So tief hat man Sam Smiths Stimme noch nie gehört. Die Stimme, die sonst in luftigen Höhen unterwegs ist und wie eine einzige warme Soul-Umarmung klingt. Auf dem neuen Album „Hazel Eyes“ besingt Sam Smith mit ihr die wahre Liebe.
Wie viel Musik wurde über dieses Phänomen schon geschrieben? Gedanken mal schnulzig, mal vollkommen zutreffend formuliert. Könnte langsam zu Ende erzählt sein, oder? Aber nein: Die Liebe stellt vor allem queere Personen wie Sam Smith immer wieder vor Herausforderungen.
„Hazel Eyes“: Über Liebe und inneren Frieden
Sie kämpfen täglich für ihre Liebe, ihre Sichtbarkeit und ihre Identität. Popstar Sam Smith ist non-binär, sieht sich also nicht als Mann oder Frau im klassischen Sinne. Der Weg hin zu dieser Erkenntnis war ein langer: Auf früheren Alben ging es noch um das Akzeptieren der eigenen Homosexualität, die Suche nach dem „Einen“. Nun hat Sam Smith die Liebe des Lebens gefunden, in Modedesigner Christian Cowan, dem Mann mit den haselnussbraunen Augen. Ihm ist dieses neue Album gewidmet und deswegen trägt es auch den Titel „Hazel Eyes“.
Christian Cowan ist Sam Smiths Verlobter, der auch auf dem Albumcover zu sehen ist. Sam Smith ruht seinen Kopf auf Christian Cowans Brust aus. Ein sehr intimes Foto. Und so intim klingt auch die Musik auf diesem Album. Waren Sam Smiths frühere Platten poppiger, teilweise tanzbarer, klingt „Hazel Eyes“ dezenter, zurückgenommener. So als würde Sam Smith sagen wollen: „Guckt mal, ich habe meinen Frieden in dieser Beziehung gefunden.“
Sam Smith geht mit dem Trend und macht Country
Zu Beginn hat man das Gefühl, in ein Norah-Jones-Album aus den 2000ern reinzuhören: Da herrscht eine warme Instrumentierung mit Akustikgitarre, verhalltem Klavier, Streichern und Trompete. Mit einer Fiedel klingt einer der zwölf Songs beinahe irisch. Und Sam Smith macht auf diesem Album den Trend mit, den Stars wie Beyoncé und viele andere in den letzten Jahren im Mainstream etabliert haben: den Country.
Das Album ist aber nicht pure Westernromantik. Es handelt auch von Verlustängsten, von Auseinandersetzungen. Denn auch wenn Sam Smith glücklich mit Christian Cowan ist – in so einer vermeintlich perfekten Promi-Beziehung fliegen auch mal die Fetzen: „Ich habe diesen Song nach einem Streit mit meinem Partner geschrieben. Dieser Song ‚When He’s Gone‘ geht genau um diesen Moment: Du streitest dich mit jemandem, den du liebst. Ihr geht auseinander, knallt die Tür zu und merkt gleichzeitig: Das ist gefährlich!“ „When He’s Gone“ ist der erste Song, der wie ein Sturm auf dem Album daherkommt, sagt Sam Smith.
Allerdings zieht dieser Sturm etwas zu spät auf. „Hazel Eyes“ fehlt bei allen tollen gefühlvollen Songs oft ein Catcher, ein Galopp, um bei der Cowboyromantik zu bleiben. Ein Duett mit der kanadischen Sängerin Feist verläuft sich in der Belanglosigkeit. Was sich aber ganz fantastisch in dieses Album einfügt, sind Sam Smiths Backgroundsängerinnen und -sänger. Sie beweisen: Country und Soul passen ganz gut zusammen.

