München gilt als Stadt der Schickeria, der Biergärten und historischen Fassaden. In den 80er- und 90er-Jahren war München aber auch ganz schön wild, bekannt für seine Discotheken, Clubs und die Vielfalt der Musikszene. Queen oder Deep Purple haben in München aufgenommen und die Stadt wurde von berühmten Stars besucht, die das Nachtleben in der bayerischen Landeshauptstadt schätzten.
Zurück in die 90er
„München Beats“ will genau dahin zurück. Die Serie erzählt (zumindest vordergründig) von den Anfängen der Technokultur und des Partyviertels Kunstpark Ost in München in den 1990ern. Und sie tut das anhand der Geschichte von Linda, die den Bauernhof ihrer Eltern auf dem Land verlässt und sich mitten hinein in die Rave-Szene in München stürzt. Bald jobbt sie in einem Club, kauft sich die ersten Platten und ein Mischpult.
Währenddessen kämpft der Kartoffel-Bauernhof ihrer Eltern allerdings ums Überleben. Denn: Das große Münchner Knödel-Unternehmen Pfanni, das der Hof von Lindas Eltern beliefert, steht vor dem Aus. Eine wahre Geschichte. Tatsächlich gab Pfanni 1996 sein Fabrikgelände am Münchner Ostbahnhof auf. Und dort entstand im Anschluss das größte Kultur- und Partyviertel Europas, der Kunstpark Ost.
Als das Pfanni-Gelände zum Club-Areal wurde
Am bekanntesten war dort der Techno-Club Ultraschall, der in die alte Kartoffelwaschanlage einzog. Genau von diesen historischen Begebenheiten erzählt „München Beats“, wobei der Serientitel etwas täuscht. Denn die Münchner Club- und Technoszene ist eigentlich nur die „coole“ Kulisse für zwei Familiengeschichten, die hier erzählt und miteinander verwoben werden.
Weit mehr als um Raves und das Nachtleben geht es in „München Beats“ um Geschäfte, Geld und Liebe. Im Mittelpunkt steht die fiktive Romanze zwischen dem Pfanni-Sohn Marius, gespielt von Klaus Steinbacher, und der angehenden Musikerin Linda, gespielt von Jule Hermann.
Eher Daily-Soap als Milieustudie
„München Beats“ ist damit eher eine Daily-Soap als eine ernsthafte Milieustudie. Von Techno-Legenden wie Jeff Mills oder Carl Craig, die einst im Ultraschall in München aufgelegt haben, keine Spur. Auch die Techno-Community bleibt, abgesehen von Linda und ihrem schwulen Bruder Andi, größtenteils unsichtbar.
Man hätte viel erzählen können über Subkultur, Queerness, Diversität und Musikrebellion, über das Clubsterben – gerade hat in München der internationale Techno-Club „Blitz“ geschlossen. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf die historisch überlieferte Unternehmensgeschichte von Pfanni, auf die Verwandlung des Firmengeländes in ein Partyviertel und vor allem auf die erfundenen Schicksalsschläge innerhalb der beiden Familien.
Mehr Münchner Kartoffeln als Münchner Beats also in dieser sehr konventionell erzählten Serie, die das Risiko scheut und sich für Techno nicht wirklich interessiert.

