Sie hat Erdbeben, Fluten, Waldbrände überstanden und sogar einen Beleidigungsprozess gegen Zsa Zsa Gabor. Aber wer in Los Angeles lebt und in Hollywood Karriere macht, der muss eben ziemlich hart im Nehmen sein. Das war auch in den Sechzigerjahren schon so. Gleichwohl wurde die Berliner Pfarrerstochter Elke Sommer nie „cool“ im eigentlichen Sinn des Wortes, obwohl sie in Amerika gerade wegen ihrer kühlen Ausstrahlung als Blondine gefragt war: „Ich war bis ins hohe Alter wahnsinnig naiv und kindlich. Ich bin heute, glaube ich, noch nicht ganz erwachsen“, sagte sie einst.
Mit „Miss Viareggio 1958“ fing alles an
Geboren wurde sie 1940 in Berlin, als Elke Schletz. Mit zwei Jahren floh sie mit ihren Eltern nach Niederndorf bei Erlangen. Eine entbehrungsreiche Zeit, „aber eine schöne Kindheit“, erinnert sie sich. Nach dem frühen Tod ihres Vaters gab sie die Pläne fürs Medizinstudium auf. Sie ging nach der Schule als Au-pair nach England, machte dort in neun Monaten das High-Cambridge-Zertifikat – „dafür hätte ich in Erlangen zwei Jahre gebraucht“ – und machte mit 17 mit ihrer Mutter das erste Mal Urlaub.
Eine schicksalhafte Reise, wie sich später zeigte: In diesem Urlaub im italienischen Viareggio wird sie unerwartet zur „Miss Viareggio Touristica“ bestimmt. Das Foto der jungen Deutschen entdeckte der Regisseur Vittorio De Sica und engagierte sie sofort für zwei Spielfilme.
Natürlich hatte Elke Sommer in diesen frühen Filmen hauptsächlich im Bikini aufzutreten und immer wieder im Meer zu baden. Das Image wurde sie nie wieder los, aber weil sie anfänglich nach eigenen Worten keinerlei künstlerische Ambitionen hatte, war es ihr wohl ziemlich egal, wie sie auf der Leinwand rüberkam: „Ich habe die erste Rolle überhaupt nur angenommen, weil ich dafür Geld bekam. Ich war auf einem humanistischen Gymnasium, wollte eigentlich studieren, und habe aus reiner ‚Raffgier‘ eigentlich den ersten Film angenommen, weil man mir damals fünftausend Mark anbot.“
„Totenschiff“ an der Seite von Horst Buchholz
Eine ihrer ersten Produktionen in Deutschland war 1959 das „Totenschiff“, immerhin eine Literaturverfilmung mit Horst Buchholz und Mario Adorf in den Hauptrollen. Damals waren die Kritiker zwar nicht sonderlich begeistert, aus heutiger Sicht war der Film allerdings ein schwarzer Diamant unter all den seichten Heimatfilmen.
Mit ihrer sehr entspannten Lebenseinstellung, ihrem wahrhaft sonnigen Gemüt, passte Elke Sommer tatsächlich perfekt nach Kalifornien, wo sie lange lebte, bevor sie vor einigen Jahren wieder fest nach Marloffstein in der Nähe von Erlangen übersiedelte. Das alljährliche Pendeln war ihr zunehmend schwergefallen.
Golden Globe als Nachwuchsdarstellerin
Ihr größter Erfolg wurde ein Film an der Seite von Paul Newman. 1963 war das, ein spannender Thriller über die Nobelpreisverleihung, „Der Preis“. Dafür bekam sie als jahresbeste Nachwuchsdarstellerin einen Golden Globe. Sie drehte damals unablässig bis zu sieben Filme in einem Jahr. Besonders anspruchsvoll waren die allermeisten nicht, aber oft mit Weltstars besetzt und beim Publikum enorm erfolgreich.
Elke Sommer ist den Amerikanern bis heute ein Begriff, denn sie war nicht nur viele Jahre als Schauspielerin schwer beschäftigt, sie ließ auch kaum eine Talkshow im Fernsehen aus. Obwohl sie Studios angeblich nicht sonderlich mag, kam sie zeitweise gar nicht mehr raus: „Ich habe die Sechzigerjahre nicht verstanden, ich habe sie nicht gelebt, die sind für mich eine Dekade, die nicht existierte, leider!“
Ihre Gesangskarriere verlief nicht sonderlich erfolgreich, aber das ging ja mehreren sehr populären Schauspielerinnen so. Als Malerin machte sie mehr Furore und stellte häufig aus, sogar in New York. Nun ist Elke Sommer im Alter von 85 Jahren gestorben.

