem anderen Ort genau dort weitermachen kann. Nicht genauso wie zuvor, aber in einem ähnlichen Licht – und Sound.

