Der Blick auf die fein säuberlich aneinandergereihten Solarpanels auf den Dächern eines Neubau-Quartiers im Münchner Osten macht schnell deutlich: Es könnte schlechter stehen um die Auftragslage bei Manuel Landerer. Der 25-Jährige ist Geschäftsführer eines Elektrofachbetriebs in Aying – und hat nach eigenen Angaben alle Hände voll zu tun. „Wegen der Energiekrise und den stetig hohen Energiepreisen amortisieren sich halt dezentrale Energieprojekte extrem schnell“, sagt er. „Bei gewerblich-industriellen Projekten reden wir da von fünf bis sechs Jahren“, so Landerer. Deswegen sei die Nachfrage bisher sehr stark gewesen. Doch auch Landerer spürt, dass die geopolitische Lage die Wirtschaft in Deutschland derzeit stark destabilisiert. Er merkt das am Neubau: „Der Bau geht zurück, das sehen wir auch bei unseren Anfragen.“
Und das macht sich auch beim gesamten Handwerk bemerkbar: Laut einer Umfrage des Bayerischen Handwerkstags (BHT) bewerteten Ende Juni zwar 80 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend. Doch das sind bereits drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Und: 28 Prozent der Betriebe berichteten von sinkenden Umsätzen – fünf Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Besorgniserregend aus Sicht des BHT: Mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage im 3. Quartal rechnen nur 9 Prozent der Betriebe, mit einer Verschlechterung dagegen 19 Prozent.
Stimmung so schlecht wie in der Corona-Krise
Der Wert der Betriebe, die ihre Lage als gut oder befriedigend einschätzen, ist im Handwerk typischerweise selbst in schwierigen Zeiten sehr hoch. Er denke, die Handwerker schätzen Ihre Lage im Verhältnis zur Gesamtstimmung in Bayern ein und sagen, im Vergleich dazu geht es mir noch ganz passabel, erklärt Bayerns Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. Vor einigen Jahren sei es vielen aber noch wesentlich besser gegangen. Das zeigt sich auch im Geschäftsklima der Branche. Es fiel zuletzt auf den niedrigsten Wert in einem zweiten Quartal seit der Hochphase der Corona-Krise 2020.
Handwerk fordert bessere Rahmenbedingungen
Die Gründe für die eingetrübte Stimmung seien vielfältig, so Peteranderl. Die Bundesregierung müsse generell mehr Reformeifer zeigen. Beispiel Wohnungsbau: Obwohl die Baugenehmigungen seit 2025 wieder zulegen, blieben die übergeordneten Rahmenbedingungen aus hohen Baukosten, langwierigen Verfahren und ansteigenden Zinsen ein gewaltiger Hemmschuh. Handwerkliche Zulieferbetriebe litten weiterhin unter der Schwäche der Industrie, während das Kfz-Handwerk zumindest etwas von der steigenden Nachfrage nach E-Fahrzeugen profitierte. Aufgrund der herrschenden Unsicherheit sei auch keine kurzfristige Besserung zu erwarten. So bleibe das Konsumklima in Deutschland ausgesprochen schwach.
Auch die Beschäftigungssituation bleibt angespannt. Nach Schätzungen der Kammern waren zum Ende des 1. Halbjahres rund 944.000 Personen in den Betrieben tätig. Dies entspreche im Jahresvergleich einem Rückgang von 1,1 Prozent. Gleichzeitig sei die Zahl der Handwerksbetriebe um ein halbes Prozent auf 214.000 gestiegen. Dahinter stecken einem Sprecher zufolge allerdings viele Ein-Mann-Firmen.
Lichtblick: Mehr Azubis
Trotz der zunehmend angespannten Lage werden im bayerischen Handwerk weiter Fachkräfte gesucht. Laut BHT-Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers sind bei den Arbeitsagenturen etwa 30.000 offene Stellen gemeldet. Vor allem im Elektrohandwerk, in der Gebäudetechnik, sowie im Kfz-Bereich gebe es Engpässe. Umso wichtiger sei es deshalb, verstärkt junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen. Hier gebe es auch einen Lichtblick. Bis Ende Juli wurden rund 17.800 neue Lehrverträge im bayerischen Handwerk abgeschlossen, das sei gegenüber dem Vorjahrszeitraum ein Anstieg von 7,4 Prozent.
Mehr ausgebildete Handwerker – auch für den Ayinger Solarunternehmer Manuel Landerer dürfte das nach einer guten Nachricht klingen. Seine Auftragsbücher sind voll. Dass er den Workload überhaupt stemmen kann, liege auch an Künstlicher Intelligenz. Sie helfe bei der Beratung von Kunden, bei der Automatisierung von Angeboten, bei der Projektplanung. Dafür führt die Firma gerade eine eigene Datenbasis ein, die die KI mit fachspezifischen Infos füttert. Damit sollen auch Nichtfachkräfte zu Fachkräften werden.
Doch der Fachkräftemangel ist trotzdem ein Problem in Landerers Betrieb, vor allem im ausführenden Handwerk. Mindestens zwei zusätzliche Mitarbeiter könnte der Ayinger gut gebrauchen.

