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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Handke in Salzburg: „Schnee von gestern, Schnee von morgen“
Kultur

Handke in Salzburg: „Schnee von gestern, Schnee von morgen“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 28. Juli 2026 14:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Sie tragen schmale Oberlippenbärte wie ihr Schöpfer, sehen aber ansonsten keineswegs aus wie Peter-Handke-Lookalikes. Die beiden Gestalten, die die Spielfläche im Salzburger Landestheater betreten, auf der Kulissenteile herumliegen, als wäre gerade das Bühnenbild einer vorhergegangenen Vorstellung zerlegt, aber noch nicht abtransportiert worden – diese zwei Figuren gleichen eher zwei traurig-komischen Beckett-Clowns. Sie tragen Hochwasserhosen, dazu schwarze Mäntel mit Westen darunter, aber keine Hemden.

Inhaltsübersicht
Verspult und manieriertAuf der Bühne: Jens Harzer und Marina Galic

Peter Handkes neues Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ ist der Bewusstseinsstrom eines beobachtenden, sinnierenden Ichs, das sich wortreich am Dasein abarbeitet. Sprachegewordenes Denken ist dabei der Schlüssel zu Welt, der alles und zugleich nichts aufschließt. Um mit Samuel Beckett zu sprechen: wieder scheitern, besser scheitern. Mehr ist nicht drin. Denn letztgültige Einsichten bleiben dem Menschen versperrt.

Was gestern noch zu gelten schien, ist heute schon Schnee von gestern. Und auch der Schnee von morgen wird übermorgen schon wieder dahingeschmolzen sein. Weshalb Handke ein tiefsitzendes Misstrauen gegen alle hegt, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, und sich im Text auch selbst immer wieder ins Wort fällt und widerspricht. Für Uraufführungs-Regisseur Jossi Wieler der Grund, den Monolog auf zwei Personen aufzuteilen. Jens Harzer und Marina Galic. Was auch immer Harzers Figur ausspricht – Galics Figur scheint dagegen Einspruch zu erheben.

Verspult und manieriert

Peter Handkes „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ könnte denselben Titel wie ein viel Älteres seiner Stücke tragen: „Das Spiel vom Fragen“, und es ist darin auch fragwürdig und gewöhnungsbedürftig – wäre man diese exzessiv durchexerzierte, gleichermaßen von Erkenntnishunger wie -skepsis getriebene Selbst-, Seins- und Welt-Befragung nicht seither von diesem Autor gewohnt. Manieriert in der Manie wirkt sie dennoch auch diesmal wieder.

Jossi Wieler verkneift sich Regietheatereitelkeiten genauso wie das Angebot einer Interpretation. Gelegentliche Musikakzente strukturieren den knapp zweistündigen Abend. Ansonsten stellt Wieler Handkes Gedankensplitter genauso aus wie die auf der Bühne verstreuten Kulissenbruchstücke, hinter denen sich das Bild, das sich aus ihnen zusammensetzen ließe, allenfalls erahnen, nicht aber mit Gewissheit erkennen lässt.

Auf der Bühne: Jens Harzer und Marina Galic

Dass sich der Abend trotzdem nicht im Ungefähren der Assoziationen verliert wie in dichtem Schneeflockentreiben, ist Jens Harzer und Marina Galic zu verdanken. Harzer kann das Verspulte der Handkeschen Sprach- und Gedankenwelt bedienen, und hat dabei doch eine Direktheit im Ton, die das schwer Greifbare handfest werden lässt. Und Marina Galic schießt mit koboldhaftem Schalk und ebensolcher Stimme immer wieder dazwischen. Peter Handke, der bei der Uraufführung – eine Seltenheit – zum Schlussapplaus auf die Bühne kam, herzte Harzer und Galic denn auch ausgiebig. Zurecht. Mit minderen Darstellern hätte diese Uraufführung eine recht unerquicklich zähe Kunstanstrengung werden können.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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