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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Katharina Wagner vor Bayreuth-Saison: „Es gab sehr viele Fehler“
Kultur

Katharina Wagner vor Bayreuth-Saison: „Es gab sehr viele Fehler“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. Juli 2026 19:46
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Beethovens Neunte im Bayreuther Festspielhaus, das sind ungewohnte Töne, aber zum 150. Geburtstag der Festspiele wird zum Auftakt vieles anders sein als sonst. Immerhin, für Richard Wagner war Beethovens Neunte das „Evangelium“, der Durchbruch zur „Musik der Zukunft“. Schon am Sonntag, dem zweiten Tag der diesjährigen Saison, wird es allerdings nicht mehr um Beethoven gehen, sondern um Wagners berüchtigten Antisemitismus und die Instrumentalisierung der Festspiele durch die Nazis.

Inhaltsübersicht
Katharina Wagner: „Friedman hat ganz Wichtiges zu sagen“„Akustisch ein Knaller“Künftig jährlich zwei Neuproduktionen

Der Frankfurter Publizist Michel Friedman wird dazu eine Rede halten, die womöglich eher einer Abrechnung gleichen wird – mit den braunen Umtrieben auf dem grünen Hügel und dem langen Schatten, den sie bis heute werfen.

Katharina Wagner: „Friedman hat ganz Wichtiges zu sagen“

„Es gab sehr viele Fehler, die im Vorfeld gemacht wurden, wofür wir auch die Verantwortung tragen“, räumte Festspielchefin Katharina Wagner bei der Auftakt-Pressekonferenz ein. Zunächst war Friedmans Rede wegen angeblicher „Sicherheitsmaßnahmen“ abgesagt worden: „Ich bin sehr dankbar, dass Herr Friedman meine Entschuldigung angenommen hat und dass wir ihn hier im Festspielhaus begrüßen dürfen. Das ist für mich auch eine ganz wichtige Angelegenheit, denn Herr Friedman hat ganz Wichtiges zu sagen.“

Dass mit „Rienzi“ in diesem Jahr ausgerechnet „Hitlers Lieblingsoper“ auf dem Spielplan steht, verteidigte Katharina Wagner mit dem Hinweis darauf, dass es um „Aufstieg und Fall“ eines Volkstribunen gehe, wobei dessen „Fall“ ausführlich thematisiert werde. Zwar seien Inszenierungen immer „Geschmackssache“, doch sie persönlich finde die Umsetzung durch die ungarischen Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka „kompakt und gelungen“: „Ich finde es gut.“

„Akustisch ein Knaller“

Dramaturg Markus Kiesel nannte eine Bayreuther Aufführung des „Rienzi“, wo es um den skrupellosen italienischen Populisten Cola di Rienzo (1313 – 1354) geht, „eigentlich überfällig“. Das Werk sei im Festspielhaus „akustisch ein Knaller“, im Übrigen habe man „den Finger in eine Wunde gelegt“. Hitler habe wohl ein Faible für „heroische Untergangsszenarien“ gehabt. Das Vorspiel von „Rienzi“ war in der NS-Zeit fester musikalischer Bestandteil der Reichsparteitage.

Josef Köpplinger, Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters, wollte vor längerer Zeit wegen der zwiespältigen Vergangenheit nicht in Bayreuth arbeiten, wie er dem BR sagte: „Als man mich mal fragte, vor vielen Dekaden, habe ich nein gesagt, genau aus dem Grund. Das habe ich für mich behalten, das kann ich jetzt, Dekaden später, thematisieren, aber das wollte ich nicht, das konnte ich mit meinem Gewissen definitiv nicht vereinbaren, dort zu inszenieren, das habe ich nicht gemacht.“

Künftig jährlich zwei Neuproduktionen

Vor dem Bayreuther Festspielhaus geht es in der frisch renovierten Freiluftausstellung „Verstummte Stimmen“ um die Ausgrenzung jüdischer Künstler während des Nationalsozialismus. Die Politik erwartet von Festspielleiterin Katharina Wagner künftig deutlich mehr historische und kritische Einordnung des Wagner-Kults, auch als „Kontextualisierung“ bezeichnet. Der bayerische Kunstminister Markus Blume: „Das wird möglicherweise auch den Charakter der Festspiele verändern, mindestens im Begleitprogramm, dass die Kontextualisierung, die an anderen Stellen im Kunstbereich selbstverständlich ist, auch in Bayreuth mit zu leisten und mitzuliefern ist.“

Dazu zeigte sich Katharina Wagner „auf und vor der Bühne“ bereit: „Natürlich sind wir in erster Linie ein Opernhaus. Kontextualisierung fand ja schon bisher sehr deutlich statt, in einigen Inszenierungen sogar deutlich und mit großem Erfolg.“

Ab dem kommenden Jahr wird es in Bayreuth übrigens jährlich zwei Premieren geben. Grund dafür: Das Publikum erwarte kürzere Laufzeiten und mehr Neuproduktionen. 2027 kommen „Lohengrin“ und „Parsifal“ neu heraus, allerdings jeweils mit dem halben bisher üblichen Ausstattungsbudget.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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