Ausgerechnet zur Erntezeit blockiert Russland den ukrainischen Hafen von Odessa, der entscheidend ist für viele Agrarprodukte, die von dort verschickt werden. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs führte das im Jahr 2023 zu einer Getreidekrise, unter der viele Entwicklungs- und Schwellenländer zu leiden hatten.
Weltmarktpreise ziehen bereits an: Abhängigkeit in vielen Ländern
Große Mengen an Weizen, Mais und Sonnenblumenöl, die im Nahen Osten und in Asien schon dringend erwartet werden, kommen derzeit gar nicht auf den Weltmarkt. Denn die jüngste Eskalation im Ukraine-Krieg hat dazu geführt, dass beide Seiten gegenseitig die Schifffahrt massiv behindern.
Länder in Asien und Afrika, in denen kaum Getreide angebaut wird, sind von solchen Lieferausfällen sofort betroffen. Vor dem Krieg standen die Ukraine und Russland für rund ein Viertel der weltweiten Getreide-Exporte. Deshalb kam es 2023 in einer ähnlichen Situation wegen des Ukraine-Kriegs in vielen Ländern wie Ägypten zu Preisschocks bei Lebensmitteln wie Brot.
Spekulation mit steigenden Agrarpreisen an den Börsen
An Terminbörsen wie in Chicago (CBOT) zogen die Lieferpreise vor allem für Weizen sprunghaft an, allein in der vergangenen Woche um 30 Prozent, aber auch für Mais und andere Agrargüter. Denn neben dem Schwarzen Meer, gibt es mit der Straße von Hormus und dem Roten Meer weitere Krisenherde, die nicht zuletzt auch die Lieferung von Agrarprodukten erschweren.
In Westeuropa, wo der meiste Weizen in Frankreich angebaut wird, spielt die Warenterminbörse von Paris (MATIF) eine wichtige Rolle. Wegen der Hitzewelle erwartet man dort schlechte Ernten in vielen EU-Ländern mit Ausfällen und Qualitätsverlusten beim Getreide. Das hat auch hier die Preise schon ansteigen lassen auf ein Mehrjahreshoch.
Westeuropa hat selbst genug Getreide – außer bei extremem Wetter
Das Brot beim Bäcker wird sich in Deutschland und in Bayern wegen des Kriegs im Schwarzen Meer aber kaum verteuern. Denn die Getreidepreise machen hier nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Die Kosten für Personal, Energie und Ladenmiete sind allesamt höher.
Außerdem sind wir bei der Produktion von Weizen und anderem Getreide weitgehend autark und unabhängig von Importen. Indirekt besteht aber ein Zusammenhang, wenn eine globale Knappheit die Agrarpreise insgesamt steigen lässt. Die Versorgung ist bei uns also auf jeden Fall gesichert, aber die Preise können steigen.
Große Bedeutung von regionalem Agrarhandel in Bayern
In Bayern läuft es so, dass Großabnehmer wie Getreidemühlen möglichst viel mit regionalen Lieferverträgen direkt bei den heimischen Erzeugern bestellen. Das bietet beiden Seiten Sicherheiten bei der Abnahme der Ernte und bei der Preisstabilität. Auch in Südbayern führt die jüngste Hitzeperiode zu weniger Ertrag und Qualitätseinbußen.
Für Weißbrot braucht man allerdings Weizenmehl mit einem sehr hohen Eiweißgehalt (Gluten) mit den entsprechenden Backeigenschaften (Klebe-Faktor). Weizen von minderer Qualität taugt dagegen oft nur als Futtermittel und tritt gerade bei schlechten Ernten übermäßig oft auf, was den Preis zusätzlich verderben kann.
Wenn der Bauer weniger liefern kann wegen schlechter Ernten
Unterm Strich ist für uns in Westeuropa die aktuelle Hitzewelle viel wichtiger als die Entwicklung am Schwarzen Meer. Rekordtemperaturen führten beim Getreide vor allem in Frankreich zu hohen Ernteausfällen. Das extreme Wetter allein im Juni verursachte Milliardenschäden.
Denn auch in Deutschland kam es zur vorzeitigen Notreife der Getreidekörner und zu Qualitätsverlusten. Dadurch wird gutes Getreide knapper und teurer, während auf der anderen Seite zu viel billige Ausschussware produziert wird. Die russische Hafenblockade in Odessa liefert daher nur einen Grund mehr, warum die Agrarpreise aktuell nach oben zeigen.

