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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Geschichte als Beruf: Historiker an der Uni – Lohnt sich das?
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Geschichte als Beruf: Historiker an der Uni – Lohnt sich das?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 27. Juli 2026 12:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Viertel nach zehn im Seminarraum in der Universität Siegen. 30 Studierende strömen herein, ganz vorne steht Milan Weber. Gleich startet sein Einführungsseminar, in dem der 32-Jährige den Studierenden im ersten und zweiten Semester einen Einblick in die Geschichte der Weimarer Republik gibt und die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt.

Inhaltsübersicht
40 Computerspiele: von Assassin’s Creed bis Age of EmpiresFast nur befristete StellenZwischen Uni und GärtnereiWas verdient ein Historiker an der Uni?

Heute geht es um die Frage: Wie formuliert man eine wissenschaftliche Fragestellung? „Ich kann ganz viele Grundlagen legen, von denen Studierende im besten Fall ihr ganzes Studium etwas haben“, sagt er.

Weber ist Historiker und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Universität. Sein Alltag verbindet Lehre, Forschung und den Austausch mit Studierenden. Neben seinem Seminar steht er in der Sprechstunde im Austausch mit den Studierenden. Dort bespricht er individuelle Fragen der Studierenden zu ihren Hausarbeiten. Vor allem hilft er ihnen dabei, eine Fragestellung zu konkretisieren. Die restliche Zeit widmet sich Weber seiner Forschung mit einem besonderen Schwerpunkt: Computerspiele.

40 Computerspiele: von Assassin’s Creed bis Age of Empires

Nach seinem Bachelor und Master in Geschichte untersuchte Weber in seiner Doktorarbeit, wie Geschichte in Computerspielen dargestellt wird. Dafür hat er 40 Computervideospiele durchgespielt, darunter die Assassin’s-Creed-Reihe, Call of Duty, Age of Empires und World of Tanks. Anschließend legte er Protokolle der Spieldurchläufe an, die als Grundlage seiner Analyse dienten.

Eine seiner Erkenntnisse: In Spielen wird Geschichte häufig als Fortschrittsgeschichte erzählt, also das Narrativ, dass heute alles besser sei als früher. Das sei eine Idee über den Verlauf des historischen Prozesses, der selbst aus dem 19. Jahrhundert komme und über Spiele bis in die Gegenwart getragen werde, sagt Weber. Sich damit zu befassen, findet er wichtig, weil „Millionen von Menschen weltweit Computerspiele spielen“ und die Games oft zeigen, „wie wir uns als heutige Gesellschaft die Vergangenheit vorstellen“.

In seinem neuesten Forschungsprojekt lässt er die Computerspiele jedoch außer Acht und setzt sich mit Psychiatriegeschichte auseinander.

Fast nur befristete Stellen

Weber arbeitet zu 75 Prozent an der Universität. Wie fast alle Stellen in der Wissenschaft ist auch seine befristet – in seinem Fall auf drei Jahre. Befristete Verträge sind in der Wissenschaft mehr Regel als Ausnahme. Das wird auch im „Bundesbericht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen“ (BuWiK 2025, externer Link) deutlich. Demnach sind in Privatunternehmen mehr als 70 Prozent der neuen Arbeitsverträge befristet, im akademischen Sektor sind es dagegen weniger als zehn Prozent.

Ein Grund dafür ist, dass viele Stellen über zeitlich begrenzte Forschungsprojekte finanziert werden und das sogenannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz Befristungen während der Qualifizierung ermöglicht. Das mache die Zukunft unsicher, weil man nicht wisse, wie es weitergehe, so Weber. Jedoch ist diese Zukunftsunsicherheit für ihn auszuhalten, weil er noch ein Familienunternehmen im Hintergrund hat. Eine Gärtnerei, die er gemeinsam mit seinen Eltern als GbR betreibt.

Zwischen Uni und Gärtnerei

Hauptsächlich kümmert er sich in der Gärtnerei um die Buchhaltung und Finanzen sowie die Weiterentwicklung des Betriebs. Und wenn einmal in der Woche abends das Hofrestaurant öffnet, steht Weber in der Küche oder balanciert das Tablett. Etwa 15 Stunden arbeitet er pro Woche in dem Familienunternehmen und entnimmt sich dafür monatlich 1.000 Euro.

Was verdient ein Historiker an der Uni?

Als Historiker an der Uni ist er im öffentlichen Dienst und wird nach Tarifvertrag bezahlt.  Aktuell arbeitet er 75 Prozent und verdient 4.025 Euro brutto im Monat (TV-L, Entgeltgruppe E13, Stufe 3). Das sind 2.589 Euro netto.  Davon geht eine betriebliche Altersvorsorge weg, sodass am Ende 2.516 Euro auf sein Konto überwiesen werden.  Bei einer 100-Prozent-Stelle würde das Grundgehalt bei 5.367 Euro liegen.

Mit all seinen Einnahmen aus Uni und Gärtnerei hat Weber monatlich insgesamt 3.516 Euro zur Verfügung. Für ihn lohnt sich das auf jeden Fall: „Ich werde dafür bezahlt, Wissen zu produzieren und zu vermitteln, und das macht einen Riesenspaß“. Webers Wunsch für die Zukunft: 50 Prozent seiner Zeit die Gärtnerei weiterentwickeln und die andere Hälfte als Historiker arbeiten.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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