Wer im Supermarkt an der Kasse steht und bezahlen will, der hat – neben Bargeld – die Wahl zwischen Google Pay, Apple Pay, PayPal, Visa und Mastercard – alles US-Unternehmen. Mit Wero will ein Verbund europäischer Banken dieser Dominanz einen eigenen Zahlungsdienstleister entgegensetzen. Das Problem: Nach einer Umfrage für das Vergleichsportal Verivox (externer Link) wissen die meisten Menschen in Deutschland zwei Jahre nach dem Start nicht, was Wero ist.
Was ist Wero überhaupt?
Mit Wero können Nutzer Geld in wenigen Sekunden direkt von Konto zu Konto senden und empfangen. Es reicht die Handynummer oder E-Mail-Adresse. Für private Nutzer fallen dabei keine Gebühren an. Für Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern ist der höhere Datenschutz der größte Vorteil von Wero. Der Dienst ist Juli 2024 gestartet und bislang in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar. Zum Start konnte man Geld nur von Handy zu Handy schicken. Seit Herbst 2025 kann man auch im Onlinehandel damit bezahlen.
Kann ich mit Wero bezahlen?
Wero nutzen kann man über die Banking-App der eigenen Bank. Jedoch nur, wenn die sich am Projekt beteiligt. Denn hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), eine Vereinigung von Banken aus Deutschland, Frankreich und Belgien. Dabei sind über 40 Banken und Neobroker, 25 davon aus Deutschland – darunter Sparkasse, Volksbanken Raiffeisenbanken, Postbank, N26, Deutsche Bank, und GLS. Nach Angaben der EPI sind in Deutschland etwa neun Millionen Kunden bei Wero registriert. Zum Vergleich: PayPal hat nach eigenen Angaben allein in Deutschland 35 Millionen aktive Kunden.
Wo kann ich mit Wero bezahlen?
Nach Einschätzung des Forschungsinstituts EHI in Köln verhalten sich die deutschen Händler bei Wero „bislang überwiegend abwartend“. Laut einer EHI-Studie beobachten drei von vier Händlern die Entwicklung zunächst, eine konkrete Einführung sei derzeit nicht geplant. Das sieht die Verbraucherzentrale Bayern als bisher größten Nachteil von Wero, denn es bieten „vor allem zu wenig größere Händler Wero als Zahlungsmöglichkeit an.“
Große Händler, die den Dienst aktuell akzeptieren, sind unter anderem: Eventim, Decathlon und Lidl – jedoch noch nicht an der Kasse im Supermarkt, sondern nur im Online-Shop. Insgesamt läuft die Einführung von Wero in den Handel eher schleppend. Zuletzt sagte die Supermarktkette REWE die Nutzung von Wero ab. Der Grund: Zu wenige Nutzer.
Wieso kann ich im Supermarkt nicht mit Wero bezahlen?
Laut Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, sind viele Händler mit der Umstellung auf Wero als Bezahlmöglichkeit zurückhaltend, weil jede Umstellung zunächst Aufwand und damit Kosten verursacht. Branchenexperten sehen ein klassisches Henne-Ei-Problem: Die bayerischen Einzelhändler werden Wero erst dann einbinden, wenn viele Kunden damit bezahlen wollen. Kunden werden erst Wero nutzen, wenn man überall damit bezahlen kann.
Obwohl die Gebühren, die Wero von den Händlern für die Zahlungsabwicklung verlangt, unter denen von PayPal liegen, halten sie sich also noch zurück. Denn neben den Gebühren für die Händler komme es, so das EHI, auf die gesamte Wirtschaftlichkeit an. Dazu gehören auch „Integrationsaufwand, Abwicklungssicherheit, Reichweite und die Frage, ob Wero in den bestehenden Kassen- und Shopsystemen ohne zusätzliche Komplexität eingesetzt werden kann.“
Gleichzeitig gibt es etablierte Anbieter, wie eben PayPal oder Google Pay, an die sich die Kunden gewöhnt haben, und die eine starke Konkurrenz zu Wero darstellen. „Der Kunde stimmt mit den Füßen ab“, sagt Ohlmann, es sei schwer, Gewohnheiten zu brechen.
Wie geht es weiter mit Wero?
Ob sich der Bezahldienst langfristig durchsetzen kann, wird auch davon abhängen, wie viele Händler Wero als Bezahloption anbieten – und wie viele Menschen Wero aktiv nutzen. Dafür versucht die EPI mehr Banken zu integrieren, um so mehr Nutzer zu gewinnen.
Laut EHI-Studie wird die Zustimmung zu Wero unter Handelsunternehmen spürbar größer. 2026 schätzt fast ein Drittel der Unternehmen, dass Wero stationär wie online nennenswerte Marktanteile erreichen wird – deutlich mehr als im Vorjahr. Jedoch sind etwa genauso viele der Auffassung Wero werde „nur ein Nischenprodukt werden“.

