Das Möhrenbachtal in der Nähe von Treuchtlingen ist ein kleines Idyll. In der Auenlandschaft tummeln sich Libellen und Schmetterlinge, im Wasser kleine Fische, und auch die seltene Bachmuschel ist hier zu finden. Auch der Biber fühlt sich richtig wohl, hat einen großen Damm gebaut, der das Wasser staut. Doch der sorgte immer wieder für Ärger.
Biberdamm sorgt für überflutete Zufahrt
Der Konflikt, den es hier mit dem Biber gibt, steht wohl exemplarisch für viele Orte in Franken. Ein Landwirt habe sich beschwert, erzählt Katharina Pascher-Lehnberger von der Stadt Treuchtlingen. Im Winter konnte er seine Furth über den Fluss zu seinem Waldstück nicht mehr nutzen. Das Wasser stand zu hoch, eine Überfahrt mit seinem Traktor war nicht mehr möglich. Schuld daran war der Biber, der das Wasser meterhoch aufgestaut hatte. Mehrmals musste der Damm teilweise geöffnet werden, um das Wasser abzusenken, so Pascher-Lehnberger.
Biber streng geschützt
Den Damm einfach ganz entfernen ist keine Option, denn der Biber ist streng geschützt, erklärt Helen Sylvestre von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Gerade jetzt im trockenen Sommer sei der Biber mit seinem Damm auch wichtig. Dadurch werde zumindest ein bisschen Wasser gestaut und Fischlarven können sich entwickeln. Auch die bedrohte Bachmuschel könne nur so überleben, dank des Damms, sagt Sylvestre. Hinzu komme: Das Möhrenbachtal sei ein einzigartiger Naturraum mit vielen besonderen Arten und deshalb auch schützenswert.
„Bibermönch“ als Lösung
Es musste eine Lösung her – und die haben die Stadt Treuchtlingen und der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gemeinsam gefunden. Ein sogenannter „Bibermönch“, eine aus Beton bestehende Vorrichtung, mit der ein regulierter Ablauf des Flusses um den Biberdamm herum möglich ist. Mittels Holzbrettern im Mönch wird der Pegelstand reguliert. Ab einer gewissen Wasserhöhe fließt der Fluss dann über ein 40 Meter langes im Boden verlegtes Rohr durch. Unterhalb des Damms wird das Wasser wieder in den Fluss geleitet.
Stephan Salzbrenner hat den Bibermönch miterfunden und ist auch Biberberater. Im Prinzip sei diese Vorrichtung mit einem Bypass des Herzens vergleichbar. Der Biber würde nicht gestört, das Wasser staue sich nach wie vor, aber eben nicht mehr so hoch wie früher.
10.000 Euro Kosten für Baumaßnahme
Mehr als 10.000 Euro hat die Baumaßnahme Stadt und Landkreis gekostet. Seit rund zwei Wochen ist der Bibermönch nun eingebaut. Jetzt muss er sich aber im Winter noch bewähren, meint Landrat Markus Gläser (parteilos). Ist das Pilotprojekt im Möhrenbachtal erfolgreich, dann sei der Einbau auch an anderer Stelle denkbar, so Gläser.
In anderen Regionen etwa in Oberfranken, sei der Bibermönch schon erfolgreich im Einsatz, erzählt Stephan Salzbrenner. Er ist zuversichtlich, dass die Vorrichtung auch im mittelfränkischen Möhrenbachtal hilft, dass Mensch und Biber wieder friedlich miteinander leben können. Damit der besondere Naturraum erhalten bleiben kann.

