Grippeimpfstoff 2026: Warum Prognosen so entscheidend sind
Die Weltgesundheitsorganisation WHO sammelt in ihren Referenzzentren fortlaufend Daten zur regionalen Verbreitung von Grippeviren und zu neuen Mutationen. Aufgrund ihrer Beobachtungen empfiehlt die WHO (externer Link) jährlich eine neu angepasste Zusammensetzung der Impfstoffe für die nächste Grippesaison, in der Regel bereits im Februar für den folgenden Winter.
Auch wenn nicht exakt vorhersehbar sei, welche Virusvarianten künftig zirkulieren, seien diese Empfehlungen für die Impfstoffhersteller wichtig, so Spinner: „Sie müssen für den Impfschutz die Impfantigene, das sind die Oberflächeneiweiße der Grippeviren, anpassen, damit das Immunsystem darauf trainiert wird.“ Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA legt dabei fest, welche Virusstämme als Antigen-Komponenten in die Impfstoffe aufgenommen werden müssen. An diese Entscheidung passen die Hersteller ihre Produktion an. Das Paul-Ehrlich-Institut prüft die neuen Impfstoffe und gibt sie für den Einsatz frei.
Was die Impfstoffversorgung 2026 erschwert hat
Zum Start der Impfsaison hat das Paul-Ehrlich-Institut (externer Link) insgesamt acht saisonale Influenza-Impfstoffprodukte zugelassen, allesamt sogenannte trivalente, also gegen die drei wichtigsten Virenstämme wirksame Impfstoffe. Die Experten unterteilen Influenzaviren genetisch in Stämme und Untergruppen, sogenannte Subkladen, die bei der Auswahl der Impfstoffstämme berücksichtigt werden. Dabei sind vor allem Influenza-A- und -B-Viren wichtig. Bei Influenza A zirkulieren die Untertypen A(H1N1) und A(H3N2), jeweils mit sich verändernden Untergruppen, die regelmäßig Impfstoffanpassungen erfordern. Bei Influenza B gibt es die Hauptlinien, B/Victoria und B/Yamagata, die zuletzt für Grippewellen an Bedeutung verloren hat.
Die neuen Grippe-Impfstoffe flächendeckend rechtzeitig bereitzustellen, war in diesem Jahr organisatorisch anspruchsvoll. Für die neue Zusammensetzung mussten die Hersteller gleich mehrere Antigene neu produzieren. Dabei benötigt die Grippeimpfstoffherstellung einen langen Vorlauf. Die Mehrheit der heutzutage verfügbaren Influenza-Impfstoffe wird nicht in Zellkulturen, sondern auf bebrüteten Hühnereiern hergestellt. Deshalb müssen die Vakzine Monate im Voraus von den Herstellern geplant, produziert und geprüft werden. Nachträgliche Änderungen sind nur begrenzt möglich.
Wie wirksam ist der aktuelle Grippeimpfstoff gegen neue Varianten?
Eine Impfung biete zwar keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion, aber sie lohne sich, betont Impfexperte Spinner: „Die Impfung schützt gerade Risikogruppen vor schwereren Verläufen und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Infektion mit einer Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent.“
Speziell für ältere Menschen, die oft eine reduzierte Impf-Antwort hätten, ist ab 60 Jahren der Hochdosis-Impfstoff „Efluelda“ und ab 50 Jahren ein wirkstoffverstärkter Impfstoff zugelassen. Das RKI (externer Link) stellt Informationen für Schwangere und Risikogruppen bereit. Aufgrund zunächst geringer Vorbestellungen mahnte deshalb das Paul Ehrlich-Institut die Ärzte und Praxen, rechtzeitig ausreichend Influenza-Impfstoffe für den Herbst zu ordern, um Versorgungsprobleme zu vermeiden. Zu Beginn der Grippesaison sei die Versorgung in Deutschland und Bayern grundsätzlich gesichert.

