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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Anti-Wackersdorf-Festival vor 40 Jahren: Eisi Gulp erinnert sich
Kultur

Anti-Wackersdorf-Festival vor 40 Jahren: Eisi Gulp erinnert sich

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 27. Juli 2026 11:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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So etwas hatte die Republik noch nicht gesehen: Am 26. und 27. Juli 1986 strömten statt der erwarteten 60.000 am Ende mehr als 100.000 Menschen in die Oberpfalz, zum Anti-WAA-Festival in Burglengenfeld. Die Veranstaltung wurde zu einem der größten Musikereignisse der 1980er-Jahre – und zugleich zu einer der bedeutendsten politischen Kundgebungen der Bundesrepublik. Auf der Bühne standen unter anderem Herbert Grönemeyer, BAP, Udo Lindenberg und Die Toten Hosen. Das Festival richtete sich gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf.

Inhaltsübersicht
Festival gegen Widerstand der StaatsregierungAus der Mitte der BevölkerungGelebte Demokratie – mit Erfolg

Durch das Programm führte der Münchner Kabarettist und Schauspieler Eisi Gulp. Vier Jahrzehnte später erinnert er sich noch genau an die Atmosphäre: „Man hatte wirklich das Gefühl, dass man mit Musik und diesen ganzen Aktivitäten wirklich etwas bewegen kann, also Teil von etwas Größerem zu sein.“

Festival gegen Widerstand der Staatsregierung

Das Festival fiel in eine Zeit, in der der Protest gegen die WAA immer größer wurde. Die bayerische Staatsregierung unter Ministerpräsident Franz Josef Strauß hatte die Veranstaltung im Vorfeld scharf kritisiert, unter anderem wurde das Festival als „Hort der Terroristen“ bezeichnet und Teilnehmer teilweise als gewaltbereit dargestellt. Das Festival wurde dennoch genehmigt – begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot.

Auch Gulp erinnert sich an die zahlreichen Kontrollen. Dennoch blieb ihm vor allem etwas anderes in Erinnerung: „Das Fantastische war, dass es quer durch alle Gesellschaftsschichten ging.“ Der Protest habe Menschen weit über politische Lager hinweg zusammengebracht. „Es war keine Veranstaltung für eine bestimmte Partei, sondern einfach die Mitte der Bevölkerung.“

Aus der Mitte der Bevölkerung

Gerade das habe das Festival so besonders gemacht. Viele Besucher seien überzeugt gewesen, dass die Atompolitik so nicht weitergehen könne. Gulp sieht darin bis heute ein Beispiel gelebter Demokratie: „Das war eigentlich ein demokratischer Akt pur.“

Dass schließlich weit mehr Menschen kamen als erwartet, überraschte selbst die Organisatoren. Rückblickend sagt Gulp: „Man hatte schon das Gefühl, dass da etwas ganz Besonderes stattfindet.“ Es sei eben nicht nur ein Rockfestival gewesen, sondern eine gemeinsame Botschaft an die Politik.

Gelebte Demokratie – mit Erfolg

Der Widerstand gegen die WAA setzte sich in den folgenden Jahren fort. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und angesichts wachsender Proteste wurde das Projekt schließlich aufgegeben. Für Gulp bleibt das Anti-WAA-Festival deshalb ein Beleg dafür, dass gesellschaftliches Engagement Wirkung entfalten kann: „Wenn Bürger sich friedlich zusammentun und informiert sind, kann man wirklich etwas bewegen.“

Mit Sorge blickt der Schauspieler allerdings auf die politische Stimmung heute. Den Rechtsruck in Deutschland und anderen Ländern habe er sich früher nicht vorstellen können. Er kritisiert, dass viele Menschen sich nicht ausreichend informierten und stattdessen einfachen Botschaften folgten.

An das Festival selbst erinnert er sich dagegen vor allem mit Freude. Dass er vier Jahrzehnte später noch immer darüber sprechen würde, habe er damals nicht geahnt. Entscheidend sei für ihn etwas anderes gewesen: „Wir waren alle glücklich. Und letztendlich hat es ja wirklich etwas gebracht – Wackersdorf wurde nie gebaut.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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