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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Gestalter werden“: Marina Weisband über Selbstwirksamkeit
Kultur

„Gestalter werden“: Marina Weisband über Selbstwirksamkeit

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. September 2025 17:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Schauspieler, Prominente und User auf Sozialen Medien haben nach der plötzlichen Absetzung der US-Show „Jimmy Kimmel Live!“ zu einem Boykott des Streamingdienstes Disney+ aufgerufen. Die Disney-Aktie ist daraufhin eingekracht. Das Ergebnis: Der Konzern hat Jimmy Kimmel schon nach fast einer Woche wieder zurückgeholt. Der Boykott und die öffentliche Empörung waren erfolgreich.

Inhaltsübersicht
Mit Selbstwirksamkeit die Welt verändernVom Konsumenten zum Gestalter

Oder wie es Publizistin und Grünen-Politikerin Marina Weisband nennen würde: Der politische Akt war erfolgreich. „Was ich konsumiere, was ich nicht konsumiere, was ich tue oder lasse – das hat alles Auswirkungen auf die Politik“, sagt sie. Es sei eine ermutigende Nachricht, dass jeder einzelne Konsument Einfluss auf die Handlungen von Konzernen haben kann. Ein solcher „rebellischer Konsument“, wie ihn Weisband nennt, sei die erste Stufe zur Selbstwirksamkeit, die sie als essentiell in einer Demokratie ansieht.

Mit Selbstwirksamkeit die Welt verändern

Selbstwirksamkeit – das ist laut Marina Weisband ein Gefühl und ein Glaube, dass sich durch eine Handlung eines einzelnen schon etwas in der Welt verändere. Dafür nennt die Publizistin im BR-Gespräch sogar schon ein ganz banales Beispiel: „Wenn ein Baby ein Bauklötzchenturm umschmeißt, und der Turm anders aussieht als vorher – dann ist das Selbstwirksamkeit.“

Das Problem sei nur, dass viele Menschen in Umgebungen aufwachsen oder sich in einer befänden, in denen sie ihre eigene Selbstwirksamkeit nicht entfalten können. Seien es autoritäre Elternhäuser oder ein Arbeitsplatz mit Kollegen, die einem die ganze Zeit sagen, was zu tun ist. Hinzu kommt die Nachrichtenlage in der Welt, die ein Ohnmachtsgefühl verstärkt: „Alles brennt und wir können nichts dagegen tun“, sagt Marina Weisband. „Daraus entwickeln wir erlernte Hilfslosigkeit. Die macht uns nicht nur psychisch krank, sondern auch politisch handlungsunfähig.“

Deswegen sei gerade der Fall um Jimmy Kimmel so bedeutend. Es sei eine der notwendigen Selbstwirksamkeits-Erfahrungen, um sich die Selbstwirksamkeit dauerhaft zurückzuholen. Eine solche Erfahrung könne aber auch schon ganz niedrigschwellig sein, wie „wenn Menschen in ihrer Nachbarschaft einen Bewässerungskübel für Pflanzen aufstellen und plötzlich können alle Menschen die Bäume auf ihrer Straße gießen.“

Vom Konsumenten zum Gestalter

Marina Weisband unterscheidet dabei zwischen einem Konsumenten und einem Gestalter. Ein „rebellischer Konsument“, der zum Beispiel aus Protest sein Disney-Abo kündigt, habe bereits Stufe eins erreicht.

Dort könne er aber nicht stehenbleiben, das Ziel sei Stufe zwei, der Gestalter: „Ein Konsument kann maßgeblich nicht die Produktpalette gestalten. Ein Gestalter kann das schon. Er geht hin und schaut: Wie ist die Welt? Und wie könnte die Welt sein? Er ist nicht darauf angewiesen, dass im Laden zufällig die richtigen Produkte stehen. Sondern er macht sich und anderen, was sie gemeinsam brauchen.“

Das funktioniere, indem man sich wieder mit seinen Nachbarn und seiner Gemeinschaft treffe, sich lokal engagiere und sich so in Stufe zwei, beziehungsweise als Gestalter die Selbstwirksamkeit nimmt, die ein Konsument gar nicht haben kann.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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