Der Gesamtbetriebsrat von Bosch Mobility fordert in einem Positionspapier die Stärkung deutscher Standorte. Dazu hat die Vertretung der 74.000 Beschäftigten an 40 deutschen Standorten gestern Vorschläge an die Unternehmensführung übergeben.
Bosch-Positionspapier: „Politik muss Kurs ändern“
Mit diesen Maßnahmen soll die europäische Autoindustrie vor der Konkurrenz vor allem aus den USA und China geschützt werden. Das Papier wendet sich aber auch an die Politik, die ihren Kurs ändern müsse, erklärt Mario Gutmann, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratschef Bosch-Bamberg. Um das zu unterstreichen, soll es bundesweite Proteste geben. Bereits am kommenden Montag ist ein Aktionstag mit Massendemonstrationen geplant. Auch in Bamberg werde man sich an Toraktionen beteiligen.
Warnung vor Sterben des Industriestandorts Deutschland
Gutmann warnte bei dem Treffen vor einem Sterben des Industriestandorts Deutschland. „Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Schuld seien auch strenge EU-Regeln und Vorgaben, die Staaten wie die USA oder China völlig außer Acht lassen könnten.“ Dort gebe es auch kein Datum für ein Verbrenner-Aus.
Eine Anpassung der Spielregeln an den Markt sei nötig, so Gutmann weiter, „sonst sterben wir in Schönheit“. Europa drohe der Verlust von Kernkompetenzen. Ein Wandel der Industrie könne nur gelingen, wenn er mitgestaltet wird.
„Made in EU“: Forderung nach klaren Regeln
Es brauche klare „Made in EU-Regeln“ für die Fertigung und Entwicklung, heißt es in dem Papier weiter. Zulieferer wie Bosch, die 75 Prozent der Wertschöpfung eines Fahrzeugs erbringen, müssten besonders geschützt werden. Es gehe um die Erhaltung des Industriestandortes Deutschland. Ohne ihn sei der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet.
Der massive Stellenabbau sei nicht auf das Aus der Verbrenner zurückzuführen, sondern auf unfaire Wettbewerbsbedingungen, so der Bamberger Betriebsrat Gutmann. Bosch gilt als weltgrößter Automobilzulieferer. Bamberg ist eines der größten Fertigungswerke der Mobility-Sparte in Deutschland.
„Nicht auf Produktion von Standardkomponenten beschränken“
In dem Positionspapier fordert die Arbeitnehmervertretung unter anderem, dass sich Europa nicht auf die Produktion von Standardkomponenten beschränken dürfe. Die Entwicklung und Herstellung von Sicherheitssystemen oder Software dürfe nicht aus der Hand gegeben werden, um die technologische Souveränität weiter zu sichern.
Zudem müssten öffentliche Förderungen und Aufträge an eine Produktion in Europa geknüpft werden. „Die bloße Endmontage importierter Fertigteile darf nicht als „Made in EU“ gelten“, betonen die Arbeitnehmervertreter. Auch eine starre Übergangsfrist für das Verbrenner-Aus bis 2035 sei nicht der richtige Weg. Gutmann fordert „pragmatische Übergangspfade“.
Zahl der Bosch-Mitarbeiter in Bamberg schrumpft
Bis Ende nächsten Jahres gibt es für die Beschäftigten bei Bosch Bamberg eine Stellengarantie. Sie schützt vor aktivem Arbeitsplatz-Abbau. Derzeit steht der Betriebsrat in Verhandlungen über die Zukunft des Standorts.
Schon heute schrumpft die Zahl der Mitarbeiter in Bamberg, da Stellen nicht nachbesetzt werden. Waren Anfang der 2000er-Jahre noch 10.000 Menschen bei Bosch Bamberg beschäftigt, so reduzierte sich die Zahl der Arbeitnehmer bis zum Jahr 2018 auf 7.300. Durch Fluktuation arbeiten am Standort Bamberg derzeit noch rund 6.000 Menschen. „Ohne die Fortführung der Altersteilzeit ist keine sozialverträgliche Anpassung der Belegschaft möglich“, so Gutmann weiter.
In Oberfranken werden neben Komponenten für Dieselmotoren auch sogenannte Hybrion Stacks, die wichtigsten Komponenten für Elektrolyseanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff, produziert.

