Ein runder Geburtstag mitten im Sommer: Ersin Cilesiz möchte etwas Besonderes daraus machen. Der frisch gebackene 40-Jährige organisiert einen Bootsausflug auf dem Wannsee in Berlin, dort leben viele Freunde des Münchner Filmemachers. Doch die Party endet, noch bevor sie losgeht: Ersin Cilesiz springt vom Boot aus kopfüber ins Wasser, stößt am Seegrund mit dem Kopf auf und bricht sich die Wirbelsäule.
Zuvor war ihm laut Aussagen seiner Partnerin versichert worden, dass das Wasser tief genug dafür sei. Tatsächlich aber war es an der Unfallstelle nur einen Meter tief. Mit dem Helikopter kommt er ins Krankenhaus, wird stundenlang operiert, doch die Schäden sind groß: Der junge Mann wird dauerhaft vom Brustkorb abwärts querschnittsgelähmt bleiben, wie seine Freundin Julia Hopper im Gespräch mit BR24 erzählt: „Die Situation ist natürlich nicht einfach. Ersin muss sich nun an ein ganz neues Leben gewöhnen.“
Querschnittsgelähmt nach Kopfsprung ins Wasser
Ersin Cilesiz wurde 1986 in München geboren, nach der Schule arbeitet er bei ProSieben, macht ein Regiepraktikum bei einer Produktionsfirma und studiert schließlich an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) Regie. Gleich für seinen ersten Kurzfilm „Shaitan“ von 2012 erhält er den Starter-Filmpreis der Landeshauptstadt München.
Einige Bekanntheit erlangt er durch seinen Abschlussfilm „Tariq“. Der rund 22-minütige Film entstand als Koproduktion der HFF München mit dem Bayerischen Rundfunk. Erzählt wird die Geschichte eines 16-jährigen syrischen Flüchtlings, der auf der Flucht seine Mutter versehentlich schwer verletzt. Von Schuldgefühlen und Wut zerrissen, gerät der Jugendliche zunehmend unter den Einfluss eines Dschinns – einer Gestalt aus der islamischen Mythologie, die im Film die dunklen Seiten seiner Psyche verkörpert.
Statt Flucht und Krieg realistisch nachzuerzählen, verbindet Cilesiz psychologisches Drama mit mythischen Elementen und erzählt von Trauma, Schuld und der Suche nach Orientierung. „Tariq“ feierte 2018 bei den Internationalen Hofer Filmtagen Premiere und war außerdem für die HFF Screenings ausgewählt. 2020 folgte „Prisoners of the Body“. Zuletzt hat er sich sehr auf die Nutzung von KI in Film und Bild spezialisiert.
Spendenaufruf unterstützt von Veronica Ferres
Ob Ersin Cilesiz weiter als Filmemacher arbeiten wird, ist so kurz nach dem Unfall noch unklar, doch seine Partnerin Julia Hopper beschreibt ihn als „echten Macher“: „Seine Selbständigkeit ist Ersin sehr wichtig, er schraubt schon jetzt jede Wasserflasche selber auf. Und er ist sehr technikaffin.“ Das dürfte ihm im Umgang mit modernen Hilfsmitteln zugutekommen. Auch mental scheint er sehr stark zu sein: „Ersin empfindet die Situation als zweite Chance. Er hat schon jetzt gesagt, dass er in Zukunft noch mehr darauf achten will, etwas Sinnvolles zu machen. Damit möchte er auch etwas von der großartigen Unterstützung zurückgeben, die er gerade von allen Seiten bekommt.“
Auf den Filmemacher kommen nun erste einmal langwierige Reha-Maßnahmen zu. Als Selbständiger ist seine finanzielle Situation nach dem Unfall natürlich angespannt, zudem übernimmt die Krankenkasse nicht die gesamten Kosten für alle Therapien und den barrierefreien Umbau seines Wohnumfelds. Deshalb haben Freunde und Familie einen Spendenaufruf gestartet. In gerade einmal zwei Wochen sind bereits über 115.000 Euro zusammengekommen (Stand 28.7.). Zu den Unterstützern gehören auch Moderator Daniel Aminati und Schauspielerin Veronica Ferres.

