Am Ende ging Ottmar Hörls Rechnung so gar nicht auf. Zehn Prozent seiner 50 cm hohen Mozartfiguren könnten wohl während der Ausstellungszeit gestohlen werden, dachte der Künstler im Vorfeld. Eine zu konservative Schätzung. Inzwischen ist klar: Über 90 Prozent seiner kleinen Mozart-Skulpturen sind binnen drei Wochen verschwunden. „Das ist schon organisiertes Stehlen“, sagte Hörl im BR24-Interview. Denn das Gelände sei abends ab 18 Uhr geschlossen. Die Skulpturen seien mit Stahlteilen im Boden befestigt, tagsüber würden Diebe damit im öffentlichen Raum auffallen. Der materielle Wert sei eher gering, der Schaden eher in der „Respektlosigkeit gegenüber einem Kunstwerk“ zu sehen. Für ihn als Künstler sei das nicht lustig, so Hörl.
„Respektlosigkeit gegenüber Kunst“
Mit der Skulptureninstallation „Mozart – das unbezähmbare Genie“ wollte die Internationale Stiftung Mozarteum den 270. Mozart-Geburtstag feiern. Rund 230 goldfarbene Mozart-Figuren aus witterungsbeständigem Kunststoff stellte Hörl dafür im Salzburger Mirabellgarten auf, dazu noch etliche weitere im Stadtraum. Von den Figuren im Mirabell-Garten sind nun etwa 210 verschwunden, die Installation musste vorzeitig beendet werden.
Hörl-Figuren beliebtes Diebesgut
Auch bei früheren Installationen sei viel gestohlen worden, so Hörl. 1998 in München kamen mehrere Tausend Figuren abhanden, bei der damaligen Arbeit mit 4000 Kunststoffzwergen auf dem Max-Joseph-Platz vor der Oper. „Der Bürger klaut alles“, habe ihm die Polizei dazu einmal im Nachhinein gesagt. Bei vielen seiner weltweiten Projekte gab es deshalb eine Bewachung, etwa 2003 bei den 7.000 Dürerhasen auf dem Nürnberger Hauptplatz. Auch in Bayreuth, wo Hörl bis 2025 goldene Richard Wagner-Figuren vor dem Festspielhaus inszeniert hatte, sei viel geklaut worden, denn der Park vor dem Festspielhaus sei öffentlich zugänglich.
Rätselraten über Motiv der Diebe
Warum die Figuren gestohlen werden, darüber kann Hörl nur mutmaßen. Durch die Berichterstattung sei oft bekannt, dass der Wert etwa bei 90 Euro liege. „Dann denkt man sich halt, die kann ich mir sparen und organisiert einen Diebstahl.“ Auftauchen würden die Figuren meist nicht mehr, sagt Hörl, womöglich stünden sie in irgendeinem Wohnzimmer. Große Wertsteigerungen seien aber nicht zu erwarten: „Vielleicht spekulieren Menschen, die später zu verkaufen. Obwohl man es erkennt. Wenn da unten drei Schraubenlöcher drin sind und sie ist nicht signiert, dann weiß man, die ist gestohlen.“

