Audi verteidigt Döllners Auftritt mit Trump
Bei der Geschäftsführung wirbt man für Verständnis. Parteipolitische Neutralität sei für Audi ein wichtiger Grundsatz, zu dem man stehe, teilt eine Sprecherin mit. Die Entscheidung zur Teilnahme an dem Termin in Georgia sei nach sorgfältiger Abwägung und ausschließlich im Interesse des Unternehmens getroffen worden.
Sowohl der Audi-Aufsichtsrat als auch das Präsidium des Aufsichtsrat des VW-Gesamtkonzerns seien darüber informiert gewesen, dass unter Umständen die geplanten Investition auf einer Wahlkampfbühne angekündigt werden. Das habe zum Deal gehört, so die Begründung.
Compliance nur als Feigenblatt, das in der Praxis nichts wert ist?
Christoph Kaserer, Ökonom an der Technischen Universität München, bezeichnet den Auftritt im Gespräch mit BR24 als ebenso unklug wie ungewöhnlich und zumindest Compliance-mäßig in einem Graubereich. Der Experte kann aber auch die Notlage Audis verstehen: Die hohen US-Zölle auf importierte Fahrzeuge kosten das Unternehmen viel Geld. Da müsse man durchaus pragmatisch sein; die USA seien zudem ein wichtiger Automarkt, so Kaserer.
Er beobachtet auch in anderen Konzernen, dass Compliance-Regeln oft Schönwetter-Regeln seien, geschrieben von der Marketingabteilung. Wenn es dann aber in ein Unternehmen reinregne, seien sie nicht mehr so wichtig. Der Wirtschaftswissenschaftler geht davon aus, dass solche Verstöße nicht geahndet werden, wenn sie im Interesse des Unternehmens stattfinden.
Als Audi-Chef sei Döllner „nicht gut beraten“, die Einladung zu einer Wahlkampfveranstaltung abzulehnen, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) zu BR24. „Ich bin überzeugt, dass es für die amerikanischen Absatzzahlen hilft, dort präsent zu sein.“
Audi-Chef wendet sich mit Brief an Mitarbeiter
Und genau das betont die Geschäftsführung von Audi. So schreibt Döllner in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem BR vorliegt, „dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde“. Das nehme man sehr ernst. Man stehe zu den Werten und Grundsätzen des Unternehmens. Ebenso trage man Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft von Audi. Ob die Diskussion über den denkwürdigen Auftritt ihres Chefs damit beendet ist, bleibt abzuwarten.

