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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Aschenputtel greift lieber selbst ein: „Cinderella“ in Füssen
Kultur

Aschenputtel greift lieber selbst ein: „Cinderella“ in Füssen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. August 2024 12:49
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Anders als Opernkomponist Gioacchino Rossini hatte der britische Musical-Mogul Andrew Lloyd Webber mit dem Märchen vom Aschenputtel („Cinderella“) 2021 kein Glück. Seine viel beachtete Bühnenversion bekam nach der Uraufführung in London zwar zunächst gute Kritiken, doch das Publikum blieb in der Pandemie-Zeit aus, auch nach der Premiere am New Yorker Broadway, wo es abschätzige Reaktionen hagelte.

Inhaltsübersicht
„Aschenputtel erhofft sich nicht einfach Errettung“„Mal schauen, was die Leute sagen“„Auszeit von der Realität“

Einer der Gründe dafür: Webber hatte sich wohl zu sehr darum bemüht, das bekannte Volksmärchen zu aktualisieren. So ließ er den schwulen Kronprinzen einen Mann heiraten und verkuppelte die rebellische und selbstbewusste Cinderella lieber mit ihrem alten Kumpel Sebastian aus Kindheitstagen, der seine Freizeit weitgehend der „Muckibude“ widmet.

„Aschenputtel erhofft sich nicht einfach Errettung“

Für Regisseur Benjamin Sahler, der im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen jetzt eine eigene Musical-Version inszeniert, sind das etwas arg viel Gegenwartsbezüge: „Es gibt wahrscheinlich 20 oder 25 Cinderella-Versionen als Musical. Das Stück von Andrew Lloyd Webber ist ja gefloppt, schon von daher war es für uns nicht so interessant. Außerdem wird die Geschichte dort sehr, sehr anders erzählt, nämlich auf den Kopf gestellt. Dort ist Cinderella quasi die Böse, wie im Song ‚Bad Cinderella‘ deutlich wird, und so weit wollten wir uns dann doch nicht in eine Neudeutung vorwagen.“

Allerdings hat auch Sahler den Ehrgeiz, die Fabel von überkommenen Rollenklischees zu befreien. Eine junge Frau, die demütig darauf wartet, dass sie von einem vermeintlichen Märchenprinzen aus dem Elend geholt wird, erschien ihm zu altbacken: „Zwar sind die Kulissen märchenhaft, wir wollen die Geschichte aber etwas emanzipierter erzählen. Hoffentlich haben wir den Zeitgeist damit getroffen. Das Aschenputtel erhofft sich nicht nur einfach die Errettung durch einen Prinzen, sondern greift aktiv selbst in ihr Schicksal ein und übernimmt die Gestaltung ihres Lebens und hat dadurch eine gewisse Vorbildfunktion. Sie zeigt dadurch, dass man nicht immer nur auf die Magie warten muss.“

Eine Art Ledermanufaktur wird es übrigens auch geben: Ein einziger goldener Schuh erschien Sahler nach eigenen Worten zu wenig: „Passt doch in die heutige Zeit, es wird alles kopiert und in Massen produziert. Aber auch mit 5.000 Schuhen gelingt es erst mal nicht, die Richtige zu finden.“

„Mal schauen, was die Leute sagen“

Die Musik zur Füssener Fassung von „Cinderella“ schrieb der junge Komponist Ephraim Peise. Natürlich wird von ihm eine gehörige Portion Romantik erwartet, denn immerhin ist Schloss Neuschwanstein, in Sichtweite vom Festspielhaus, bei US-Touristen als „Cinderella-Castle“ bekannt – nicht von ungefähr stehen zwei „Nachbauten“ in Disney-Freizeitparks. „Wir haben ganz gezielt einen Stoff ausgesucht, den es zwar als Disney-Verfilmung gibt, auch mehrfach als Real- und Zeichentrickfilm, aber noch nicht auf der Musicalbühne. Wir wollten eine Füssener Version eines Disney-artigen Musicals schaffen. Mal schauen, was die Leute sagen. In den vier Voraufführungen war das Publikum jedenfalls sehr begeistert“, so Sahler.

„Auszeit von der Realität“

Er verweist gegenüber dem BR darauf, dass im Füssener Festspielhaus mehrere Musicals mit zeitgeschichtlichen Stoffen auf dem Spielplan stehen, etwa „Zeppelin“ über den Untergang des Luftschiffs „Hindenburg“ in der NS-Zeit, über das tragische Leben von Ludwig II., über den Künstler Friedensreich Hundertwasser oder die fiktive mittelalterliche Päpstin: „Wir wollen unserem Publikum auch mal ein niederschwelliges Einstiegsangebot anbieten, wo auch Familien mit Kindern kommen können für ein bisschen Auszeit von der Realität.“

Über seine Inszenierung sagt Benjamin Sahler augenzwinkernd: „Tempo, Tempo, Tempo! Es darf halt nicht langweilig werden. Man darf sich nichts vormachen, gerade bei Cinderella. Die Story ist bekannt, ich werde das Publikum nicht damit fesseln, dass es gespannt ist, wie die Geschichte ausgeht. Deswegen kommt es auf Geschwindigkeit, Humor, Power und Pep an.“

Übrigens werden in „Cinderella“ einige Kulissen vom Ludwig-Musical wiederverwendet, was ja nur folgerichtig ist – sozusagen königliche Romantik!

„Cinderella“ am Festspielhaus Füssen, Premiere 28. August, Vorstellungen 31. August, 7. und 28. September, weitere Termine.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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