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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Homosexualität gilt seit 35 Jahren nicht mehr als Krankheit
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Homosexualität gilt seit 35 Jahren nicht mehr als Krankheit

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 18. Mai 2025 11:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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„Fetischismus“ und „Transvestitismus“ gibt es bald nicht mehr als Diagnosen: Die neueste Version der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde bereits im Jahr 2022 eingeführt.

Inhaltsübersicht
Änderung der Klassifikation mit weitreichenden FolgenTransidentität laut ICD-11 keine psychische Erkrankung mehr„Auf biologischer Ebene ist Varianz die Normalität“In der Generation Z weltweit nur 68 Prozent eindeutig heterosexuellIntergeschlechtlichkeit als „Variante der Geschlechtsentwicklung“Mehr als zwei Geschlechter und verschiedene Formen sexuellen Begehrens

Änderung der Klassifikation mit weitreichenden Folgen

In Deutschland befindet sie sich derzeit in einer Übergangsphase, in der auch noch nach der alten Version diagnostiziert wird. Der weltweit geltende Katalog definiert auch im Themenbereich der Sexualität, welche Diagnosen gestellt werden können, und prägt somit das Bild davon mit, was als „gesund“ und was als „krank“ gilt. Mit weitreichenden Konsequenzen für die Betroffenen.

Tritt die neueste Version spätestens 2027 vollständig in Kraft, gibt es „wahnsinnig große Änderungen“, meint die Psychologin Juliette Marchewka, die sich als Wissenschaftlerin an der Universität Potsdam mit den Veränderungen der Krankheitsklassifikation im Bereich der sexuellen Gesundheit beschäftigt hat (externer Link).

Transidentität laut ICD-11 keine psychische Erkrankung mehr

In der alten Version der Klassifikation befand sich „Transsexualismus“ noch im Kapitel der psychischen Störungen. Doch das ist nun endgültig Geschichte, erklärt die Psychologin: „Wir haben nun im ICD-11 ein neues Kapitel zur sexuellen Gesundheit. Das heißt: Ganz offiziell, laut WHO im großen Konsens, ist zum Beispiel Transidentität als eine Geschlechtsinkongruenz keine psychische Erkrankung mehr.“

„Auf biologischer Ebene ist Varianz die Normalität“

Vor dem Jahr 1990 wurde auch Homosexualität noch als „Störung“ definiert. Basierend auf der Vorstellung, dass es ein Ideal gebe und je weiter man davon abweicht, desto schlechter oder falscher wäre das, erzählt Juliette Marchewka. „Dieser Begriff der Abnormalität – mathematisch soll der ja eigentlich nur sagen: nicht das, was die meisten machen.“ Das werde dann aber als normativ „falsch“ verstanden, meint die Psychologin. „Auf biologischer Ebene ist aber Varianz die Normalität. Das heißt, die einzige Normalität, die es gibt, ist, dass wir uns sehr stark voneinander unterscheiden!“ Das sei auch der Treiber von Evolution und von Anpassung.

In der Generation Z weltweit nur 68 Prozent eindeutig heterosexuell

So bezeichnen sich zwar die meisten Menschen als heterosexuell oder als cis-männlich oder -weiblich. Das heißt, sie identifizieren sich mit dem Geschlecht, als das sie auch von außen wahrgenommen werden. Doch gleichzeitig gibt es sehr viele Personen, die nicht der heteronormativen Vorstellung entsprechen.

In der Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ (externer Link) gaben etwa knapp ein Prozent der Frauen und knapp zwei Prozent der Männer an, homosexuell zu sein. Bisexuell knapp zwei Prozent der Frauen und knapp ein Prozent der Männer. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts „Ipsos“ (externer Link) beschreiben sich in der Generation Z weltweit nur 68 Prozent als eindeutig heterosexuell. In Deutschland bezeichnen sich zwölf Prozent der Befragten als homo-, bi-, pan- oder asexuell sowie transgender und non-binär. Und je nachdem, welche Erscheinungsform gezählt wird, gibt es in Deutschland rund 160.000 Menschen, die intergeschlechtlich sind.

Intergeschlechtlichkeit als „Variante der Geschlechtsentwicklung“

Anike Krämer forscht als Soziologin an der Technischen Universität Dortmund zu Intergeschlechtlichkeit. Sie sagt: Hier zeige sich besonders deutlich, wie groß die körperliche Varianz sein kann, und wie kulturelle Vorstellungen dazu führen, dass diese Varianz als falsch definiert und deswegen diskriminiert oder mit Gewalt begegnet wird. „Diese Idee, dass alles, was nicht in unsere Normvorstellungen passt, als krank oder als fehlgebildet oder als deformiert zu beschreiben, ist etwas Kulturelles.“

Zwar gibt es gewisse behandlungsbedürftige Formen, die mit Intergeschlechtlichkeit einhergehen. Doch seit dem Jahr 2021 ist es in Deutschland sogar verboten, an Kindern mit „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ geschlechtsangleichende Operationen durchzuführen. Darüber sollen sie später selbst entscheiden können.

Mehr als zwei Geschlechter und verschiedene Formen sexuellen Begehrens

Inzwischen hat sich auch in weiten Teilen der Medizin die Erkenntnis durchgesetzt, dass es mehr als nur die zwei Geschlechter gibt. Dass beim sexuellen Begehren unterschiedliche Formen existieren, die nicht fix sind, sondern sich auch ändern können. Genauso wie bei der Geschlechtsidentität.

Doch obwohl sich die Krankheitsklassifikation inzwischen weiterentwickelt hat: Bei vielen Menschen herrscht das Denkmuster vor, dass die Abweichung von „der Norm“ falsch sei. Das zeigt sich nicht zuletzt in Bayern: Hier haben sich im letzten Jahr die queerfeindlichen Straftaten verdoppelt.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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