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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > In der Sauna auf Siegerkurs: Wer bei ESC-Experten vorne liegt
Kultur

In der Sauna auf Siegerkurs: Wer bei ESC-Experten vorne liegt

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 17. Mai 2025 11:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Der ESC ist ja nicht nur Pop-Event und regenbogenbuntes Diversity-Hochamt, sondern nebenbei auch immer wieder eine Art Nachhilfestunde in Geografie. So werden manche Zuschauer in diesem Jahr vermutlich erstmals davon hören, dass es in Finnland eine kulturell bedeutsame schwedische Minderheit gibt, weshalb Schwedisch zweite Nationalsprache ist. Wo die Comedy-Band KAJ zu Hause ist, in der abgelegenen Küstenregion Vaasa, sind die Schweden sogar mit 80 Prozent in der Mehrheit.

Inhaltsübersicht
„Einfach in die Sauna gehen“„Pop-Oper“ aus Österreich liegt gut im RennenNemo lobt deutschen Beitrag: „Top Ten“Streit um Teilnahme IsraelsUkraine will „Traum vom Frieden erschaffen“

„Einfach in die Sauna gehen“

Könnte sein, dass dort nach dem ESC-Finale ganz groß gefeiert wird: Die Sänger Kevin Holmström, Axel Åhman und Jakob Norrgård (deshalb die Initialen KAJ) sind in diesem Jahr Top-Favorit der Wettbüros und Experten. Und weil sie für Schweden antreten, könnten beiderseits des Bottnischen Meerbusens zu später Stunde die Dampfbäder angeworfen werden, denn mit ihrem Song „Bara bada bastu“ („Einfach in die Sauna gehen“) geht’s ums Schwitzen in geselliger Runde. Optimal auch der Startplatz 23, sozusagen das Finale des Finales.

Weil Alkohol zwischen Schweden und Finnland, also auf der Ostsee, deutlich billiger ist als in den jeweiligen Ländern, sind die Beziehungen übrigens exzellent, wie jeder bestätigen wird, der mal mit einer „Duty-Free“-Fähre unterwegs war und dabei ausnahmsweise nüchtern geblieben ist.

Finnland wird übrigens beim ESC durch Erika Vikman vertreten, die mit ihrer Erotik-Performance „Ich komme“ (auf Deutsch gesungen) Skandal machte. Manchem Funktionär war das „zu sexuell“, der Act sollte entschärft werden: Ob es beim „lasziven Ritt auf dem Mikrofonständer“ bleibt?

„Pop-Oper“ aus Österreich liegt gut im Rennen

Österreich (Startplatz 9) liegt mit Countertenor JJ und „Wasted Love“ übrigens auch sehr gut im Rennen und könnte den Saunafans noch gefährlich werden, denn nicht überall in Europa wird das splitternackte Dampfbaden bekanntlich gleichermaßen geschätzt.

JJ, bürgerlich Johannes Pietsch und aufgewachsen in Dubai, wird der Klassik-Metropole Wien insofern gerecht, als er mit einer dreiminütigen „Pop-Oper“ ins Rennen geht und zu den jugendlichen Fans der legendären Opern-Diven Maria Callas und Montserrat Caballé zählt. Mal sehen, wie die angekündigte „Fetzengaudi“ im Falsettgesang ankommt.

Nemo lobt deutschen Beitrag: „Top Ten“

Aus Wien stammt auch das Geschwisterpaar Attila und Tünde Bornemisza, „Abor & Tynna“, die in diesem Jahr Deutschland vertreten und auf Startplatz 16 gelistet sind. Ihr Song „Baller“ gilt als lautmalerisch, zumindest der Refrain müsste international verständlich sein: „Ich baller, ich baller, La-la-la-la-la“. Die professionellen Pop-Propheten und britischen Wettanbieter sind davon allerdings mäßig begeistert und sagen einen Platz im (unteren) Mittelfeld voraus.

Wie es auch immer ausgeht: Der Vater der Geschwister ist Cellist bei den Wiener Philharmonikern und dürfte sie musikalisch vorteilhaft geprägt haben. Mozart und Wolfgang Ambros sind auch keine schlechten Vorbilder, und Vorjahressieger Nemo erwartet für „Abor & Tynna“ immerhin eine Platzierung in den Top Ten.

Streit um Teilnahme Israels

Beschämend, dass die israelische Sängerin Yuval Raphael, die sich im 2. Halbfinale mit „New Day Will Rise“ einen Platz im Finale sicherte und auf Startplatz 4 antritt, wegen der hochumstrittenen Politik der israelischen Regierung „hundertprozentig“ mit Buhrufen aus dem Publikum rechnet, obwohl der ESC doch eigentlich die Toleranz feiert und für gegenseitiges Verständnis wirbt. Beim Halbfinale gab es Beobachtern zufolge, anders als im vergangenen Jahr, allerdings nur wenig wahrnehmbaren Protest.

Raphael gehört zu den Überlebenden des Nova-Musikfestivals, auf das die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 einen Anschlag verübte. Die Sängerin überlebte, indem sie sich mehrere Stunden unter Leichen in einem Bunker versteckt hielt.

Ukraine will „Traum vom Frieden erschaffen“

Die Ukraine wird in diesem Jahr von der Band „Ziferblat“ mit dem Folkrock-Song „Bird of Pray“ repräsentiert, eine Anspielung auf den Vogel Phoenix, der sich immer wieder aus der Asche erhebt: „Fliege, Vogel, ich flehe dich an. Ich flehe dich an, lebe …“ Gitarrist Valentin Leschtschynski sagte im Vorfeld: „Wir wollen auf der Bühne einen Traum erschaffen – wenn auch nur für drei Minuten, für Ukrainer – als ob der Krieg in ganz naher Zukunft vorüber wäre.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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