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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Bayreuther Festspiele: Erfolg mit einem ungeliebten „Ungetüm“
Kultur

Bayreuther Festspiele: Erfolg mit einem ungeliebten „Ungetüm“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. August 2026 16:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Das ist selbst in Bayreuth keine Selbstverständlichkeit mehr: Sämtliche Vorstellungen der Jubiläumssaison zum 150. Geburtstag der Festspiele waren ausverkauft, wie es vom Grünen Hügel gegenüber dem BR heißt. Im Übrigen seien rund 10.000 Zuschauer zu den Open-Air-Konzerten gekommen. In den letzten Jahren hatte das Publikum insbesondere mit dem vierteiligen „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Valentin Schwarz gefremdelt, der galt als schwer verkäuflich.

Inhaltsübersicht
Katharina Wagner: „Besonderes Zeichen der Verbundenheit“Viel Medien-Wirbel um Michel Friedman„Ganz andere Seite des Komponisten“Nächstes Jahr zwei Premieren

Katharina Wagner: „Besonderes Zeichen der Verbundenheit“

Umso bemerkenswerter, dass die „preisgünstige“ Version des „Rings“, die in diesem Sommer zu sehen war und auf Bühnenbilder komplett verzichtete, trotz großem Unmuts vieler Zuschauer über verwirrende Projektionen, die eine Künstliche Intelligenz (KI) geschaffen hatte, offenbar die Ränge füllte.

Katharina Wagner zeigte sich trotz „kontroverser Diskussionen“ jedenfalls rundum zufrieden: „Ich habe mich sehr darüber gefreut, wie groß das Interesse an unserem Jubiläumsjahr war und wie vielfältig die Angebote angenommen wurden. Dass sämtliche Vorstellungen im Festspielhaus ausverkauft waren und auch die Veranstaltungen rund um das Festspielhaus auf so große Resonanz gestoßen sind, ist für uns ein ganz besonderes Zeichen der Verbundenheit mit Bayreuth.“

Viel Medien-Wirbel um Michel Friedman

Vermutlich hätte sich die Festspielchefin gleichwohl weniger Negativ-Schlagzeilen zum Jubiläum gewünscht. So mussten anfänglich große Pläne, alle zehn festspieltauglichen Wagner-Opern zu zeigen, schon frühzeitig aus finanziellen Gründen stark zusammengestrichen werden. Knappe Mittel waren auch der Grund, warum die Stadt Bayreuth den Festspiel-Geburtstag deutlich weniger opulent als geplant feierte.

Und dann sorgte auch noch eine Ein- und Ausladung an den Frankfurter Publizisten Michel Friedman für Aufregung. Er sollte über die Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen, wogegen es vorübergehend „Sicherheitsbedenken“ gegeben hatte, weil zwei Veranstaltungen an einem Tag im Festspielhaus angeblich die Kapazitäten der Polizei überforderten. Nach viel Medien-Wirbel durfte Friedman dann doch auftreten.

„Ganz andere Seite des Komponisten“

Es sei „bewusst eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Festspiele gewählt“ worden, so der Grüne Hügel. Heikel war in diesem Zusammenhang die Aufführung von Richard Wagners Jugendwerk „Rienzi“, angeblich Adolf Hitlers „Lieblingsoper“. Das Werk ist in Bayreuth normalerweise nicht zu sehen, weil es der Komponist selbst für ein über-ehrgeiziges Vorhaben im Stil der (schnell veralteten) französischen Grand Opéra hielt: „Ich liebe dieses Ungetüm gar nicht.“ Die Kritiker reagierten zwiegespalten. Einige waren begeistert, andere hielten „Rienzi“ für verzichtbar.

„‚Rienzi‘ ist ein Jugendwerk Richard Wagners und zeigt eine ganz andere Seite des Komponisten“, so Katharina Wagner: „Gerade im Jubiläumsjahr war es für mich spannend, dieses frühe Werk erstmals im Festspielhaus zu zeigen und damit den Blick auf eine andere Phase seines Schaffens zu richten. Dass die Produktion sowohl vom Publikum als auch von der Presse so positiv aufgenommen und gefeiert wurde, hat mich besonders gefreut und bestätigt, dass es richtig war, diesen Schritt zu gehen.“

Nächstes Jahr zwei Premieren

Einmal mehr zeigten die Festspiele mit dem „Ring“ ein Wagner-Werk speziell aufbereitet für junge Zuschauer. Damit soll der Überalterung des Publikums begegnet werden: „Wir wollen ihnen nicht einfach Wagner vermitteln, sondern ihnen die Möglichkeit geben, selbst zu entdecken, was die Kinder und Jugendlichen mit Musiktheater verbindet und welche eigenen Ideen daraus entstehen können. Gerade im Jubiläumsjahr war es mir wichtig, hier neue Angebote zu schaffen und noch mehr junge Menschen für Bayreuth zu begeistern“, so Katharina Wagner.

Ziemlich unwägbar ist der Ausblick auf das kommende Jahr: Dann wollen die Festspiele mit dem „Parsifal“ (Regie Neo Rauch und Rosa Loy, Dirigent Christian Thielemann) und dem „Lohengrin“ (Regie Ilaria Lanzino, Dirigat Tarmo Peltokoski) zwei Premieren stemmen, allerdings mit dem bisherigen Budget für eine Oper, d.h. die Ausstatter und die Zuschauer müssen sich an deutlich knappere Mittel gewöhnen.

Interims-Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense wird seinen Posten Ende September an den neu installierten „General Manager“ Matthias Rädel abgeben, der von der Deutschen Oper Berlin kommt. Er soll sich um eine „grundlegende Überarbeitung der Geschäfts- und Finanzordnung“ kümmern. Dass die Klärung „offener Governance-Fragen“ völlig ohne Reibereien mit der künstlerischen Leitung, also Katharina Wagner, geschehen wird, bezweifeln viele Beobachter.

Voraussichtlich am 6. Dezember startet der Online-Sofortverkauf für die kommende Saison.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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