Im Prinzip geht es darum, das eigene Aussehen auf jede nur erdenkliche Weise zu optimieren. Die Methoden reichen dabei von relativ harmloser Gesichtsgymnastik vor dem Spiegel (Spoiler: funktioniert nicht) bis hin zum sogenannten „Bonesmashing“. Dabei schlägt man sich mit einem Hammer ins Gesicht, um kleine Risse im Knochen zu verursachen. Beim Heilen soll das Gewebe dann irgendwie breiter werden und am Ende alles männlicher aussehen. Mediziner raten davon ab. Überraschung.
Warum ist der Ausdruck so produktiv?
Bei dem Hintergrund mag man es nochmal seltsamer finden, dass das Maxxing mittlerweile derart verbreitet ist – und das auch bei dem Teil der Menschheit, der nicht mit dem Hammer auf den eigenen Kiefer eindrischt. Wie also kommt’s? Die Linguistin Theresa Heyd, Professorin an der Uni in Heidelberg, macht vor allem die „Produktivität“ des Begriffs dafür verantwortlich. Einerseits kann man mit ihm sehr leicht neue Wortformen bilden, ein sprachpragmatischer Grund also. Einfach „-maxxing“ anhängen und fertig.
Noch stärker fällt aber ins Gewicht, dass sich das Suffix problemlos in andere Bedeutungskontexte überführen lässt. „Wenn wir heute ‚-maxxing‘ lesen oder auch selbst verwenden, dann kann man nicht unbedingt Rückschlüsse darauf ziehen, dass hier gerade über männliche Körperoptimierung gesprochen wird“, so Heyd. Anders gesagt: Selbstoptimierung ist ein diskursiv höchst lebendiges Phänomen. Und so viele Arten es gibt, sich selbst zu optimieren, so viele Möglichkeiten gibt es eben auch, „-maxxing“ zu sagen.
Verbindung zur Incel-Szene
Für unproblematisch hält Heyd die Maxxing-Flut allerdings nicht. Auch die spielerische Verwendung reproduziere am Ende einen Ausdruck, der aus einem ziemlich problematischen Kontext stamme, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Die Looksmaxxer-Szene wird nämlich mit den sogenannten Incels in Verbindung gebracht, einer rechten Online-Subkultur, in der sich Männer austauschen, die sich von Frauen zurückgesetzt fühlen. Ein misogynes Weltbild gehört da zum guten Ton.
Also doch besser verzichten auf den Begriff? Theresa Heyd bleibt hier entspannt. In der Jugendsprache habe er zwar bereits jetzt einen relativ festen Ort. Als Linguistin wisse sie aber auch, dass solche Sprachwandelphänomene meistens eher kurzlebig seien. „Wir sehen oft, dass die Kurve erst sehr steil nach oben geht, nach ein paar Jahren dann aber auch wieder abflacht.“

