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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Makuladegeneration: Implantat ermöglicht wieder scharfes Sehen
Wissen

Makuladegeneration: Implantat ermöglicht wieder scharfes Sehen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 24. Oktober 2025 16:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Augenerkrankung in Deutschland (externer Link) und die häufigste Ursache für Erblindung im Alter. In Deutschland sind schätzungsweise fünf bis sieben Millionen Menschen betroffen. Besonders heimtückisch ist die sogenannte „trockene“ oder atrophische Form: In der Netzhautmitte, der Makula, sterben nach und nach die lichtempfindlichen Sinneszellen ab – das scharfe Sehen geht verloren. Bisher konnten Therapien wie Medikamente oder Injektionen nur das Fortschreiten bremsen, nicht aber verlorenes Sehen zurückbringen.

Inhaltsübersicht
Mikrochip, Spezialbrille und Mini-Computer am GürtelMakuladegeneration: Erste klinische Studie zeigt deutliche VerbesserungenGehirn-Training ist für besseres Sehen mit Implantat entscheidendRisiken und Nebenwirkungen nach dem EingriffVerlorene Sehkraft wiederherstellen: Technik, die auf dem Vormarsch ist

Mikrochip, Spezialbrille und Mini-Computer am Gürtel

Das neue Verfahren haben Forscherinnen und Forscher um Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, im Fachjournal New England Journal of Medicine (externer Link) vorgestellt: Es besteht aus einem Mikrochip und einer Spezialbrille. Der Chip – kaum größer als ein Stecknadelkopf, zwei Millimeter breit und 30 Mikrometer dünn – wird direkt unter die Netzhaut implantiert. Dort ersetzt er die zerstörten Fotorezeptoren: Er wandelt infrarotes Licht in elektrische Impulse um, die an die nachgeschalteten Nervenzellen der Netzhaut weitergegeben und schließlich über den Sehnerv ans Gehirn geleitet werden. Dazu erfasst eine Spezialbrille mit Mini-Kamera die Seheindrücke und schickt sie an einen Mini-Computer, der am Gürtel getragen wird. Dieser vergrößert die Bilder um das bis zu Zwölffache, erhöht den Kontrast und projiziert die verbesserten Bilder dann als Infrarotlichtmuster auf den Chip.

Makuladegeneration: Erste klinische Studie zeigt deutliche Verbesserungen

Die Kombination von Mikrochip und Spezialbrille wurde bei 38 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener trockener AMD getestet. Nach zwölf Monaten zeigte sich bei 81 Prozent eine klinisch relevante Verbesserung der Sehkraft: „Sie konnten Buchstaben, Wörter sehen, wieder lesen, am Bahnhof erkennen, wann ein Zug abfährt“, berichtet Studienleiter Frank Holz. Auch nach einem Jahr blieb die Funktion des Implantats stabil. „Es ist erstmals überhaupt gelungen bei der Erkrankung, dass man eine Sehverbesserung erzielt hat. Früher ging es immer nur um das bescheidene Ziel, das Fortschreiten zu verlangsamen“, berichtet Holz.

Gehirn-Training ist für besseres Sehen mit Implantat entscheidend

Bis Patienten mit der neuen Technik sicher umgehen können, braucht es allerdings Geduld. Nach der Operation folgt ein intensives Rehabilitationsprogramm über viele Monate: „Sie müssen lernen, das Schwarz-Weiß-Bild des Chips mit dem verbliebenen Seheindruck zu verbinden“, erklärt Holz. Denn in den äußeren Bereichen der Netzhaut funktionieren die eigenen Sehzellen meist noch. Auch die Steuerung über die Spezialbrille will geübt sein – Zoom, Helligkeit und Kontrast lassen sich individuell anpassen.

Risiken und Nebenwirkungen nach dem Eingriff

Kleinere Komplikationen traten nach Angaben der Forschenden in rund der Hälfte der Fälle auf, größtenteils kurz nach dem Eingriff. Dazu gehörten erhöhter Augeninnendruck, kleine Netzhautrisse oder Blutungen, die jedoch in der Regel innerhalb weniger Wochen abklangen. Schwerwiegende Schäden oder ein Verlust des Restsehens wurden nicht beobachtet.

Verlorene Sehkraft wiederherstellen: Technik, die auf dem Vormarsch ist

Noch ist das PRIMA-System ein Prototyp. Die Elektronik soll künftig weiter miniaturisiert und die Auflösung verbessert werden. Denkbar sind künftige Implantate mit höherer Pixelzahl oder mehrere kleine Chips, die größere Areale der Makula abdecken. Langfristig könnte die Technik auch für andere Netzhauterkrankungen interessant werden. Für die Zulassung in Europa laufen derzeit die Vorbereitungen.

Dennoch: Was vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction galt, rückt damit in greifbare Nähe: ein elektronischer Ersatz für die Fotorezeptoren des Auges. Erstmals ist es gelungen, verlorenes Sehen teilweise wiederherzustellen – nicht durch Stammzellen oder Gentherapie, sondern durch eine Kombination aus Mikrochips, Infrarotlicht und neuronaler Anpassung. Für Betroffene der Makuladegeneration ist das ein Hoffnungsschimmer.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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